Die Schlacht bei Neuenegg 1798: Ein Wendepunkt in der Schweizer Geschichte
Die Schlacht bei Neuenegg, die am 5. März 1798 stattfand, war ein entscheidendes Ereignis im Rahmen des französischen Einmarsches in die Schweiz. Obwohl die Schlacht selbst militärisch wenig Auswirkungen hatte, symbolisierte sie das Ende der alten Eidgenossenschaft und leitete eine neue Ära in der Schweizer Geschichte ein.
Vorgeschichte: Der französische Einmarsch
Im März 1798 marschierten französische Truppen unter dem Kommando von General Balthasar Alexis Henri Antoine von Schauenburg in die Schweiz ein. Ihr Ziel war es, die Eidgenossenschaft zu destabilisieren und die Schweiz in die Französische Revolution einzubinden. Am 2. März 1798 ergaben sich die freiburgischen Truppen kampflos, und die französischen Armeen stiessen nun von Solothurn und Freiburg im Üechtland in Richtung Bern vor.
Die Schlacht bei Neuenegg
In der Nacht vom 4. auf den 5. März 1798 überwältigten die Franzosen das kleine Berner Kontingent, das den Übergang über die Sense bei Neuenegg bewachte. Auf Berner Seite wurde noch in der Nacht der Berner Landsturm aufgerufen. In der Stadt Bern mobilisierte Generaladjudant Johann Weber die vorhandenen Soldaten, 2300 Mann, und brach am Morgen des 5. März 1798 Richtung Neuenegg auf.
Als Weber mit seinen Truppen eintraf, trafen sie auf die Franzosen bei Oberwangen. Die Berner Truppen drängten die Franzosen zurück bis zur Ebene von Neuenegg. Doch dort stiessen sie auf die französische Artillerie und Infanterie, was zu erheblichen Verlusten auf Berner Seite führte.
Am Nachmittag begannen die Franzosen sich über die Sensebrücke in Richtung Freiburg zurückzuziehen und wurden dabei von drei bernischen Kanonen beschossen. Obwohl die Berner Truppen die Schlacht für sich entschieden, erreichte sie keinen strategischen Vorteil. Die französischen Truppen setzten ihren Vormarsch fort, und Bern fiel wenig später in die Hände der Franzosen.
Nachwirkungen und Bedeutung
Trotz des taktischen Sieges in Neuenegg war die politische Lage für die Schweiz entschieden. Die französische Armee hatte Bern erobert, und die alte Eidgenossenschaft zerbrach. Die Berner Truppen, erschöpft und demoralisiert, konnten den Vormarsch der Franzosen nicht aufhalten.
Zur Erinnerung an die Schlacht wurde 1866 ein Denkmal oberhalb von Neuenegg errichtet. Es trägt die Inschrift: „Den Kampf gewonnen, das Vaterland verloren!“ Dieses Denkmal erinnert an die tapferen Kämpfer, deren Opfer letztlich nicht ausreichten, um die politische Ordnung der Schweiz zu bewahren.
Fazit
Die Schlacht bei Neuenegg war mehr als nur ein militärisches Gefecht. Sie symbolisierte das Ende einer Ära und den Beginn einer neuen politischen Ordnung in der Schweiz. Obwohl die Berner Truppen tapfer kämpften, war der Ausgang der Schlacht ein Vorbote für die Veränderungen, die die Schweiz in den kommenden Jahren durchlaufen würde.
Heute erinnert das Denkmal bei Neuenegg an diese entscheidende Zeit in der Schweizer Geschichte und an die Opfer, die im Kampf für die Freiheit gebracht wurden.
Gedenkveranstaltung:
Eingeladen hatte das 3eme rgt. Suisse, weches sich der Geschcihet des 3. Regimentes der schweizer truppen unter Napoleon 1806 verschrieben hat.
Angemeldet waren rund 100 historische Darsteller aus Holland, Frankreich, Italien, Polen und der Schweiz.
Angemeldete Gruppen
Französische Truppen 1798:
- 18ème demi-brigade infanterie de ligne / 18ème régiment infanterie de ligne
- 2ème demi-brigade infanterie légère / 7è régiment infanterie de ligne
- 25ème demi-brigade infanterie de ligne / 14ème régiment léger
- Grenadiers de la garde
Bernische und verbündete Truppen 1798:
- Artillerie Lt von Freudenreich Batterie Maritz
- 1er escadron du 1er régiment des Dragons bernois 1779
- 2ème bataillon de fusilier du régiment Thun / Regimento Piemonte 1793
- Freicorps Zofingen
- La légion fidèle (Les grenadiers de la 3ème demi-brigade Helvétique 1796)
- Da ich selbst offiziell keiner Gruppe mehr angeschlossen bin, jedoch eine Vielzahl passender Uniformen auf Lager habe und vor einigen Jahren Mitglied des 3ème Régiment Suisse war, war es mir eine grosse Ehre, diesem Anlass beizuwohnen – zumal ich viele alte Freunde wiedersehen konnte und es mir nicht nehmen wollte, an diesem speziellen Ereignis teilzunehmen.
Eingeladen hatte das 3ème Régiment Suisse, das sich der Geschichte des 3. Regiments der Schweizer Truppen unter Napoleon im Jahr 1806 verschrieben hat. Das Basislager sollte nicht in Neuenegg sein, sondern in Wünnewil-Flamatt – auf der anderen Seite der Autobahn.
Nach unserer Anreise am Freitagnachmittag und einer kurzen Einweisung im Lagerteil der Berner war das grosse Thema am Abend das Wetter. Es war Sturm und Regen gemeldet – was auch immer das in der heutigen Zeit genau heisst. Klar war jedenfalls, dass wir ab Beginn der Schlacht mit Regen rechnen mussten. Für uns sollte das kein Problem sein, schon gar nicht für die schlachterfahrenen napoleonischen Darsteller.
Lagerleben anno 1796
Am Samstagmorgen ging es für uns verhältnismässig früh los – na ja, wenn ich arbeiten gehe, stehe ich noch früher auf 😉. Mein Zeltnachbar sollte um 07:00 Uhr mit der Tagwache das Lager aufwecken. Die Nacht war mit rund acht Grad recht mild, und es gab nur vereinzelte Regentropfen. Langsam erwachte das Lager zum Leben. Nach einem kleinen Frühstück fanden Exerzierübungen statt. Wie so oft bei Zusammenkünften verschiedener Gruppen und Personen war der Ausbildungsstand nicht überall gleich. Besonders im Feld, mit aufgepflanzten Bajonetten und im Umgang mit Schwarzpulver und Musketen, braucht es Übung. Nach etwa einer Stunde sah das Ganze aber schon sehr ansprechend aus.
Freischärler die den Berner Truppen als Späher zur Verfügung standen
Berner Truppen beim Drill
Vor dem Mittag zogen wir mit Pfeifern und Trommeln durch den kleinen Ort Wünnewil, wo parallel ein Markt stattfand. Anschliessend wurden wir zum Mittagessen eingeladen. In der Zwischenzeit hatte der Wind deutlich aufgefrischt, und die Zelte flatterten kräftig. Bei einer kurzen Kontrolle meinerseits musste ich feststellen, dass viele der anderen Zelte nicht einmal die Hälfte der möglichen Heringe gesetzt hatten. Wir nutzten die Zeit bis zum Abmarsch, um zumindest unser Zelt etwas sturmfester zu machen und die Öffnungen besser zu verschliessen. Einige andere taten dasselbe – aber nicht alle.
Die Polen hatten in der Nacht bereits Probleme gehabt: Sie waren nur mit einem grossen Flysheet (grosses Flysheet in der 2. Reihe von oben, 5. Zelt von Links) angereist, das lediglich zwei Seitenwände hatte und etwa 1,80 Meter hoch war. Ein Teil der anderen Flysheets hatte es schon vor dem Nachmittag weggeweht.
Nach einer kurzen Pause machten wir uns auf den Weg Richtung Neuenegg. Ausserhalb des Ortes stiess die Kavallerie zu uns und brachte erste Informationen über Truppenstärke und Standort der Franzosen. Kurz darauf trafen wir bereits auf eine Vorhut, die sich nach kurzem Gefecht rasch durch den Wald zurückzog. Diese kleineren Scharmützel dauerten etwa 45 Minuten.
Französsische Truppen nördlich von Neuenegg sammeln sich
Berner Kavallerie vor dem Gefecht
Auf der Wiese vor dem Denkmal zur Schlacht bei Neuenegg kam es dann schliesslich zum offenen Gefecht zwischen Linieninfanterie, Artillerie (Maritz-Batterie) und Kavallerie. Das Zusammenspiel funktionierte ausgezeichnet – zumal der Einsatz der Kavallerie jeweils durch den Hornisten koordiniert wurde. Das Gefecht dauerte rund eine Stunde und endete mit einem Bajonettangriff der Berner Truppen, bei dem die verbliebenen Franzosen die Flucht ergriffen.
Martitz-Batterie, welche für die Artillerieunterstützung der Berner Truppen sorgte
Viel länger hätte die Schlacht ohnehin nicht dauern können. Der Regen forderte seinen Tribut – besonders bei den Steinschlossgewehren. Eine nach der anderen fiel aus, da sich das Wasser mit dem Schwarzpulver vermischte und dieses nicht mehr zünden konnte. Als erfahrener Darsteller blieb ich bis zum Schluss kampffähig und konnte Schuss um Schuss abfeuern, was bedeutete, dass mein Pulver keine Zeit hatte, nass zu werden.
Französische Infantrie in Linie vor dem Denkmal der Schlacht bei Neuenegg
Berner Kavallerie treibt die französischen Truppen auseinander
Nach dem Ende der Gefechtstätigkeiten versammelten sich alle Teilnehmenden sowie eine Handvoll Zuschauer auf dem Platz rund um das Denkmal. Dort hielten wir eine kurze Gedenkminute ab und machten einige Fotos. Der Regen war mässig, doch während der Schlachtdarstellung hatte der Wind immer stärker zugenommen. Nach Abschluss des Gefechts sollten alle Teilnehmenden durch Neuenegg zurückmarschieren – und genau da kam der grosse Regen. Es schüttete wie aus Kübeln. Rund 20 Minuten dauerte der Marsch, bevor uns ein Bus aufnahm und zurück ins Lager brachte.
Beim Denkmal zur Schlacht bei Neuenegg
Unser Zelt stand stabil – kein einziger Hering hatte sich gelöst. Gleich neben uns lagen jedoch zwei Zelte auf der Seite. Im Zelt entledigten wir uns der nassen Uniformjacken und des Dreispitzes und wechselten in Lagerbekleidung mit Mantel und Käppi. Kurze Zeit später erfuhren wir, dass die Veranstaltung abgebrochen werden sollte. Einige Darsteller waren stark durchnässt, und bei manchen war auch das Gepäck teilweise nass geworden. Diese wurden kurzerhand in der nahegelegenen Sporthalle untergebracht. Wenig später wurde der Abbruch offiziell bestätigt, da auch am Sonntag teilweise Regen gemeldet wurde.
Zeichen des Sturms - Unser Zelt blieb unversehrt
Die polnische Gruppe reiste noch am selben Abend ab. betroffen waren auch einige Italiener und Franzosen. Ich war mehr als nur enttäuscht. Was war nur aus der einst so hochgelobten napoleonischen Reenactment-Szene geworden, dass man sich wegen nasser Kleidung so rasch zurückzog? Es gab mehrere leere Zelte, die standgehalten hatten, und dort hätte man problemlos einige Teilnehmer unterbringen können. Zudem waren genügend trockene Kleidungsstücke und Wolldecken vorhanden. Auch eine Nacht in der Halle wäre für mich kein Grund gewesen, den Anlass abzubrechen, zumal am Sonntag ein weitere Gefecht und Zuschauer erwartet wurden.
Leider sollte es nicht so sein. Zweieinhalb Jahre hatte man auf diesen Anlass hingearbeitet und organisiert – und nach nur einem Tag war alles schon vorbei. So blieb uns nichts anderes übrig, als am Sonntagmorgen alles abzubauen und ebenfalls die Heimreise anzutreten.
Schade für die Organisation und die Veranstaltung – aber es war trotzdem eine grosse Ehre, dabei gewesen zu sein und ein Teil davon zu sein. Ob das 3ème Régiment Suisse nochmals etwas in dieser Art organisiert, steht in den Sternen. Wie viele historische Gruppen plagt auch das 3ème Régiment dasselbe Problem: den fehlenden Nachwuchs.
