Historische  Beratung
Pat  Schlenker
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Viktorianische Kleidung und die Sommerhitze

Kurz vor dem 2. viktorianischen Picknick drängt sich Frage auf, wie die Damen und Herren um 1900 mit ihrer Kleidung in der Sommerhitze zurechtgekommen waren. Zumal wir aktuell seit mehrerer Wochen eine grosse Hitze mit bis zu 35C° bei uns in der Region Basel haben.

1. viktorianische Picknick Basel _13

All jene die aber der Meinung sind, dass es solche Hitze früher nicht gab, den müssen wir leider entäuschen. 1911 gab es als Beispiel 60 Hitzetage (+25C°) mit flächedeckenden Temparaturen von über 30C°. Dieser Rekordwert hielt übrigens bis ins Jahr 2003 (85 Hitzetage).

Wie also konnten die edel gekleideten Herrschaften ohne die Etikette zu erletzten sich in dieser Hitze zurechtfinden. Nicht zu vergessen dass es keine Klimageräte gab, wie wir diese heute kennen. Kurze Hosen oder nur mit einem offenen Hemd aus dem Haus, die Dame ohne Korstett nur im Unterhemd. Undenkbar zu jener Zeit.

Es ist natürlich ein Mythos, dass viktorianische Kleider prinzipiell aus dutzenden von Schichten an Stoff bestehen. Die Redewenung "Sklaven der Mode" wird dabei oft verwendet oder "Sie wussten es ja nicht anders". Das ist natürlich alles Humbug. 

In ihrem 1870 Buch The Art of Dressing Well , sagt der Autor SA Frost, dass "der schönste und nützlichste der Sommerstoffe eine feine Qualität von Leinen ist." Cotton, Cambric, Musselin, Gaze und andere leichte, luftige Stoffe waren zu jenen Tagen äusserst Beliebt. So war es den Herren und Damen möglich, auch bei grosser Hitze sich frei bewegen zu können.

1885er Damenkleider mit Tournure

Klar trugen die Damen auch ein Korstett und einen Unterrock, aber durch die Leichtigkeit der Stoffe konnte sich der Körper ausgezeichnet selbst regulieren. Es war nicht ungewöhnlich, Sommerkleider aus weisser Leinen oder Baumwolle zu sehen. Ebenso modisch waren weiche Drucke, Streifen und helle Farben wie Grün, Lavendel und Hellblau, aber auch bordeaux. Hellere Farben wurden natürlich auch von den Herren getragen.

Obschon sich die Hutmode im laufe der viktorianischen Zeit stark verändert, waren im Sommer doch Hüte mit breiter Krempe sehr verbreitet, welche das Gesicht einer Dame vor der Sonne schützen sollte. Für den Sommer waren Stroh- oder Reedhüte eine perfekte Option. Sie wurden normalerweise ziemlich einfach getrimmt und konnten am Strand oder beim Spielen im Freien wie Golf oder Tennis getragen werden.

Für diejenigen Damen, die ihre Haut vor der Sonne schützen möchten, war ein Sonnenschirm ein weiteres stilvolles Sommeraccessoire. Im Gegensatz zu schlicht getrimmten Strohhüten könnten Sonnenschirme durchaus luxuriös sein. Sie wurden häufig in Seide und Satin mit kunstvoll geschnitzten Griffen aus Elfenbein oder Holz hergestellt.

Unterwegs

Nun bleibt uns nur noch euch allen viel Spass am Picknick zu wünschen. 

 

 

 

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