Hauspersonal in der Belle Epoque

Gruppenbild des Hauspersonals um 1890 aus England  - kolorierung Patrick Schlenker

Wer hat es sich nicht angesehen? Downton Abbey. Ein "Muss" für all jene mit einem Faible für das ausgehende 19., beginnende 20. Jahrhundert. Die mit Detailgenauigkeit kaum zu überbietende Produktion schaffte es, ähnlich wie die erfolgreiche 70er-Jahre-Serie Upstairs, Downstairs, das Leben der Herrschaften sowie des Personals in einem aristokratischen Herrschaftshaus abzubilden.

Da sich historische Darsteller eher im Bereich der adeligen Herrschaften aufhalten, gibt es folgend einen Crash-Kurs in Sachen "Hauspersonal in der Belle Époque".

Gruppenbild des Hauspersonals während einer historischen Veranstaltung 

Prinzipiell muss man sich im Klaren sein, dass die Aufgaben der einzelnen Bediensteten je nach Stand der Herrschaften, Grösse des Hauses und finanziellen Möglichkeiten unterschiedlich sein konnten und/oder zusammengelegt wurden. Weniger wohlhabende Familien konnten ein Dienstmädchen oder ein Kindermädchen beschäftigen, aber nur die reichsten Familien hielten mindestens einen Butler. Die grössten Anwesen hatten eine Vielzahl von Dienern – von Dienern, Mägden, Küchenmädchen, Kindermädchen, Zofen, Kutschern und einigen mehr. Die meisten Angestellten im Innenbereich waren weiblich, und der Alltag dieser Frauen war oft lang, körperlich anstrengend und eintönig.

Hierachie der Dienerschaft

 

Butler

Das Wort „Butler“ kommt vom anglo-normannischen Wort Buteler, einer Variante des alt-normannischen butelier, entsprechend dem altfranzösischen Botellier „Offizier, der für die Weinflaschen des Königs verantwortlich war“, abgeleitet von boteille „Flasche“. Im Laufe der Jahrhunderte war der Butler in der Geschichte und Literatur präsent und wurde oft als Massstab verwendet, um den Reichtum einer Familie einzuschätzen.

Der Butler war traditionell das Oberhaupt einer ganzen Reihe von Hausangestellten und stand somit an der Spitze einer strengen Diensthierarchie, wobei er eine Machtposition innehatte. Der Butler war für den Speisesaal, den Weinkeller, die Speisekammer und je nach Grösse des Hauses für das gesamte Erdgeschoss verantwortlich. Er verfügte zudem über Fachkenntnisse in Bezug auf Verwaltung, Inventar, Lagerung, Verwendung und Reinigung des Bestecks im Haus, inklusive des dazugehörigen Geschirrs und Services im Rahmen des Silver Service. Ihm oblag auch das Dekantieren oder bei Bedarf das Karaffieren von Wein.

Seiner straffen Führung und dem Auge fürs Detail war es zu verdanken, dass stets der höchste Standard bei der Haushaltsführung eingehalten wurde. Die Arbeit umfasste zudem die Aufsicht über das männliche Dienstpersonal, dessen Einstellung und bei Bedarf auch Entlassung.

Um sich von den Dienern abzusetzen, trug der Butler tagsüber einen Morningcoat (Cut) oder einen Anzug, meist in schwarz gehalten. Abends beim Dinner war es ihm erlaubt, einen White Tie (Frack) zu tragen.

Hausdame

Dienstpersonal_1

Hausdame England um 1900 - kolorierung Patrick Schlenker

In der Regel war die dienstälteste Mitarbeiterin im Haushalt die Hausdame. Sie war für alle weiblichen Bediensteten verantwortlich und zuständig. Eine Ausnahme bildete dabei die Kammerzofe, die prinzipiell der Hausherrin unterstand. Die Hausdame beaufsichtigte alles, was im täglichen Betrieb des Hauses geschah, und erstellte auch die Arbeitsplanung. Zu ihren Aufgaben gehörten auch die wöchentlichen Kontrollen und die Führung der Konten der täglichen Ausgaben in einem Hauptbuch, das Bezahlen aller Rechnungen und das Einreichen der Quittungen. Jeder an das Haus gelieferte Artikel wurde geprüft und gewogen, um sicherzustellen, dass er den Bestellungen entsprach. Sie war dabei angehalten, sparsam zu wirtschaften.

Sie beaufsichtigte den Vorratsraum, zu dem nur sie einen Schlüssel besass und bei Bedarf diesen aufschloss. Sie war verantwortlich für die Herstellung von Gurken, Marmeladen, das Pökeln oder Räuchern von Fleisch und Spirituosen. Abhängig von der Grösse des Personals war sie auch für den Wäscheschrank, das Ausbessern und die Überwachung des Wäscheinventars verantwortlich. Sie musste jeden Verschleiss melden. Zur Wäsche zählte die Bettwäsche, die Küchenwäsche wie Topflappen, Handtücher und Trockentücher, die Reinigungstücher für die Hausmädchen und Diener. Ihre Konten wurden einmal im Monat von der Hausherrin kontrolliert.

Kammerdiener

Ein Kammerdiener oder eine Kammerzofe (siehe nächsten Abschnitt) war ein persönlicher Diener seines Herrn bzw. seiner Herrin. Sie waren für alles verantwortlich, was mit ihnen zu tun hatte. Strikte Diskretion galt als unabdingbar, da der Kammerdiener in der Privatsphäre seiner Herren agierte.

Die morgendlichen Pflichten des Kammerdieners umfassten das Anzünden des Feuers im Zimmer, das Bereitlegen der Kleidung, das Bügeln und Reparieren der Kleidung sowie das Ausklopfen der Wollsachen. Der Kammerdiener war die Person, die die Kleider für seinen Herrn unter Berücksichtigung der persönlichen Vorlieben auswählte. Die zu tragenden Hosen wurden sorgfältig gebürstet und gereinigt und auf die Stuhllehne seines Herrn gelegt, während der Mantel und die Weste sorgfältig gebürstet und gefaltet wurden. Der steife Kragen wurde gereinigt, um bei Bedarf angezogen zu werden. Alle Toilettenartikel waren an ihrem Platz und bereit für den Gebrauch. Der Rasierer war richtig eingestellt und abgezogen, und heisses Wasser war gebrauchsfertig bereit. Prinzipiell zogen es die Herren vor, sich selbst zu rasieren, aber ein Kammerdiener musste darauf vorbereitet sein, dies bei Bedarf zu tun. Er musste auch ein guter Friseur sein. Alle vierzehn Tage, höchstens alle drei Wochen, sollten die Haare geschnitten und die Spitzen der Schnurrhaare nach Bedarf getrimmt werden.

Der Kammerdiener sorgte zudem dafür, dass das Ankleidezimmer seines Herrn in Ordnung war und dass das Hausmädchen ordentlich gefegt und abgestaubt hatte.

Dem Kammerdiener wurden gelegentlich angelegte Kleidungsstücke seines Herrn zur Verfügung gestellt. Ansonsten war der Kammerdiener stets elegant gekleidet.

Kammerzofe

Die Kammerzofe arbeitete eng mit der Hausdame zusammen und stand direkt unter der Herrin. Ihre Aufgaben begannen oft noch vor dem Aufstehen der Herrin. Sie bereitete ein Tablett mit Tee und Toast vor und legte die für den Morgen benötigte Kleidung bereit. Bei Bedarf half sie beim Ankleiden und kümmerte sich um die Frisur der Herrin. Das Dienstmädchen musste sich mit den neuesten Frisuren und Kleidern bestens auskennen. Zu ihren Aufgaben gehörte auch die Herstellung aller benötigten Toilettenartikel sowie die Fähigkeit, Kleidung nach Bedarf zu reparieren oder zu ändern.

Während die Herrin beim Frühstück war, sorgte die Kammerzofe dafür, dass das Zimmer wieder in Ordnung war und bereitete alles vor, was für den Tag benötigt wurde. Ausserdem war sie für das Reinigen und Konservieren von Kleidung wie Pelz, Spitze und Hüten verantwortlich und hielt sich stets über die neuesten Modetrends auf dem Laufenden.

Die Kammerzofe führte Buch über alle Ausgaben, die mit ihrer Rolle verbunden waren, und behielt ein Inventar der Gegenstände, die ihrer Herrin gehörten. Sie bereitete auch alle Kleidungsstücke für Ausflüge vor und beherrschte das Falten und Packen der Kleidung für Reisen.

Quittungen_1

Abends legte das Dienstmädchen oft die Kleidung oder den Schmuck für die Nacht bereit und wartete darauf, dass es entlassen wurde, um bei der Schlafenszeit zu helfen. Je nach Gesundheit und Alter der Herrin konnten die Aufgaben der Kammerzofe auch das Pflegen, das Vorlesen oder das Aufnehmen von Diktaten umfassen. In kleineren Haushalten, in denen nicht viele Bedienstete zur Verfügung standen, konnten die Pflichten des Dienstmädchens und der Hausdame der Dame möglicherweise miteinander geteilt werden. Dies führte dazu, dass die Zofe bei der Pflege der Herrin oder anderen zusätzlichen Aufgaben unterstützte.

Oberstes Hausmädchen

Bedienstete in der Belle Epoque_10

 Hausmädchen aus Wien um 1905 - kolorierung Patrick Schlenker

Zu den schönsten Aufgaben aller Hausmädchen gehörte in erster Linie Sauberkeit und Ordnungsliebe. Gekleidet waren die Mädchen ihrem Stand entsprechend äusserst einfach, aber mit peinlicher Sauberkeit und Sorgfalt. Dienstmädchen mussten Gewissenhaft, Gehorsam, Fleissig, Ehrlich, Wahrheitreu und Verschwiegen sein. 

Auszüge aus der Haushaltskunde Schmid von 1909

Fleissig: 

"Vergiss nie, dass deine Zeit der Herrschaft gehört und du nicht das Recht hast, sie zu vergeuden! Schäme dich deiner Arbeit, die dir von der Herrschaft aufgetragen wird, auch dann nicht, wenn sie bequem auszuführen ist! Guter Wille macht jede Arbeit leicht. Und während du mit den Händen arbeitest, lass auch den Kopf arbeiten und überlege, was und wie du zu arbeiten hast! Lass auch nicht das Geringste von dem, was dir anvertraut ist und was zum Putzen für Menschen und Vieh gebraucht werden kann, verderben."

Erhrlichkeit:

"Ehrlichkeit setzt man selbstverständlich bei einem braven Dienstmädchen voraus. Ein unehrliches, diebisches Dienstmädchen will niemand in seiner Familie dulden. Darum darf dich nie Putzsucht, Eitelkeit, Boshaftigkeit oder ein anderer vermeintlicher Grund verleiten, dir auch nur das Geringste vom Eigentum deiner Herrschaft anzueignen. Selbst solche Gegenstände, die scheinbar für die Herrschaften keinen Wert mehr haben, darfst du nicht stillschweigend in deinen Besitz nehmen oder sie anderen geben."

Wahrheitsliebende:

  1. "Hast du einen Fehler begangen, so gestehe ihn ein, und nimm ja nicht zur Lüge deine Zuflucht. Die Wahrheit kommt doch halt bald an den Tag. Denn Lügen haben kurze Beine. Hast du einmal gelogen, so wirst du in der Regel niemals erschüttertes Vertrauen wiederherstellen."

  2. "Hüte dich vor Klatsch über die Herrschaft! Solltest du wirklich bemerken, dass man derlei zu Haufe nicht so ist, wie es sein sollte, so hast du dennoch kein Recht, ein Wort darüber zu verlieren und anderen Leuten Dinge zu offenbaren, die sie nichts angehen. Lass dich auch niemals über die Herrschaft ausfragen, sondern antworte auf derartige Fragen stets mit Entschiedenheit, dass es dir nicht zusteht, über deren Angelegenheiten zu reden."

  3. "Bevor die Familie aufstand, mussten der Frühstücksraum, das Boudoir und der Salon gereinigt und hergerichtet werden. Ungenauigkeiten und Schludrigkeit wurden nicht geduldet. Während die Familie frühstückte, wurden die Schlafzimmer in Ordnung gebracht, Fenster geöffnet, Betten geschüttelt und gedreht, die Nachtöpfe geleert, Böden gewischt und Holzarbeiten abgestaubt. Die Teppiche wurden herausgenommen und ausgeklopft, die Spiegel poliert, der Rost und die Bügeleisen gereinigt, und die Betten wurden neu bezogen."

Zu den wöchentlichen Aufgaben gehörten das Reinigen der Kamine und Fenstern, das Waschen von Porzellanornamenten und das Polieren von Möbeln. Treppen, Podeste und Korridore. Bettwäsche wurde gesammelt und gezählt und wenn nötig geflickt. Vorhänge wurden abgenommen, geschüttelt und neu aufgehängt, Teppiche und Kissen gereinigt, um Motten oder Flöhe zu vernichten. Je nach Grösse des Personals können weitere Aufgaben das Öffnen der Flurtür umfassen.  

Das Zimmermädchen sollte auch in der Speisekammer helfen, wenn es abends Abendessen gab. Das Zimmermädchen mussten die Jalousien zuziehen und das Licht anzünden, wenn die Dämmerung hereinbrach. Sie entfernten verschmutzte Handtücher und legten neue auf, mussten den Waschtisch aufräumen und dafür sorgen, dass in allen Schlafzimmern Trinkwasser verfügbar war.

Hausmädchen

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Da es eine Vielzahl an Aufgaben gab, die das oberste Hausmädchen nicht alleine erledigen konnte, hielten sich die Herrschaften meist ein 2. oder sogar 3. Hausmädchen. Sie sollten für die anderen Bereiche im Haus und den Schlafzimmern verantwortlich sein. Ihre Arbeit beschränkte sich darauf, sie frühmorgens zu putzen. Das dritte Hausmädchen putzte und staubte frühmorgens die Nähstube, um die Zofen der Dame bei ihrer Arbeit nicht zu stören. Sie war für das Aufräumen der Dienstbotenzimmer, der Badezimmer und der Treppen verantwortlich. Sie sollte auch die Betten der Männer, der Küchenmädchen und der Köchin machen und fegte und staubte ihre Zimmer. Zudem unterstand ihr, die Dienerhalle in Ordnung zu halten und das Silber für den Tisch und Speisesaal zu reinigen.

Waschküche

Waschküche um 1910

Kindermädchen

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Kindermädchen  - kolorierung Patrick Schlenker

Die Pflege und Überwachung der kleinen Kinder bedurfte ganz besonderer Sorgfalt. Zu den Aufgaben des Kindermädchens gehörte die vollständige Kenntnis aller gängigen Beschwerden von Babys und Kindern sowie die Fähigkeit, Symptome zu erkennen und zu behandeln. Der Aufenthaltsort des Kindermädchens war das Kinderzimmer, in dem sie ass, schlief und arbeitete. Tatsächlich konnte sie das Kinderzimmer nur verlassen, wenn ihre Schützlinge schliefen oder eine andere Aufsichtsperson anwesend war, um auf die Kinder aufzupassen. Das Kinderzimmer musste wiederum äusserst reinlich und ordentlich sein. Sollte das Kinderzimmer aufgeräumt werden, sollten zuerst die Kinder in ein anderes Zimmer gebracht werden, und erst dann sollte mit dem Aufräumen begonnen werden. Dies jedoch nur bei offenen Fenstern, damit der aufgewirbelte Staub aus diesen entschwinden konnte. Man ging davon aus, dass der Staub der grösste Krankheitsträger sei und damit die Atemwege der Kinder geschädigt werden könnten. Ist in der kälteren Jahreszeit das Kinderzimmer durch das Lüften abgekühlt, durften die Kinder erst dann zurück, wenn das Zimmer wieder aufgeheizt war. Das Waschen und Anziehen der Säuglinge/Kinder gehörte ebenfalls zu ihren Aufgaben. So wurden vor allem Säuglinge und Kleinkinder täglich gebadet, und zwar nicht ausschliesslich der Sauberkeit willen, sondern auch, um den Blutkreislauf anzuregen und den Ausscheidungen der Haut entgegenzuwirken.

Kinder- und Schulbücher um 1900 

Köchin

Die Köchin hatte die vollständige Kontrolle über die Küche. In kleineren Wohnungen ohne Hausdame konnten einige ihrer Aufgaben auch andere Bereiche des Hauses umfassen. Die Köchin kochte nicht nur alle Mahlzeiten, sondern beaufsichtigte auch die Speisekammer, das Backen von Kuchen und Brot sowie die Herstellung von Konserven. Sie musste wissen, wann bestimmte Lebensmittel Saison hatten, und sich über neue Rezepte und Kochmethoden auf dem Laufenden halten. Die Köchin musste ihre Fähigkeiten weiter üben und weiterentwickeln.

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Der erste Blick in die Küche lies viel über die Köchin und deren Mädchen sagen. Vor allem im Bezug auf Sinn für Ordnung und Reinlichkeit. 

Küchenmädchen

Das Küchenmädchen half der Köchin bei der Zubereitung der Gerichte. Zudem half sie mit, die Küche sauber zu halten. Ein vorbildliches Mädchen hatte sich zur Gewohnheit gemacht, schon während des Kochens gebrauchte und einfach zu reinigende Sachen wieder an ihren Platz zu stellen und stark verschmutzte Teile einzuweichen und eng zusammenzustellen. Das immer wieder Reinigen des Tisches und der Ablagen sowie die regelmässige Reinigung des Bodens machten das Reinigen einfacher, als wenn man vor allem Letzteres nur alle paar Tage erledigte. Zu weiteren Reinlichkeiten gehörte zudem das Abspülen von wenig gebrauchten Gegenständen wie einem Mörser.

Das Küchenmädchen sollte zudem jeweils frühmorgens die Kühlschränke reinigen, um Schimmel vorzubeugen. In den grossen Herrschaftshäusern war es zudem ihre erste Pflicht, den Teig für die Frühstücksbrötchen anzurichten, wenn er am Vorabend nicht fertig geworden war. Danach musste sie sich mit den zahlreichen kleinen Vorarbeiten beschäftigen, die die Pflichten des Tages beinhalteten.

Küchenmagd

Die Stellung des Küchenmädchens war weder hochrangig noch war die Bezahlung für ihre Dienste hoch. Wenn sie jedoch das Glück hatte, ein gutes Küchenmädchen und eine kluge Köchin über sich zu haben, konnte sie bald lernen, verschiedene kleine Aufgaben im Zusammenhang mit dem Kochen zu erfüllen, was von beträchtlichem Nutzen sein konnte. Die Küchenmagd musste schon früh in der Küche das Feuer auf dem Küchenherd anzünden und heisses Wasser für Tee und Waschen liefern, noch bevor die Köchin in der Küche erschien. Zudem sorgte sie für warmes Wasser in der Spülküche, räumte Fleisch- und Gemüseabfälle weg und spülte Teller und Kochtöpfe, Kessel, Töpfe, Schmorpfannen und alle anderen Utensilien einer Küche. Seltenes feines Porzellan, Stielgläser, Kristall oder Tellersilber durfte sie jedoch weder abwaschen noch anfassen.

Chauffeur

Oldtimer in Obwalden_7

Dem Chauffeur unterstanden die technischen Mittel der Fortbewegung, also die Kutschen oder später die Autos. Er musste technisch versiert sein und die Fahrzeuge selbst warten können. Es war durchaus üblich, dass der Chauffeur eine Reifenpanne unterwegs selbst reparieren konnte.

Bedienstete in der Belle Epoque_1

Knecht

Des Herren Sattel und Stiefel

Es gab Hofknechte, Stallknechte und Hausknechte. Deshalb konnten Knechte auch ganz unterschiedliche Aufgaben haben. Er war dieser entsprechend für die Pferde zuständig, hackte Holz, brachte Wasser und hielt die Toiletten sauber,  beziehungsweise leerte die Toiletteneimer.

Reinigunstips 

Mrs. Beeton, The Book of Household Management, veröffentlicht 1861

Schuhpflege

Schuhe wurden meist vom Kammerdiener oder der Kammerzofe gereinigt.

Nasse Lederschuhe und Stiefel sollten niemals am Kamin, noch am Fenster getrocknet werden, da ansonsten das Leder spröde und rissig werden könnte und der Schuh irreparabel beschädigt würde. Zum Trocknen werden die Schuhe am besten mit alten Zeitungen ausgestopft.

Zum Entfernen von Schlamm, Schmutz und Steinen wurde ein Holzmesser verwendet, um die Sohle und das Leder nicht zu beschädigen. Scharfe und harte Gegenstände wie Messer aus Stahl konnten das Leder beschädigen. Für Staub reichte die Reinigung mit einer Schuhbürste.

Bei mehrfarbigen Schuhen/Stiefeln wurden die helleren Teile mit Pergamentpapier abgedeckt, damit diese nicht durch die schwarze Lederpolitur befleckt wurden.

Lederpflege

Lederpolitur musste vor dem Auftragen immer gut umgerührt werden. Die Politur musste sparsam aufgebracht werden. Um das beste Resultat beim Polieren mit der Glanzbürste zu erhalten, musste das Leder von der Politur noch feucht sein. Danach konnte mit einem weichen Tuch der Schuh/Stiefel für Hochglanz poliert werden.

Reinigungstinktur für Glacéhandschuhe

1/2 Liter destilliertes Wasser
30 Gramm Kleesalz (Kaliumhydrogenoxalat) – Achtung, gesundheitsschädlich!

Das Kleesalz wurde im Wasser gelöst und mit einem weichen Schwamm auf die Handschuhe aufgebracht. Danach wurde das Leder mit Ziegelstaub abgerieben und mit einem feuchten, weichen Schwamm nachgewischt.

Reinigung der Böden

Böden aus Stein und Holz, welche oft im Bedienstetenteil des Hauses anzutreffen waren, hatten oftmals Rückstände von eingeschlepptem Schmutz von draussen, Schmutz vom Kochen, Staub im Allgemeinen und viele andere Verunreinigungen. Um den Staub zu binden, wurden oftmals getrocknete Teeblätter verstreut und dann mit dem Staub zusammengekehrt. Danach musste in mühsamer Arbeit der Boden mit einer Mischung aus Wasser und Soda von Hand gereinigt werden. Die Mischung war für die Hände eine Tortur, da sie sehr aggressiv war. Teppiche wurden übrigens auch mit Teeblättern und Natron bestreut und danach draussen mit einem Teppichklopfer ausgeklopft. Mit dem Natron sollten unangenehme Gerüche wie Tabak entfernt werden.

Polituren

Zum Polieren von Holzmöbeln wurde meist eine Mischung aus Bienenwachs, Leinöl und Essig oder Leinöl, Terpentin, Essig und Weingeist (Brennspiritus) verwendet. Es wurde mit einem Lappen oder Tuch aufgetragen und mit einem sauberen Tuch auspoliert. Es wurde empfohlen, das saubere Tuch zu bügeln, nicht aus Gründen der Sauberkeit, sondern weil ein glatt gebügeltes Tuch ein besseres Finish auf dem Holz hinterliess.

Für die Reinigung von Metallgegenständen brauchte es eine gute Politur, um sie zum Strahlen zu bringen. Poliert wurden dekorative Einrichtungsgegenstände, Türklinken, Briefkästen und Metallornamente. Messing wurde meist mit einem Stück Leder gereinigt und poliert, während Kupferpfannen mit Silbersand, gemischt mit Malzessig oder Zitrone, gereinigt werden konnten. Diese Mischung wurde sanft in die Pfanne gerieben, um angebranntes Essen zu entfernen und einen schönen Glanz zu erzeugen. Küchenherde wurden jede Woche mit schwarzem Blei poliert.

Flecken aus emaillierten Pfannen entfernen

Zum Reinigen der emaillierten Pfannen und Gefässe wurden frisch gekochtes Wasser und eine Rhabarberstange in eine Pfanne gegeben und bei schwacher Hitze zehn Minuten gekocht. Nach dem Zurückstellen des Gemisches sollten nach einer Stunde alle Flecken verschwunden sein.

 

 

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