Kriegsschäden und Ereignisse in Basel 1944 / 1945 - Teil 2
1. Januar - 8. Mai 1945
Der zweite Teil des Blogs über die Kriegsschäden und Ereignisse rund in und um Basel.
Dreiländereck 1945 - Im Hintergrund rechts das Glashaus auf der Schusterinsel (Firma Schetty) - Der Pegel des Rheins ist durch die teilweise Zerstörung des Stauwehr Kembs bei Märkt noch immer rund 3 Meter tiefer als vor dem Angriff am 7. Oktober 1944 - Foto Staatsarchiv Basel BSL 1060c 3/7/358 Jeck, Basel - Kolorierung Patrick Schlenker
1. Januar 1945
Operation Nordwind und Operation Sonnenwende: Die letzten deutschen Offensiven im Elsass
In der Nacht des 31. Dezember 1944, in einer eisigen Kälte, beginnt der deutsche Versuch, die Westfront ein weiteres Mal zu durchbrechen. Die Operation Nordwind startet, ein verzweifelter Angriff, der als Fortsetzung der Schlacht in den Ardennen konzipiert wird. Das Ziel ist klar: Strassburg zurückzuerobern und die alliierten Linien zu durchbrechen. Der Plan wird von Adolf Hitler persönlich bekräftigt. In einer Besprechung am 28. Dezember 1944 im Militärkomplex Adlerhorst sagt er: „Die feindlichen Kräfte zu zerstören und zu vernichten, wo immer wir sie finden.“
Am selben Tag beginnt auch die Operation Sonnenwende, aus der Colmars Tasche heraus, unter direkter Aufsicht von Heinrich Himmler. Beide Offensiven haben das gleiche Ziel – Strassburg. Doch sie sind schlecht koordiniert, was die Verzweiflung der deutschen Führung in dieser Phase des Krieges verdeutlicht.
Die Deutsche Gegenoffensive im Unterelsass
Die weissen Pfeile in den Karten oder Darstellungen zeigen die Vorstösse der deutschen Truppen, die sich versuchten, nach Osten und Südosten vorzubewegen, um strategische Städte wie Colmar und das Gebiet um den Rhein zurückzuerobern. Das Ziel war es, die alliierten Linien zu durchbrechen und die Versorgungslinien der angreifenden Kräfte zu stören.
Gleichzeitig kam es zu einer entschlossenen Gegenoffensive der Alliierten, die durch die schwarzen Pfeile angezeigt wird. Diese Offensive hatte zum Ziel, die deutschen Vormarschbewegungen zu stoppen und die neu erlangten Gebiete in die Hand zu behalten. Besonders amerikanische und französische Truppen setzten ihre Angriffe fort, um den deutschen Rückzug und die Sicherung der Westfront zu verhindern.
Die erste Angriffswelle: Operation Nordwind
Kurz vor Mitternacht des 31. Dezember starten die deutschen Truppen ihren Angriff ohne jegliche Artillerievorbereitung. In weisser Tarnkleidung, um sich im Schnee zu verstecken, stürmen sie die Positionen der 100. US-Infanterie-Division, auch bekannt als „Sons of Bitche“, die in der Nähe von Rimling stationiert ist. Trotz der Überraschung und der gewaltigen Angriffe wehren sich die Amerikaner tapfer. Schnell von Artillerie unterstützt, können sie den Angriff zwar zurückschlagen, müssen jedoch gegen wiederholte Flankierungen kämpfen.
Die deutsche 256. Infanterie-Division kann nur 6 Kilometer vorrücken, was den Beginn eines zähen, blutigen Stellungskriegs markiert. Die Amerikaner ziehen sich zurück und machen die im Dezember 1944 befreiten elsässischen Dörfer wie Reipertswiller und Wissembourg zu neuen Schlachtfeldern.
Bei der Schlacht um Hatten-Rittershoffen bestanden die Hauptstreitkräfte der deutschen Seite aus der 21. Panzerdivision und der 25. Panzergrenadier-Division. In der zweiten Woche verstärken zusätzliche Fallschirmjäger der 7. Fallschirmjäger-Division die deutschen Bemühungen, die Dörfer Hatten und Rittershoffen zu erobern.
Die 25. Panzergrenadier-Division (Kommandeur: Oberst Burmeister) ist mit rund 6.500 Mann aufgestellt, was knapp über der Stärke einer Brigade liegt. Die Division erhält solide Panzerunterstützung von der 5. Panzer-Abteilung, die auch eine Flamm-Panzer-Kompanie umfasst. Diese Einheiten führen den Angriff auf Hatten und auf Rittershoffen am an.
Die 21. Panzer-Division (Kommandeure: General Feuchtinger / Oberst Zollenkopf) weist eine Personalstärke von nur etwa 12.000 Mann auf, was 2.500 unter der autorisierten Stärke liegt. Besonders problematisch ist das Fehlen eines zweiten Panzer-Bataillons, und keines der vier Panzergrenadier-Bataillone ist mit gepanzerten Mannschaftstransportwagen ausgestattet. General Feuchtinger ist während dieser Zeit häufig abwesend und befindet sich oft in den rückwärtigen Bereichen.
Das 20. Fallschirmjäger-Regiment (Kommandeur: Major Grassmel) gehört zur 7. Fallschirmjäger-Division. Das Regiment ist relativ gut ausgeruht, als es am 13. Januar in die Kampfzone eintritt. Im Gegensatz zu den Panzergrenadieren sind die Fallschirmjägertruppen besser für nächtliche Offensiveinsätze geeignet und führen diese mit grösserer Effizienz durch.
Parallel dazu: Operation Sonnenwende
Während Operation Nordwind läuft, startet am 1. Januar 1945 Himmler die Operation Sonnenwende. Panzereinheiten versuchen, den Rhein bei Strassburg zu überqueren und stossen auf erbitterten Widerstand der französischen 1. Freien Französischen Division. Insbesondere das Marschbataillon 24 hält den deutschen Vormarsch auf Obenheim auf. Doch die Offensive scheitert, da sie schlecht organisiert und schlecht ausgestattet ist. Am 7. Januar 1945 muss die deutsche Wehrmacht die Offensive einstellen.
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
02:09 - 02:57 Uhr: Fliegeralarm
06:11 - 06:43 Uhr: Fliegeralarm
0800 - 09:15 Uhr: Besichtigung Flüchtlingslager MUBA
09:19 - 10:08 Uhr: Fliegeralarm
11:06 - 12:10 Uhr: Fliegeralarm
11:20 Uhr: Rapport Bew. Kp. 9
12:54 - 14:39 Uhr: Fliegeralarm
21:15 - 21:56 Uhr: Fliegeralarm
2. Januar 1945
Basel als alarmreichste Schweizer Grossstadt
Amtlich wirdmitgeteilt: Das immer näher rückende Kriegsgeschehen spiegelt sich in der stark gestiegenen Anzahl an Fliegeralarmen wider, die in Basel ausgelöst werden. Während in den ersten vier Kriegsjahren zusammen nur 49 Alarme verzeichnet wurden – darunter 11 im Jahr 1940, lediglich 1 im Jahr 1941, dann 15 im Jahr 1942 und schliesslich 22 im Jahr 1943 – stieg die Zahl der Alarme im vergangenen Jahr drastisch an.
Im abgelaufenen Jahr wurden in Basel insgesamt 255 Fliegeralarme ausgelöst. Das sind mehr als fünfmal so viele wie in den gesamten vorangegangenen Kriegsjahren zusammen. Damit dürfte Basel die am häufigsten alarmierte Grossstadt der Schweiz sein.
Anmerkung des Autors: 1945 sollten nochmals 229 weitere Fliegeralarme dazu kommen – der letzter am 7. Mai um 13:52 Uhr. Somit wurde während des Kriegesjahre in Basel insgesamt 534 Mal Fliegeralarm ausgelöst.
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
05:10 - 06:36 Uhr: Fliegeralarm
09:30 Uhr: Maj. Schiedegger auf der Kompanie betreffend Flüchtlingskinder. Man war gestern in Mulhouse und hat Kontakt mit den Verantwortlichen und den Flüchtlingskindern aufgenommen.
13:19 - 14:52 Uhr: Fliegeralarm
14:00 - 15:50 Uhr: Rapport: Besprechung über die möglichen Massnahmen für die Kranken in Rheinfelden. Aktuelle Lage an der Grenze zu Frankreich betreffend Kriegshandlungen (Kleinhüningen / St. Johann).
17:00 - 18:15 Uhr: Rapport betreffend die Übernahme der Kinder aus Mulhouse und die Rückführung der Flüchtlinge nach Hüningen am 3. Januar 1945.
3. Januar 1945
Vor neuen alliierten Forderungen an die Schweiz
Die Alliierten bereiten neuen diplomatischen Druck auf die Schweiz vor. Laut einem Bericht der New York Herald-Tribune, der aus Washington stammt, sollen von alliierter Seite mehrere Forderungen an die Schweiz gestellt werden, um deren wirtschaftliche und logistische Unterstützung für Deutschland weiter einzuschränken.
Die geplanten Forderungen umfassen:
- Die sofortige Einstellung der Kohlentransporte zwischen Deutschland und Norditalien über die Schweiz.
- Ein vollständiges Ausfuhrverbot für strategisch wichtiges Material, das bislang noch nach Deutschland geliefert wird – möglicherweise einschliesslich Präzisionsinstrumente und Werkzeugmaschinen.
- Eine drastische Reduzierung der Ausfuhr anderer wichtiger Güter aus der Schweiz nach Deutschland.
- Ein Verbot des Transits zweitrangigen Materials von Deutschland durch die Schweiz nach Italien.
Nach Informationen des Korrespondenten der New York Herald-Tribune haben die Vereinigten Staaten diese Massnahmen mit ihren Alliierten abgestimmt. Sollte die Schweiz sich weigern, die genannten Forderungen zu erfüllen, drohen die USA damit, keine Lieferungen mehr an die Schweiz zu genehmigen.
Zusätzlich erwägen die Vereinigten Staaten, den Transit von für die Schweiz bestimmten Waren aus Spanien und Portugal über Frankreich zu untersagen. Damit würde der wirtschaftliche Druck auf die Schweiz weiter erhöht, um sie zur vollständigen Einstellung aller Exporte an Deutschland zu zwingen.
Schwere nächtliche Kanonade nördlich von Basel
In den späten Abendstunden verstummt das Artilleriefeuer in der Dreiländerecke allmählich. Doch in der Gegend von Istein explodieren weiterhin schwere Granaten, die aus dem Raum westlich von Sierenz abgeschossen werden. Dann ändern die Geschütze offenbar ihre Richtung nach Norden oder Nordosten. Aus Richtung Mulhouse dröhnt anhaltend der Lärm der Kanonen, der sich wie fernes Donnerrollen anhört.
Obwohl dichter Bodennebel die Sicht stark beeinträchtigt, blitzen immer wieder Mündungsfeuer auf – westlich von Blotzheim bis Bartenheim und zeitweise sogar bis nach Steinbrunn südlich von Mulhouse. Die Verzögerung zwischen den Abschüssen und dem hörbaren Knall beträgt teilweise über eine Minute, was die enorme Distanz der Artilleriestellungen verdeutlicht. Es entsteht der Eindruck, dass von beiden Seiten gefeuert wird. Besonders heftig ist das deutsche Artilleriefeuer aus der Gegend von Chalampé-Neuenburg, von wo ein mächtiges Grollen über die Region hinwegrollt. Schwere und schwerste Geschütze sind im Einsatz, von denen bekannt ist, dass sie zuletzt auf Mulhouse gefeuert haben.
Zwischen Hüningen und Friedlingen sowie weiter abwärts in der Umgebung des Stauwehrs flammt immer wieder Maschinengewehrfeuer auf. Besonders um 22:30 Uhr sowie zwischen 23:15 und 23:45 Uhr ist das Rattern der Waffen deutlich zu hören. Die eisige Kälte und der hartgefrorene Boden tragen den Schall bis tief nach Basel, wo das Echo der Schüsse die nächtliche Stille durchbricht.
Gegen 03:00 Uhr morgens setzt nördlich von Basel erneut ein Artilleriefeuer von aussergewöhnlicher Stärke ein. Selbst mitten in der Stadt sind die hellen Blitze der Einschläge zu erkennen. Schwere französische Batterien feuern aus dem Raum Blotzheim in das badische Gebiet, teils auch in das Kandertal. Die deutsche Artillerie erwidert das Feuer mit gleicher Intensität.
Die Kämpfe eskalieren entlang einer Linie von der Höhe von Istein bis nach Mulhouse. Beidseitig ist ununterbrochenes Maschinengewehrfeuer zu hören, während am dunklen Himmel immer wieder das Aufblitzen der Artillerieschläge zu sehen ist.
Flüchtlingskinder aus dem Elsass bei ihrer Ankunft in Basel - Foto Staatsarchiv Basel - BSL 1060c 3/7/339B Kinderhilfe: Kriegskinder mit Gepäck und an die Kleider gehefteten Zetteln / Foto Jeck - Kolorierung Patrick Schlenker
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
10:00 Uhr: Bericht vom Adjutanten der HD Motf. 9/10 im Quartier Gundeldingen. Anfrage vom Flüchtlingsoffizier betreffend Flüchtlingskinder.
10:30 Uhr: Flüchtlingskinder sind noch nicht eingetroffen.
11:01 - 12:18 Uhr: Fliegeralarm.
11:15 Uhr: Major Schidegger teilt mit, dass die Kinder in ca. 1 Stunde eintreffen werden.
12:22 - 12:59 Uhr: Fliegeralarm.
15:00 Uhr: Meldung vom Flüchtlingsoffizier, dass die Kinder noch immer nicht eingetroffen sind.
16:50 Uhr: Meldung, dass etwa 300 Kinder eingetroffen sind und am Freitag weitertransportiert werden.
17:25 Uhr: Meldung vom Flüchtlingsoffizier, dass weitere Kinder eintreffen.
17:30 Uhr: Meldung vom Flüchtlingsoffizier: Kinder um 18:00 Uhr in Binningen. Kranke werden später nach Rheinfelden weitertransportiert. Kinder werden in Binningen verpflegt. Transport zum Bahnhof SBB nach Rheinfelden. Abfahrt um 21:15 Uhr nach Rheinfelden.
4. Januar 1945
Schäden durch Grenzverletzungen:
15:00 Uhr: Pfirtergasse 33
21:15 Uhr: Hiltalingerstrasse 79 & 81
21:15 Uhr: Westquaistrasse 60 - Kohlehandels AG
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
Starke Artillerietätigkeit während der ganzen Nacht.
Unterredung mit dem Polizei-Offizier betreffend Eingang und Weitergabe von Meldungen.
Von französischen Partisanen erfährt der Polizei-Offizier, dass in den nächsten drei Tagen täglich 600 Kinder in Basel eintreffen sollen.
Auf Nachfrage beim Polizei-Offizier, von wem genau diese Meldungen stammen, soll es heissen, dass diese vom Roten Kreuz und anderen Organisationen stammen. So sollen am Freitag 500–800, am Samstag 500 und am Sonntag weitere Kinder eintreffen.
13:00 Uhr: Rapport im Bahnhof SBB.
10:49 - 11:29 Uhr: Fliegeralarm.
12:52 - 16:19 Uhr: Fliegeralarm - Durchflug von Flugzeugen vom Pontruterzipfel nach Basel.
Während des ganzen Tages starke Artillerieaktivitäten und Feindseligkeiten im Elsass und in Baden.
5. Januar 1945
Ankunft französischer Flüchtlinge am Bahnhof SBB, französischer Teil - Foto Staatsarchiv Basel - NEG 21599 Flüchtlinge beim Bahnhof SBB / Foto Bernhard Wolf-Grumbach - Kolorierung Patrick Schlenker
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
10:55 Uhr: Meldung von Major Debrunner, dass ca. 425 Kinder um 12:00 Uhr von Mulhouse losfahren.
11:05 Uhr: Besprechung, dass von den 300 eingetroffenen Kindern 125 nach Rheinfelden weiterfahren.
14:02 Uhr: Meldung vom Flüchtlingsoffizier, dass 152 Kinder eingeladen wurden. Insgesamt sind somit 422 Kinder eingetroffen.
14:25 Uhr: Meldung, dass noch 114 Kinder in Basel einquartiert sind und um 17:15 Uhr nach Rheinfelden weiterfahren.
15:45 Uhr: Meldung, dass mit dem Zug weitere 156 Kinder angekommen sind und nach Binningen transportiert werden.
Kdt. Artillerie-Gruppe 128 lässt durch den Adjutanten mitteilen, dass die Batterien 245 und 311 in Basel Stellung bezogen haben.
23:31 - 23:49 Uhr: Fliegeralarm
6. Januar 1945
Schäden durch Grenzverletzungen:
07:20 Uhr: Neuhausstrasse 41
Flüchtlingskinder werden im Bahnhofbuffet der SBB verpflegt, bevor ihre Reise weitergeht - Foto Staatsarchiv Basel - NEG 10005 Elsässer Kinder werden im Bahnhofbuffet verköstigt / Fotoarchiv Wolf - Kolorierung Patrick Schlenker
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
10:40 Uhr: Meldung vom Grenzposten: Abfahrt von Kindern aus Mulhouse.
1. Transport mit ca. 300 Kindern um 12:00 Uhr.
2. Transport mit ca. 200 Kindern folgt später.
Major Scheidegger ordnet die Verteilung wie folgt an: 200 Kinder nach Rheinfelden, 300 Kinder nach Basel.
13:55 Uhr: Meldung, dass zwei Camions angekommen sind.
15:20 Uhr: Meldung, dass insgesamt 257 Kinder angekommen sind. Davon wurden 122 nach Rheinfelden und 135 in Binningen untergebracht.
16:30 Uhr: Gegenwärtig werden 122 Kinder im Bahnhofbuffet SBB verpflegt. Die Weiterfahrt nach Rheinfelden ist um 17:15 Uhr geplant.
7. Januar 1945
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
01:55 - 02:31 Uhr: Fliegeralarm
05:52 - 06:21 Uhr: Fliegeralarm
09:00 Uhr: Rapport auf KP betreffend die Ablösung des Infanterie-Regiments 15 durch das Infanterie-Regiment 5.
10:00 - 12:00 Uhr: Hauptmann Werner rapportiert die gestrige Rekognoszierung in Laufen.
19:39 - 20:47 Uhr: Fliegeralarm - Anflug eines Flugzeugverbandes aus Richtung Lucelle nach Basel.
Artilleriefeuer aus Richtung Mulhouse. Einzelne schwere Detonationen aus Norden. Der Raum Eimeldingen-Istein steht unter alliierter Artilleriebeschiessung aus Sierenz und Bartenheim.
21:27 - 23:00 Uhr: Fliegeralarm
23:23 - 00:19 Uhr: Fliegeralarm
8. Januar 1945
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
08:30 - 10:15 Uhr: Major Scheidegger in der Flüchtlingsunterkunft in Rheinfelden.
10:15 Uhr: Anfrage, ob die am 2. Januar abgestellten Wagen ausgeliehen werden können und in Basel bleiben dürfen, damit die Transporte von dort abgefertigt werden können.
13:30 Uhr: Telefonat vom Flüchtlingsoffizier, dass weitere 385 Kinder angekommen sind. Verteilung: 150 nach Rheinfelden, 235 nach Binningen.
14:20 Uhr: Änderung der Verteilung der Kinder: 138 nach Rheinfelden, 247 nach Binningen.
14:00 - 15:18 Uhr: Fliegeralarm.
15:20 Uhr: Meldung vom Flüchtlingsoffizier: Abfahrt des Zuges mit den Kindern um 15:10 Uhr.
Ankunft in Binningen: 15:40 Uhr, Ankunft in Basel: 15:48 Uhr.
Mitteilung an die französischen Begleitpersonen, dass am nächsten Tag mit derselben Anzahl an Kindern zu rechnen ist.
16:15 Uhr: Meldung vom Adjutanten des Infanterie-Regiments 15, dass die Vorgänge der drei Ortswehrbefehle übernommen wurden.
16:50 Uhr: Meldung vom Flüchtlingsoffizier, dass der morgige Flüchtlingszug mit den Kindern bereits um 11:30 Uhr eintreffen wird. Die Kinder werden morgen mit Militärcamions transportiert und in Gruppen von 5 × 15 = 75 Kindern eintreffen.
Da die Camions nicht beheizt sind, ist damit zu rechnen, dass die Kinder durchfroren sind. Es ist Sorge zu tragen, dass sie in warme Zugwagen kommen. Verteilung wird wie folgt vorgenommen: 150 Kinder nach Rheinfelden.
18:39 - 20:02 Uhr: Fliegeralarm.
9. Januar 1945
Operation Nordwind: Die Hölle von Hatten und Rittershoffen
In den frühen Morgenstunden des 9. Januar 1945 beginnt der deutsche Angriff. Zunächst führen Panzergrenadiere der ungeschützten Kampfgruppe Proll den Vorstoss, unterstützt von Flammenwerfern der 1. Ingenieurkompanie. Der Angriff ist aggressiv, und trotz erheblicher Verluste gelingt es den deutschen Truppen, viele US-Unterstützungswaffen rund um die Maginot-Linien-Stellungen zu unterdrücken und die meisten der Panzerabwehrkanonen des verteidigenden US-Bataillons zu zerstören. Die zweite Phase des deutschen Angriffs steht kurz bevor.
Am späten Vormittag erobert die gepanzerte Kampfgruppe Huss mit Unterstützung von Flamm-Panzern das Casemate #2 südwestlich von Hatten. Danach drängt die Gruppe weiter in Richtung der Eisenbahnlinie südlich von Hatten. Die deutsche Einheit, bestehend aus mehr als einem Dutzend Panzern und zwanzig Halbkettenfahrzeugen, entscheidet sich, den Angriff auf den nördlichen Teil der Stadt umzulenken. Die Infanterie zieht sich vom Bahnhof zurück, während die meisten Panzer in Richtung Rittershoffen von Süden vorrücken.
Die deutschen Panzer, die nach Rittershoffen vorrücken, treffen auf die A-Kompanie des 48. Panzer-Bataillons der 14. Panzer-Division unter der Führung von Hauptmann ‘Ace’ Ory und werden zurückgeschlagen. In der Mitte von Hatten dringen die deutschen Panzergrenadiere mit Unterstützung einiger Panzer tief in die Stadt vor, trotz der Bemühungen der C-Kompanie und der unterstützenden Bataillons-HQ-Einheiten. Die Deutschen werden durch die heldenhaften Taten von Pfc Vito Bertoldo gebremst, dessen Aktionen im östlichen Teil von Hatten rund um die Hauptkirche ihm die Congressional Medal of Honor einbringen.
Mit Einbruch der Dämmerung setzt das US-Kommando das 2. Bataillon des 242. Infanterie-Regiments ein. Bis zum Einsetzen der Nacht haben beide Seiten ihre Positionen in jeweils einer Hälfte von Hatten bezogen und ruhen sich aus.
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
00:20 Uhr: Landung eines Störballons mit Metallpapieren und Fallschirm auf einem Baum an der Leimenstrasse.
Anmerkung des Autor:
In den zur Verfügung stehenden Unterlagen der Armee vom 28. Mai 1945 sind keine Daten, bzw. Meldungen zu finden, die eine Landung eines Störballons in Basel erwähnt. Es gab jedoch im ersten Quartal, wie schon wöhrend des ganzen Krieges viele Sichtungen / Landungen von Störballone.
Zusammenstellung der Störballon-Ereignisse – Januar bis April 1945 in der Schweiz
Monatliche Übersicht:
| Januar | 9 | |
| Februar | 13 | |
| März | 15 | |
| April | 1 | |
| Total | 38 |
Herkunft und Art der Ballons:
| Monat | Deutsche Ballons | USA-Ballons | Unbekannte Herkunft | Total |
|---|---|---|---|---|
| Januar | 15 | 2 | 8 | 25 |
| Februar | 42 | 2 | 1 | 45 |
| März | 12 | - | 1 | 13 |
| April | 34 | - | 10 | 44 |
| Total | 103 | 4 | 20 | 127 |
Bemerkungen:
Es wurde eine Gesamtzahl von 127 Ballons registriert.
Die Mehrheit der Ballons stammt aus Deutschland. Einige stammen aus den USA, und eine kleinere Zahl konnte keiner Herkunft eindeutig zugeordnet werden.
Besondere Ereignisse:
- Propagandaballons: Insgesamt 34 Ballons wurden als Propagandaballons identifiziert.
- Kurzschluss einer Überlandleitung: Es gab Berichte über Kurzschlüsse, die durch Ballons verursacht wurden.
10:10 Uhr: Mitteilung, dass am 15. die Füsilier-Kompanie 2 BL in Gelterkinden mobilisiert werden soll. Es soll Bescheid gegeben werden, wenn in Basel kein Platz vorhanden ist. Vielleicht kommt Birsfelden in Frage.
11:00 - 12:15 Uhr: Rapport KP.
13:37 Uhr: Meldung vom Flüchtlingsoffizier: Um 13:42 Uhr sind die Kinder in Mulhouse abgefahren und sollen ca. 14:10 Uhr in Basel eintreffen, um von dort nach Rheinfelden weiterzufahren.
Meldung, dass vier weitere Camions mit Kindern an der Grenze warten, jedoch noch kein Wagenmaterial der Basler Transport Bahn BTB vor Ort ist.
14:45 Uhr: Kinder in Leymen eingetroffen. 184 weitere steigen in Flüh ein.
15:00 Uhr: Zwei Mannschaftswagen für den 10.01.1945 um 12:30 Uhr zur MUBA bestellt.
Abfahrt um 14:56 Uhr in Binningen. Insgesamt 313 Kinder.
15:10 - 16:23 Uhr: Fliegeralarm. Anflug mehrerer Flugzeuge vom Westen nach Basel. Die Umgebung der Kirche Hüningen wurde mit Minenwerfern beschossen. Zwei alliierte Aufklärer wurden über Kembs gesichtet. Gegenseitiger Minenwerferbeschuss fand zwischen dem Hafen Weil und Hüningen statt.
15:35 Uhr: Ein Möbelwagen zum Bettentransport auf 08:00 Uhr (10.1.45) bestellt. Vier Taxis auf 12:30 Uhr bestellt.
16:30 Uhr: Zollamt Hüningen meldet, dass an der Grenze sechs verwundete Franzosen seien, die zur Versorgung ins Spital Basel gebracht werden sollen.
16:45 Uhr: Meldung an das Infanterie-Regiment 15 weitergeleitet.
18:15 Uhr: Regimentsarzt des Inf. Rgt. 15 teilt dem KP mit, dass er mit Hauptmann Werner am Zoll Hüningen war und dort die Mitteilung erhielt, dass die Soldaten bereits den Zoll Lysbüchel überschritten haben und ins Bürgerspital Basel eingeliefert wurden.
18:30 Uhr: Der Spitaldirektor verlangt, dass über den Flüchtlingsoffizier sechs weibliche Sanitätsschwestern des Luftschutzzuges angefordert werden, da das Spital infolge Überfüllung gezwungen ist. Die LS Sanitätsstation sei zu öffnen.
10. Januar 1945
Weitere Kämpfe um Hatten
Am Morgen positioniert sich das 2. Bataillon des 315. Infanterie-Regiments unter Lt. Colonel Holton, um durch den nördlichen Teil von Hatten vorzurücken. Der Angriff ist für 09:00 Uhr geplant. Doch die Deutschen schlagen den Angriff der Amerikaner vorzeitig vor.
Um 08:45 Uhr greift eine grössere deutsche Streitmacht von 200 Mann und sechs Panzern die Soldaten von Holton an, als diese sich an ihrem Ausgangspunkt formieren. Ziel der Deutschen ist es, die US-Verteidiger aus Hatten zu vertreiben. Die Amerikaner geraten ins Wanken, können jedoch mit Unterstützung einer Handvoll Panzerjäger aus dem segregierten 827. Panzerjäger-Bataillon einen kleinen Teil der Häuser am westlichen Rand von Hatten halten.
Um den Druck im nördlichen Teil von Hatten zu verringern, ordnet Lt. Colonel Holton einen Gegenangriff seiner Männer aus dem 2. Bataillon, 315. Infanterie-Regiment, in Richtung des Bahnhofs im südlichen Teil der Stadt an. Als der Angriff der Amerikaner jedoch in Gang kommt, finden die deutschen Panzerabwehrkanonen ihre Zielgenauigkeit und zerstören mehrere Sherman-Panzer, wodurch der Vormarsch der Amerikaner gestoppt wird.
Französische Kinder können noch nicht heimkehren
Die Lage in den französischen Städten Montbéliard und Belfort bleibt weiterhin kritisch. Insbesondere die Versorgung mit Lebensmitteln und die allgemeinen Sicherheitsbedingungen sind nach wie vor so prekär, dass eine Rückführung der evakuierten Kinder derzeit nicht verantwortet werden kann. Die Schweizerische Kinderhilfe des Roten Kreuzes teilt mit, dass Kinder aus kleineren Ortschaften jedoch in naher Zukunft in ihre Heimat zurückgebracht werden sollen.
Unterdessen treffen weiterhin Flüchtlingskinder aus Mulhousen in der Schweiz ein. Am vergangenen Samstag, den 5. Januar erreicht ein dritter Transport mit 257 Kindern die Grenzstation Flüh. Diese Kinder werden von der Kinderhilfe an ihre Pflegefamilien in den Kantonen Solothurn, Appenzell Ausserrhoden und Luzern übergeben. Vorgestern, am Montag, den 8. Januar überschreiten weitere 385 Mulhouser Kinder die Grenze. Sie werden nun in Familien im Kanton Bern und Zürich untergebracht.
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
06:20 Uhr: Flüchtlingsoffizier im Flüchtlingslager MUBA. Diverse Besprechungen betreffend den Transport von Kranken nach Laufen.
09:05 Uhr: Kommandant des Bataillons 33 auf dem Kommandoposten.
11:40 Uhr: Anfrage vom Flüchtlingsoffizier bezüglich einer Voranmeldung für Kinder, die aus Mulhouse eintreffen sollen.
12:15 - 13:36 Uhr: Fliegeralarm. Zahlreiche Flugzeuge in mehreren Wellen unterhalb von Basel Richtung Schaffhausen.
12:50 Uhr: Meldung vom Flüchtlingsoffizier, dass soeben etwa 150 Kinder eingetroffen sind.
14:15 - 14:47 Uhr: Fliegeralarm. Einflug mehrerer Flugzeuge bei Basel mit Richtung Laufenburg.
Besprechung für den 11.01.1945:
- 08:00 Uhr: 1 Möbelwagen zur MUBA.
- 12:30 Uhr: 1 Mannschaftswagen zum Kinderheim.
- 12:30 Uhr: 1 Mannschaftswagen zur MUBA.
- 12:30 Uhr: 3 Taxis zur MUBA.
15:05 Uhr: Meldung, dass soeben 244 Kinder in Binningen abgegeben wurden. Damit ergibt sich eine Gesamtzahl von 364 Kindern. Für morgen sind um ca. 11:00 Uhr etwa 100 Kinder und nach 14:00 Uhr weitere 500–700 Kinder zu erwarten.
14:51 - 15:27 Uhr: Fliegeralarm. Einflug eines Verbandes fremder Flugzeuge bei Oberendingen Richtung Brugg Basel
22:19 - 23:29 Uhr: Fliegeralarm.
11. Januar 1945
Hohe Verluste beider Seiten bei der Schlacht um Hatten
Ein kleiner, schneebedeckter Bach verläuft vom deutschen Kontrollbereich im nord-östlichen Teil von Hatten bis zu den amerikanischen Verteidigungsstellungen im nord-westlichen Teil von Rittershoffen. Mit dem frühen Morgennebel stellt der Bach eine ausgezeichnete Route dar, um Fahrzeuge und Truppen zwischen Hatten und Rittershoffen zu bewegen. Um 05:00 Uhr am 11. Januar erwachen die deutschen Linien mit dem Geräusch vieler Motoren. Die Deutschen, geführt von der gepanzerten Kampfgruppe Huss, greifen die amerikanischen Verteidigungsstellungen am Stadtrand von Rittershoffen an und nutzen die Bachroute zu ihrem Vorteil.
Um sicherzustellen, dass die Verteidiger in Hatten den deutschen Vorstoss nach Rittershoffen nicht stören können, führen die Deutschen Störangriffe auf wichtige Positionen in den amerikanischen Stellungen im nord-westlichen Teil von Hatten durch. Diese Angriffe werden grösstenteils von einem Zug Hellcats Panzern aus der B-Kompanie des 827. Panzerjäger-Bataillons unter der Leitung von Lt. Robert F. Jones gestoppt, einer segregierten Einheit, die sich bereits in den vorherigen Tagen hervorragend bewährt hat.
Der Angriff auf Rittershoffen trifft das 3. Bataillon des 315. Infanterie-Regiments unter Major Eason ähnlich wie der Angriff auf die amerikanischen Verteidiger am ersten Tag in Hatten. Neun von zwölf Panzerabwehrkanonen des Bataillons gehen verloren, und die Verluste in den drei verteidigenden Kompanien erreichen fast 50%. Der Unterschied ist, dass die verteidigenden Amerikaner erfahrene Kämpfer sind und ihre Ruhe weitgehend bewahren. Obwohl der äussere Verteidigungsring von Rittershoffen durchbrochen wird, kann eine zweite Verteidigungslinie im süd-westlichen Teil des Dorfes gebildet werden.
Gegen Nachmittag wird ein Gegenangriff durch Combat Command A (CCA) der 14. Panzer-Division gestartet. Dieser hilft, die verbliebenen Infanteristen des 315. Infanterie-Regiments zu verstärken.
Neutralitätsverletzungen durch deutsches Panzerabwehrgeschoss
Gegen 17:55 Uhr landet ein fremdes Geschoss bei der Fabrikstrasse 50, direkt vor den Eingang der Firma Durand-Huguenin. Theodor Eugster und Friedrich Krebs, beide Anwohner, melden den Vorfall der Polizei. Sie berichten, dass das Geschoss auf die Strasse eingeschlagen ist, ohne zu detonieren. Die Polizei sichert den Fundort und informiert die Feuerwehr, die kurze Zeit später eintrifft, um die Granate zu bergen.
Das Geschoss wird auf die Feuerwache (Lützelhof) transportiert und sicher verwahrt. Bei einer ersten Inspektion identifizieren die Einsatzkräfte die Granate als deutsches Fabrikat mit einem Kaliber von 7,5 cm. Es handelt sich um eine Panzergranate normaler Ausführung, vermutlich für eine 7,5 cm Pak 40, wie später die Kriegstechnische Abteilung bestätigt.
Die Untersuchung der Kriegstechnischen Abteilung ergibt, dass die Granate wegen eines zu weichen Auftreffens nicht explodiert. Die ballistische Haube, die normalerweise für die Durchschlagskraft sorgt, ist beim Aufprall abgeschlagen worden. Die Granate bleibt jedoch intakt und richtet weder Sachschäden noch Personenschäden an.
Am 15. Februar 1945 wird die Kriegstechnische Abteilung in ihrem Bericht bestätigen, dass die Granate deutschen Ursprungs ist. Die Erkenntnisse werden an das Sekretariat des Militärdepartements sowie an das Territorialkommando Basel weitergeleitet. Auf diplomatischer Ebene entscheidet die Schweiz, keine weiteren Schritte gegen Deutschland einzuleiten. Da durch den Vorfall keine Schäden entstehen und die Neutralität der Schweiz nicht gefährdet ist, sehen die Behörden keine Notwendigkeit für eine Intervention.
13. Januar 1945
Die erbitterten Kämpfe um Hatten gehen weiter
Mit den Deutschen, die nun bedeutende Teile von Hatten und Rittershoffen besetzen, setzt die US-Armee vollständig die 14. Panzer-Division ein.
„Diese mächtige deutsche Streitmacht hat entlang der gesamten Linie zugeschlagen, die Männer der 42. Infanterie-Division zurückgedrängt und die Männer der 79. Division abgeschnitten. Die 14. Panzer-Division wurde beauftragt, einen Gegenangriff zu starten, um die MLR wiederherzustellen.“ History of the 14th Armored Division.
Die 14. Panzer-Division startet zwei Angriffe: einen von Combat Command A (CCA) unter der Führung von Colonel Karlstad und einen weiteren von Combat Command B (CCB) unter der Leitung von Colonel Gillespie. Letzterem wird die ehrgeizige Aufgabe zugewiesen, von Norden von Rittershoffen in Richtung Hatten vorzurücken und die deutsche Versorgungsroute zwischen den beiden Dörfern über den vertieften Bach zu unterbrechen. Der Angriff beginnt um 11:30 Uhr, doch schon bald wird klar, dass die offenen Felder, die CCB durchqueren muss, ein Totenfeld für gut platzierte deutsche Panzerabwehrkanonen und Panzerjäger sind, die sich auf dem leicht erhöhten Gelände nördlich von Hatten positioniert haben. Nach mehreren Panzerschäden wird der Angriff abgebrochen.
Karlstad’s CCA erzielt mehr Erfolge, als seine Brigade in den deutschen Teil von Rittershoffen vorrückt, um das 3. Bataillon des 315. Infanterie-Regiments zu unterstützen, das sich weiterhin in der süd-westlichen Ecke des Dorfes verbarrikadiert. Die Deutschen werden langsam aus dem westlichen Teil von Rittershoffen zurückgedrängt, und die Fortschritte des Tages werden in einzelnen Häusern gemessen. Mehrere Panzerduelle entbrennen in der Nähe der Kirche, als einige Panzer der Deutschen einen Gegenangriff starten. Am Ende des Tages ist Rittershoffen in zwei Hälften geteilt, wobei die Deutschen die nördliche Hälfte besetzen. Die amerikanische Verteidigungsstellung ist stärker; nun vollständig gesichert durch das 68. Panzer-Infanterie-Bataillon, das mit dem erschöpften 3. Bataillon des 315. Infanterie-Regiments zusammenarbeitet.
Schäden durch Grenzverletzungen:
Vogesenstrasse 31
Am Donnerstag, den 18. Januar 1945, gegen 09:00 Uhr, meldet Herr G.W., Teilhaber einer Drechslerei und wohnhaft in der Vogesenstrasse 31, beim Polizeiposten St. Johann, dass am Samstag, den 13. Januar 1945, eine Gewehrkugel das Dach seiner Liegenschaft durchschlagen hatte.
Der zuständige Beamte folgte der Meldung und stellte vor Ort fest, dass die Kugel von der Strassenseite her kommend das Eternitdach, die Dachverschalung sowie die Zimmerwand durchschlagen hatte. Im Schlafzimmer des Mieters P.F., Schneider von Beruf, prallte die Kugel zunächst an die Wand, dann auf den Bettgiebel und fiel schliesslich, nachdem sie noch an einem Schrankoberteil aufgeschlagen war, zu Boden. Der Bettgiebel und der Schrank wiesen leichte Schäden in Form von Kratzern auf.
Nach Angaben eines anderen Mieters erfolgte der Einschlag zwischen 08:00 und 11:00 Uhr aus nordöstlicher Richtung. Zu diesem Zeitpunkt befand sich niemand im Zimmer. Das beschädigte Mobiliar war bei der Schweizerischen Mobiliarversicherungsgesellschaft versichert.
Der Bericht wurde am 1. Februar 1945 mit der Beilage einer Gewehrkugel an das Polizei-Inspektorat weitergeleitet. Die technische Abteilung des Eidgenössischen Militärdepartements prüfte in der Folge das Geschoss und stellte fest, dass es sich um eine 7,9-mm-Gewehrpatrone aus deutscher Herkunft handelte.
15. Januar 1945
US Truppen schlagen mehr und mehr zurück
In den letzten Tagen wird der gesamte US-Sektor offiziell unter das Kommando der 14. Panzer-Division gestellt. Alle amerikanischen Unterstützungswaffen können nun voll in die Kampfhandlungen eingebunden werden.
In Rittershoffen sollten CCA und die Männer des 315. Infanterie-Regiments das Dorf räumen. Die Kirche von Rittershoffen erweist sich erneut als Brennpunkt der Kämpfe beider Seiten. Zwei Tage lang tobt die Schlacht um diesen wichtigen Punkt, und den Amerikanern gelingt es, einige Gebäude in der Umgebung zu erobern. Doch die Deutschen setzen Flamm-Panzer im Gegenangriff ein, wodurch die Amerikaner gezwungen werden, ihre bescheidenen Fortschritte wieder aufzugeben.
Combat Command R (CCR) unter dem Kommando von Colonel Hudelson soll Hatten von Südwesten angreifen, mit dem Ziel, den Bahnhof und den Friedhof zu erobern. Deutsche Stellungen im und um den Bahnhof liefern präzises Feuer mit Kleinwaffen. Unterstützung durch amerikanische Panzer wird angefordert und in Form von fünf Shermans des 47. Panzerbataillons bereitgestellt. Als die Panzer vorrücken, erhalten sie jedoch ebenfalls präzises Feuer von gut positionierten Panzerabwehrkanonen. Der Angriff scheitert.
Die gepanzerten Infanteristen von CCR rehabilitieren sich später am Tag, als sie auf die Shermans steigen und sich in den westlichen Teil von Hatten verlagern, der von dem zunehmend erschöpften 2. Bataillon des 315. Infanterie-Regiments verteidigt wird. Sofort geraten sie in Häuserkampf und drängen die Deutschen zurück.
Schäden durch Grenzverletzungen:
Neutralitätsverletzungen durch Artilleriegeschosse im Rheinhafen Kleinhüningen
Der Rheinhafen Basel Kleinhüningen wurde in der Zeit von 18:30 bis 20:32 Uhr mehrfach durch fremde Artillerie beschossen. Nach den Beobachtungen der Späher des KP ILO Rheinhafen wurden die Artilleriegeschosse aus der Gegend Bartenheim/Blotzheim abgefeuert.
Meldung aus dem Journal des Beobachtungspostens:
18:30 Uhr: Nebel - Sicht rund 200 Meter
18:35 Uhr: Artilleriebeschuss aus Richtung Bartenheim nach Weil. MG—Feuer aus "Tannenbaum-bunker” Richtung Friedlingen.
18:40 Uhr: Einzelne Gewehrschüsse aus Hüningen nach Friedlingen.
18:43 Uhr: Erneutes Artilleriefeuer auf Weil
18:45 Uhr: Artillerieeinschlag - vermutlich auf Schweizerboden bei Rhenus II
18:48 Uhr: Telephonrückfrage bei Zollamt Hiltalinger- Strasse (Grenzw. Ott) : Konnte Ort des Einschlages nicht feststellen.
18:50 Uhr: Art. Einschlag zwischen Haltingen und Weil.
18:57 Uhr: 2 Einschläge satt an der Schweizergrenze bei Friedlingen.
GrzW.Gefr. Ernst konstaniert Granateneinschlag Lagerhaus Rhenus II, Rauchentwicklung. Avisiert von Neptun aus Zollposten Hafentor und Feuerwache. Drückt zusammen mit einem Kameraden Bureautüre Rhenus II ein, um allfälligen Brand im Lagerhaus zu löschen. Beide müssen wegen Phosphordampf sich zurückziehen.
19:01 Uhr: MG—Feuer von schwarzem Bunker gegen Schetty-Fabrik.
19:04 Uhr: Art. Einschlag vor Rhenus II Wendeplatz.
Phosphorgranateneinschlag westlich Rhenus II vor Schnittholzlager. Brisanzgranateinschläge in Bahngeleise südl. Rhenus II. Telephonische Warnung durch Grzw.Gefr. Ernst
an Feuerwache betr. Fortdauer der Beschiessung; zu spät, da Feuerwehrautos schon unterwegs.
19:15 Uhr: MG—Feuer aus schwarzem Bunker gegen Schetty-Fabrik.
19:17 Uhr: Art.-Einschlag Richtung Hauptstrasse Friedlingen.
19:20 Uhr: Meldung Neptun: Laut Bericht Grzw. Gefr. Ernst Volltreffer im Dach Rhenus II, Rauchentwicklung.
19:21 Uhr: Telephon an Grzw.Kdo. (GefrWicht): Meldung dass Art.-Beschuss auf Schweizer boden liegt.
19:22 Uhr: Zwei Mann Patrouille zu Rhenus II.
19:26 Uhr: Art.-Einschlag bei Rhenus II.
19:27 Uhr: Art.-Einschlag bei Rhenus II.
19:30 Uhr: Erneute Einschläge in Friedlingen.
19:36 Uhr: Patrouille zurück, Meldung dass Rhenus II 1. Stock Rauchentwicklung. Einsatz Feuerwehrtrupp 5 Mann.
Stadt Feuerwehr und Oblt. Schmoll (ILO Rheinhafen) bei Rhenus II eingetroffen. Vorgehen mit Atemschutz, Phosphor festgestellt.
19:50 Uhr: Art.-Einschlag Giebelseite W Rhenus II. do. Hauptstrasse Friedlingen.
Phosphorgranate schlägt beim Standort Feuerwehrauto und Mannschaft in Giebelmauer, Keine Splitterwirkung, daher keine Verletzten.
19:53 Uhr: Rückzug Feuerwehr, da keine unmittelbare Brandgefahr.
20:12 Uhr: Löschtrupp 5 Mann zurück von Rhenus II.
20:32 Uhr: Art.-Feuer von Blotzheim gegen Efringen.
Einschlagkarte des KP ILO Rheinhafen vom 15. Januar 1945 - Karte Privatarchiv
- Brisanzgranateneinschlag im Bahntracé östlich des Lagerhauses Rhenus II. Leichter Schaden am Bahndamm.
- Phosphorgranateneinschlag auf das Dach des Lagerhauses Rhenus II. Das Eternitdach wurde durchschlagen, die Träger im Gebäudeinneren beschädigt. Der Dachstockraum war weithin mit Phosphor bespritzt. Da der Lagerraum leer war, entstand kein Brandschaden.
- a) Brisanzgranateneinschlag auf das Bahngleis südlich von Rhenus II. Der Bahnkörper wurde aufgewühlt, zwei Gleisnerven von Splittern durchschlagen. Zwei Bahnwagen (Stettin 14765 und Oppeln 8676), beide mit Äpfeln beladen, wurden durch Splitter beschädigt.
b) Brisanzgranateneinschlag südöstlich von Rhenus II. Der Bahnkörper wurde aufgewühlt, das Gleis auf etwa 50 m weggerissen. - Phosphorgranateneinschlag unmittelbar vor dem Holzlager der Schnitt- und Rundholz AG, Basel. Die Westseite des Schnittholzlagers auf ca. 60 m³ war mit Phosphor bespritzt, das Holz wurde durch Splitter geringfügig beschädigt.
- a) Brisanzgranateneinschlag in die Böschung zum Hafenbecken II, südlich von Rhenus II. Geringer Flurschaden.
b) Brisanzgranateneinschlag im Hafenbecken II. Kein Schaden festgestellt. - Phosphorgranateneinschlag in der nordwestlichen Ecke des Lagerhauses Rhenus II. Mauerschaden, Fassade und Strasse waren mit Phosphor verspritzt. Im Gebäude entstanden durch krepierende Brisanzgranaten zahlreiche Fensterglasschäden.
- Angeblich sind zwei weitere Geschosse im Hafenbecken II ins Wasser gefallen.
Im Bericht der Kriegstechnische Abteilung des eidg. Militärdepartements wurde am 31.1.1945 vermerkt:
Es handelte sich um vier grössere Splitter von Geschossmantelteilen, ein Stück eines Geschossbodens mit Aufschriften, fünf kleinere Stücke sowie eine Verschlusschraube ebenfalls mit Aufschriften. Zudem befanden sich diverse kleinere Splitter ohne weitere Kennzeichen unter den Fundstücken. Zur Vervollständigung teilten wir Ihnen die gefundenen Aufschriften mit.
Anhand der stark deformierten Stücke konnten wir feststellen, dass es sich um Granaten mit einem Kaliber von 105 mm handelte. Bei mindestens drei der grösseren Stücke waren deutlich Reste von Phosphor erkennbar. Das oben erwähnte Kontrollzeichen liess darauf schliessen, dass die Munition höchstwahrscheinlich aus den USA stammte.
16. Januar 1945
Die zweite Phase der Schlacht um Hatten beginnt
Die Schlacht hat sich zu einem Abnutzungskampf entwickelt. Tags zuvor haben die Deutschen ihre erschöpften Panzergrenadiere vollständig durch die Elite-Fallschirmjäger der relativ frischen 7. Fallschirmjäger-Division ersetzt. Diese Deutschen führen erneut den Angriff an, manchmal nachts, wo sie bequemer operieren können als ihre Panzergrenadier-Brüder. Trotz frischer Truppen und nächtlichen Einsätzen bleibt das Ergebnis weitgehend dasselbe, ohne einen entscheidenden Schlag zu setzen.
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
10:00 Uhr: Herr und Frau David holen die Bewilligung für das badische Kinder-Durchgangslager ab.
20:57 - 21:32 Uhr: Fliegeralarm.
Schäden:
09:45 Uhr: Mulhouserstrasse 63
17. Januar 1945
Verluste an Mann und Material in Hatten
Die Tagelangen Kämpfe vordern Hohe tribute an Mannschaften und gepanzerten Fahrzeugen. Von den beiden Panzerkompanien, die Hatten verteidigen, waren nur noch 8 Shermans von 34 einsatzbereit. Für die drei Panzerkompanien, die Rittershoffen verteidigten, standen nur noch etwa 18 einsatzbereite Fahrzeuge von 53 zur Verfügung.
Die deutschen Ziele beginnen sich deutlich zu ändern, als die 10. SS-Panzer-Division am Rhein ankommt. Der neue Schwerpunkt verlagert sich auf den rechten Flügel der US-7. Armee, rund um Gambsheim, nahe dem Rhein. In Hatten sind nur noch lokale Angriffe autorisiert, mit dem Ziel, die amerikanischen Verteidiger in diesem Bereich zu binden. Zu diesem Zweck wird die 47. Volksgrenadier-Division eingesetzt, um die 7. Fallschirmjäger-Division und die 21. Panzer-Division zu entlasten.
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
08:00 Uhr: Besprechung im KP betreffend Durchgangsflüchtlinge. Das Quartieramt verlangt eine ständige Aufnahmebereitschaft und Platz für 1'000–1'200 Flüchtlinge. Das Amt schlägt vor, Schulen vorzubereiten, die in ein paar Tagen bezugsbereit wären.
Vorgeschlagen wird vom Verbindungsoffizier, Fabriken dazu zu verwenden.
10:50 Uhr: Ankunft von weiteren Flüchtlingskindern in Flüh.
11:30 Uhr: Besprechung des Kommandos mit verschiedenen Herren des Bundes betreffend der Einwilligung zur Erstellung eines weiteren Durchgangslagers.
13:00 Uhr: Besprechung betreffend Verteilung der Kinder aus Mulhouse.
14:30 Uhr: Meldung vom Flüchtlingsoffizier, dass 402 Kinder nach Basel gereist sind.
15:45 Uhr: Meldung, dass der Rest der heutigen Flüchtlingskinder von Flüh abgereist ist.
Heutige Verteilung:
- 300 Kinder nach Rheinfelden
- 157 nach Binningen
- 401 Zoologischer Garten
- 116 Bahnhof SBB
Total: 974 Kinder
18. Januar 1945
Feuergefechte an der Grenze – Verirrte deutsche Geschosse auf Schweizer Boden
Entlang des Rheins, von der Schweizer Grenze bis zum Stauwehr bei Märkt, toben heftige Gefechte zwischen deutschen und französischen Truppen. Am Donnerstagvormittag liefern sich Maschinengewehre beider Seiten einen lebhaften Schlagabtausch, während die Artillerietätigkeit in Richtung Mulhousen und Colmar erneut aufflammt. Besonders im Gebiet nördlich von Kembs, wo es zuletzt ruhiger war, donnert nun wieder schweres Geschütz.
Die Kämpfe greifen dabei zunehmend auf die unmittelbare Grenzregion über. Am Nachmittag, zwischen 16:35 und 16:50 Uhr, nimmt ein deutsches Geschütz mit kleinem Kaliber nahe der Schweizer Grenze Stellung. Als es das Feuer in westlicher Richtung eröffnet, verfehlen einige Granaten ihr Ziel und schlagen auf Schweizer Boden ein. Eine detoniert in der Gegend des Lysbüchels, zwei weitere treffen bei Allschwil. Glücklicherweise gibt es keine Berichte über Verletzte oder grössere Schäden, doch die Einschläge sorgen für Unruhe in der Bevölkerung.
Um die Sicherheit der Zivilbevölkerung zu gewährleisten, reagieren französische Truppen mit entsprechenden Massnahmen. Besonders in Hüningen, wo deutsche Maschinengewehre das Ufergebiet unter Beschuss nehmen, werden gefährdete Zonen abgesperrt und die Bewohner evakuiert.
Währenddessen intensiviert sich der Artilleriebeschuss in der Region. Französische Batterien nehmen das Festungsgebiet von Istein unter Feuer, deutsche Artillerie antwortet aus dem Kandertal und beschiesst Blotzheim sowie Bartenheim. Am Abend blitzen immer wieder Mündungsfeuer über der Region Bartenheim-Sierentz auf, während aus Richtung Volkensberg kräftige Abschüsse zu hören sind.
Gegen 21:00 Uhr entfaltet sich in den Vogesen eine gewaltige Feuersbrunst. Der Horizont glüht stundenlang in einem unheilvollen Licht, immer wieder lodern Flammen tiefrot auf. Die Kämpfe eskalieren, und während die Detonationen über die Grenze hallen, bleibt die Lage für die Schweizer Bevölkerung angespannt.
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
08:10 Uhr: Meldung: Det 23 mit 40 Mann, davon 4 Uof., eingerückt.
Begehung der Kindergärten am Wasgenring 16, ob diese als Flüchtlingsunterkunft dienen könnten.
10:25 Uhr: Mobilisation der Bewachung KP 23 beendet.
11:00 Uhr: Ein weiterer Soldat eingerückt.
16:50 Uhr: Meldung von Frau von OW, dass in der Nähe ihrer Wohnung am Herrenweg 15 in Allschwil zwei Granaten eingeschlagen sind, ohne zu explodieren.
Herrenweg 15 in Allschwil im Januar 2025, 80 Jahre, nachdemim Garten 2 Granaten eingeschlagen haben
17:00 Uhr: Meldung von Frau Panarant-Jordin, dass über ihrem Hofgut ca. sechs Granaten eingeschlagen sind. Meldung wird sofort ans Fgt. 15 weitergeleitet.
Arbeiter gaben an, dass die Schäden im Garten nicht so schlimm seien. Die Granaten seien aus der Region Tüllingen abgefeuert worden.
Meldung vom Luftschutz-Hauptmann, dass das Geschütz, welches auf Allschwil gefeuert hatte, zwischen der Schetty-Fabrik und der Signalstation im Hafen stehe.
Sofort wird mit den Deutschen Kontakt aufgenommen.
19. Januar 1945
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
09:45 Uhr: Meldung aus Flüh: Französische Soldaten in Richtung Leimen gesichtet.
10:00 Uhr: Anfrage betreffend Voranmeldung von Flüchtlingen.
10:40 Uhr: Soldaten melden die Ankunft von 120 Kindern in Flüh.
15:00 Uhr: Meldung vom Flüchtlings-Offizier, dass der heutige Kinderzug eingefahren ist.
Verteilung der Kinder:
- Rheinfelden: 149
- Zoo: 208
- Inselschulhaus: 424
- Total: 781
Meldung über zu erwartende Flüchtlingstransporte:
- Samstag, 20.01.45 – ca. 700 Kinder
- Sonntag, 21.01.45 – ca. 900 Kinder
- Montag, 22.01.45 – ca. 320 Kinder
- Dienstag, 23.01.45 – ca. 320 Kinder
- Mittwoch, 24.01.45 – ca. 700 Kinder
- Donnerstag, 25.01.45 – ca. 380 Kinder
- Freitag, 26.01.45 – ca. 600 Kinder
- Samstag, 27.01.45 – ca. 300 Kinder
Weitere Kinder könnten kommen. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass am Mittwoch, 31.01.45 die Kindertransporte in die Schweiz beendet sind.
20. Januar 1945
Verlegung der US Kräfte um Hatten
Nachdem die Amerikaner erkannt haben, dass die deutschen Bemühungen sich verlagert haben, ziehen sie imLaufe des Tages aus den Dörfern Hatten und Rittershoffen in eine weiter südlich gelegene Position ab, die auf die grosse Stadt Haguenau gestützt ist. Diese Umgruppierung verstärkt ihre Verteidigungsposition und verbessert die Dichte der amerikanischen Truppen erheblich.
Schwere Gefechte im Dreiländereck – Artilleriefeuer und Luftangriffe erschüttern die Region
Die Kriegshandlungen entlang des Rheins nehmen an Intensität zu. Erneut eskaliert die Lage, als schweres Artilleriefeuer und Luftangriffe auf beiden Seiten der Grenze zunehmen. Der Kampf beschränkt sich nicht mehr nur auf vereinzeltes Störfeuer – die Front rückt näher, und erstmals seit Wochen greifen auch Flugzeuge in die Gefechte ein.
Am Vormittag sind nur vereinzelte Schüsse aus dem Raum Bartenheim in Richtung der deutschen Festung Istein zu hören. Doch um die Mittagszeit verstärken sich die Kampfhandlungen. Um 11:07 Uhr eröffnen deutsche Geschütze aus Friedlingen das Feuer auf Hüningen. Die Franzosen reagieren mit Minenwerfern, deren Granaten den Weiler Hafen treffen. Ein französischer Panzer feuert wenig später über den Rhein.
Um 12:12 Uhr schlägt Artilleriefeuer in den Weilern Haberhäuschen und Richardshäuser ein, die bereits in den vergangenen Wochen unter schwerem Beschuss standen. Am Nachmittag kommt es zum direkten Artillerieduell: Um 16:09 Uhr feuern deutsche Geschütze aus dem Festungsgebiet von Istein für mehrere Minuten in Richtung Mulhouse. Die Einschläge sind bis ins Stadtgebiet zu spüren. Etwa 20 Minuten später setzen französische Batterien aus der Gegend von Bartenheim-Sierenz zum Gegenangriff an. Die Luft leuchtet von Schrapnell-Explosionen auf, während die Artilleriegefechte unvermindert weitergehen.
Schon um 15:30 Uhr tauchen zwei britische Spitfire-Maschinen über Hüningen und Weil auf, bevor sie in Richtung Wiesental abdrehen. Wenige Minuten später erscheint ein Geschwader von zwölf Flugzeugen über dem Elsass. Kurz darauf steigen dichte Rauchwolken über der Elsässer Hard bei Kembs auf. Gewaltige Explosionen erschüttern die Umgebung.
Später am Nachmittag registriert man auch in Basel Einschläge in unmittelbarer Nähe. Vom badischen Rheinufer aus schiessen deutsche Einheiten auf Michelfelden und den Nordrand von St. Louis. Die Franzosen reagieren sofort: Ein Panzer fährt in St. Louis in Stellung und nimmt im Direktschuss die Schusterinsel ins Visier. Eine der bereits beschädigten Fabrikschornsteine wird erneut getroffen und stürzt mit lautem Krachen in sich zusammen.
Am Abend bleibt die Lage angespannt. Die Festung Istein gerät erneut unter massiven französischen Beschuss. Trotz der intensiven Angriffe antworten die deutschen Batterien mit weiterem Artilleriefeuer in Richtung Mulhousen. Der Himmel über dem Oberelsass flackert immer wieder von Mündungsfeuer und Explosionen auf. Währenddessen beobachten Basler Einwohner die Gefechte aus der Ferne, während der Lärm der Einschläge bis in die Stadt dringt.
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
10:00 Uhr: Entlassung der Bewachung Kp. 9 BS.
11:00 Uhr: Ca. 350 Kinder überqueren die Grenze bei Flüh.
12:21 - 13:16 Uhr: Fliegeralarm - Wellen von Bomberformationen aus dem Bodenseegebiet. Einflug Koblenz Pruntrut / Therwil. Starke Detonationen aus Richtung Rheinfelden. Flak in Aktion.
15:15 Uhr: An der Flüchtlingsstelle SBB Ankunft von insgesamt 244 Kindern aus Flüh. Davon reisen 200 weiter nach Rheinfelden und 144 in den Zoologischen Garten.
17:00 Uhr: Entlassung der 1. Hälfte der Bewachung Kp. 23 BS (15 Mann).
20:00 Uhr: Ablösung der Wache Bew. Kp. 2 BL Zoologischer Garten durch den Luftschutz Basel.
21. Januar 1945
Operation Nordwind: Der Rückzug der Alliierten und Stabilisierung der Front
Nachdem die Dörfer Hatten und Rittershoffen gefallen sind, stabilisieren sich die Frontlinien entlang des Moder-Flusses. In Haguenau haben sich die Alliierten eine Festung geschaffen, die ständig von der deutschen Artillerie bombardiert wird. Zivilisten leben in ständiger Angst in ihren Kellern. Die Alliierten werden jedoch nicht ruhen. Der Druck auf die deutschen Truppen wächst, auch wenn diese immer noch an ihrer Position festhalten.
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
Im Laufe des Nachmittages treffen 754 Flüchtlingskinder aus Flüh ein.
15:06 - 15:37 Uhr: Fliegeralarm
17:30 Uhr: Meldung, dass am 22. und 23. Januar keine Flüchtlingskinder eintreffen werden.
22. Januar 1945
12:58 - 14:02 Uhr: Fliegeralarm - Einflüge vieler schwerer Flugzeuge bei Pruntrut - Nordost. Schweres Bombardement aus Richtung Freiburg -Müllheim zu hören.
15:03 - 16:18 Uhr: Fliegeralarm - Einflug im Pruntruterzipfel. 8 Maschinen patroullieren im Raume Basel-Freiburg. Schweres Bombardement aus Richtung Müllheim zu hören.
23. Januar 1945
Heftige Kämpfe im Grenzgebiet – Istein unter französischem, St. Louis unter deutschem Feuer
Alliierte Flugzeuge greifen über die Mittagszeit und am Nachmittag die Gegend um Müllheim mit Bomben an. Der erste Angriff beginnt um 13:07 Uhr und dauert mindestens drei Minuten. Die gewaltigen Detonationen lassen in Basel Fensterscheiben klirren und Gebäude erzittern. Um 13:27 Uhr folgt ein weiterer Angriff, gefolgt von einem dritten um 15:54 Uhr, der ebenso heftig ausfällt. Gleichzeitig setzen deutsche Einheiten ihre Angriffe auf französisches Gebiet fort. Ein in der Nähe des Rheinufers postiertes Geschütz beschiesst St. Louis und das benachbarte Michelfelden wiederholt mit Granaten kleineren Kalibers. Auch in Neudorf sind Einschläge zu verzeichnen. Zudem wird das Zentrum von Hüningen von deutschen Minenwerfern getroffen. Zur Mittagszeit geht ein massiver französischer Feuerschlag auf Istein und die umliegenden Gebiete nieder. Doch damit nicht genug: Am späten Abend, zwischen 22:00 und 23:00 Uhr, gerät das Festungsgebiet erneut unter heftigen Beschuss durch französische Batterien aus dem Raum südlich von Mulhouse. Die Abschüsse und Einschläge sind deutlich zu sehen und zu hören – jede Detonation wird von einem gleissenden Aufblitzen begleitet. Anscheinend richten sich einige Angriffe auch gegen Müllheim. Nach Mitternacht beruhigt sich die Lage etwas, doch vereinzelte Schüsse hallen noch in der Ferne nach.
Französischer Bunker - La casemate Garchery am Rhein in Village-Neuf. Im Hintergrund ist der Jachthafen von Weil sichtbar. Inschrift auf dem Bunker -
Die Freiwilligen der LANGUEDOC BRIGADE – 80. Infanterieregiment, die von Dezember 1944 bis April 1945 am Rhein Wache hielten, nannten diesen Aussenposten das Blockhaus des Todes.
Im Januar 1945 wurden mehrere ihrer Kameraden in der Nähe getötet.
Die Linie entlang des Elsass-Kanals besteht aus einer Reihe kleiner Kasematten vom Typ Garchery, die sich mit quadratischen Kasematten abwechseln. Der Abstand zwischen zwei Kasematten variiert zwischen 500 und 1000 m. Die Kasematten vom Typ Garchery wurden von General Garchery entworfen. Sie bestehen aus einer einzigen Kammer mit den Abmessungen 3 m x 2 m und zwei parallel zum Kanalbett angeordneten Schussschlitzen. Die dem feindlichen Feuer ausgesetzte Seite ist leicht geneigt, um die Schüsse abzulenken. Der Eingang befindet sich mittig an der gegenüberliegenden Fassade. Diese Kasematten waren mit Maschinengewehren des Kalibers 7,5 oder schweren Maschinengewehren des Typs Hotchkiss des Kalibers 13,2 bewaffnet. Die Bedienung erfolgte durch eine sechsköpfige Mannschaft.
Die Region um Kembs, Rosenau, Village-Neuf, Huningue, St-Louis, Hégenheim, Hésingue und Blotzheim war zwischen 1937 und 1940 voller kleiner Kasematten und Stützpunkte. Es werden mehrere Verteidigungslinien eingerichtet. Die erste verläuft entlang des Elsass-Kanals, die zweite entlang des Huningue-Kanals, die dritte entlang der Ostflanke der ersten Sundgauer Hügel und eine vierte Linie verläuft parallel zur Schweizer Grenze zwischen St-Louis und Hégenheim.
10:15 - 11:17 Uhr: Fliegeralarm
24. Januar 1945
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
11:50 Uhr: Meldung vom Grenzposten Flüh: 200 Kinder eingetroffen. Weitere 450 Kinder sollen am Nachmittag eintreffen.
14:15 Uhr: Drei Damen und Herren vom Roten Kreuz besuchen das Hilfsspital, das Quarantänelager und den Zoologischen Garten.
14:24 Uhr: 200 Kinder treffen in Flüh ein.
15:18 Uhr: 216 Kinder treffen in Flüh ein.
17:00 Uhr: Territorial-Kdt. 7 auf KP. Rapport mit Geniechef wegen erneutem Massenlager in der Stadt Basel.
25. Januar 1945
Rückzug der Deutschen Kräfte
Hitler befiehlt die Einstellung der Operation Nordwind. Die geschwächten deutschen Truppen werden in den kommenden Tagen an die Oderfront verlegt, um den sowjetischen Vormarsch auf Berlin zu verlangsamen.
Trotz der Einstellung der Offensive gehen die Kämpfe weiter.
Die Operationen Nordwind und Sonnenwende haben das Elsass in Trümmern hinterlassen. Die Verluste sind erschreckend:
- 22.932 deutsche Soldaten sterben
- 11.609 amerikanische Soldaten fallen
- 2.000 französische Soldaten und tausende Zivilisten kommen ums Leben.
In Hatten verlieren 83 Zivilisten ihr Leben, und ganze Dörfer werden ausgelöscht. Haguenau wird von der US-Presse als „Blutige“ bezeichnet und wird zum Symbol der Zerstörung dieser letzten grossen deutschen Offensive im Westen.
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
05:27 - 05:49 Uhr: Fliegeralarm
10:30 Uhr: Ter. Kdo., Polizei-Offizier und einige Armeeoffiziere besichtigen das Hilfsspital, den Zoologischen Garten und das Inselschulhaus.
14:00 Uhr: Obige Gruppe fährt nach Flüh und SBB.
Nachmittags: 302 Kinder treffen in Basel ein.
26. Januar 1945
Weitere Kämpfe im Dreiländereck
Der Krieg in der Dreiländerecke geht unvermindert weiter. Den ganzen Tag über wird die Gegend um Istein immer wieder von französischen Geschützen aus dem oberelsässischen Hügelgebiet beschossen. Besonders am Nachmittag und Abend schlagen Granaten in das Umland ein, auch das hintere Kandertal gerät unter Feuer. Auffällig ist, dass plötzlich die Gegend von Märkt verstärkt ins Visier genommen wird. Bereits am frühen Morgen, zwischen 07:00 und 08:00 Uhr, feuert ein kleineres französisches Geschütz auf die Ortschaft. Über die Mittagszeit intensiviert sich der Beschuss, als zwei französische Panzer bei Neudorf in Stellung gehen und Schuss um Schuss auf Märkt abgeben.
Einer von vielen am Rhein erichteten französische Kleinkampfanlagen (Abri de tir) heute. Die zahlreichen Einschüsse zeugen von schwerem MG Beschuss von deutscher Seite aus.
Am Abend nimmt das Maschinengewehrfeuer zwischen Hüningen und Friedlingen wieder zu. Ohne ersichtlichen Grund setzt um 18:55 Uhr heftiges Feuer ein. Später, um 22:50 Uhr, beginnen Maschinengewehre am Rheinufer bei Friedlingen mit einem massiven Angriff auf die französischen Bunker jenseits des Rheins. Zunächst bleibt eine Reaktion aus, doch plötzlich antworten alle französischen Stellungen gleichzeitig. Offenbar haben sie etwas Verdächtiges bemerkt, denn das Feuer richtet sich gezielt auf die badische Rheinseite. In Friedlingen ist deutlich das Rattern von Fahrzeugen zu hören, die sich eilig entfernen. Den Flüchtenden folgen französische Maschinengewehrsalven, das Feuer dauert etwa 20 Minuten an.
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
10:30 Uhr: Das Margarethenkinderheim wurde aufgehoben, und die restlichen 42 Flüchtlingskinder wurden in das Flüchtlingslager Elisabethenstrasse verbracht.
27. Januar 1945
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
Rekognoszierung von Spiegelfeld und St. Jakob durch den Stab zwecks Festlegung des geeigneten Platzes für das Flüchtlingsaussenlager.
13:30 Uhr: 150 Flüchtlinge aus Burgefelden bei Flüh eingetroffen.
16:00 Uhr: 246 Flüchtlingskinder bei Flüh eingetroffen.
31. Januar 1945
Kämpfe um Colmar
In der Nacht dröhnte anhaltendes Artilleriefeuer aus der Gegend östlich oder nordöstlich von Colmar, möglicherweise sogar aus der Region um Strassburg. Am frühen Morgen, gegen 07:00 Uhr, verlagerte sich das Geschützfeuer direkt in die Umgebung von Colmar. Es steigerte sich schnell zu einem gewaltigen Trommelfeuer, das mehr als eine Stunde lang unvermindert anhielt. Ab 09:00 Uhr hörte man die Detonationen erneut etwas weiter nordwärts, aus grösserer Entfernung. Dies lässt darauf schliessen, dass sich das Artillerieduell wieder in die Gegend verlagert hat, in der auch das nächtliche Feuer stattfand. Das Dröhnen bleibt jedoch weiterhin spürbar.
Einsatz schwerster Artillerie im Raum Colmar: US Truppen mit einem M35 Prime Mover, welcher eine 240 mm Howitzer M1 Spitzname „Black Dragon" zieht
Die fast 30 Tonnen schwere 240-mm-Haubitze hatte eine maximale Schussreichweite von 23 km. Ihre 160 kg schweren Granaten besassen eine enorme Durchschlagskraft und wurden vor allem gegen Befestigungen und Bunker, aber auch gegen andere strategische Ziele eingesetzt. Trotz ihrer hohen Feuerkraft war sie aufgrund ihres Gewichts schwer zu transportieren und benötigte eine aufwendige Logistik für den Einsatz.
1. Februar 1945
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
16:25 - 16:53 Uhr: Fliegeralarm
16:55 Uhr: Einschlag eines Artilleriegeschosses im Fabrikareal der Sandoz (2 Leichtverletzte).
2. Februar 1945
Intensiver Artilleriebeschuss auf Istein und Neudorf
Nach einem relativ ruhigen Vormittag wurde am Nachmittag erneut intensives Artilleriefeuer aus der Richtung Colmar vernommen, und am Abend setzte sich der Beschuss aus der Gegend von Sennheim fort. Istein und angrenzende Ortschaften lagen sowohl am Nachmittag als auch am Abend unter französischem Feuer. Ein deutsches Geschütz feuerte mehrere Granaten auf Neudorf, wobei der bereits beschädigte Kirchturm erneut getroffen und im oberen Bereich zerstört wurde. Gegen 17:00 Uhr traf eine Granate das Fabrikgelände im äusseren St. Johannquartier.
Am späten Abend, zwischen 20:15 Uhr und 22:00 Uhr, stiegen über der Gegend zwischen Märkt, Istein und teils auch Friedlingen zahlreiche orangefarbene Leuchtraketen auf, von denen einige in Richtung Neudorf abgefeuert wurden. Eine Reaktion auf diese Raketen war jedoch bis Freitagmorgen, 01:00 Uhr, nicht festzustellen.
Die französischen Truppen in Colmar
Offiziell wird berichtet, dass die französischen und amerikanischen Truppen mittlerweile das Stadtzentrum erreicht haben. Die Strassenkämpfe in der Stadt dauern weiterhin an.
Laut dem Communiqué der Ersten französischen Armee unter dem Befehl von General Delattre de Tassigny, ist die französische Armee bis ins Zentrum von Colmar vorgedrungen. Die deutschen Truppen ziehen sich zurück, und die alliierten Panzertruppen sind ihnen dicht auf den Fersen. Die Deutschen lassen dabei enorme Mengen an Kriegsmaterial zurück.
Ein Sonderberichterstatter, Seaghan Maynes, berichtet aus der Umgebung von Colmar, dass die Truppen von General Delattre de Tassigny am Freitag in die Stadt einmarschiert sind. Die französischen Truppen haben die feindlichen Linien durchbrochen, und die einrückenden Soldaten wurden von der Bevölkerung begeistert empfangen. Die Stadt blieb von Artilleriebeschuss verschont.
Alliierte Truppen in Colmar - 80 Jahre nach der Befreiung
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
09:25 - 11:32 Uhr: Fliegeralarm – Zwischen Kandern und Rheinfelden rege Fliegertätigkeit. 7 Flugzeuge im Anflug auf Istein.
10:56 - 11:32 Uhr: Fliegeralarm.
13:01 - 14:10 Uhr: Fliegeralarm – Durchflüge zwischen Zeiningen und Möhlin. Patrouillieren von 4, 8 und 6 Maschinen entlang der Grenze zwischen Pruntrut und Laufenburg. 4 Flugzeuge über Blotzheim und Istein.
16:17 - 16:41 Uhr: Fliegeralarm.
18:00 Uhr: Rapport
Traktanden:
- Reduktion der Bewachung aller territorialen Wachen.
- Flüchtlingslager Basel: Elisabethen, Barackenlager. Letzteres für 1.000 Flüchtlinge. MUBA (WC-Anlagen in Halle 9) wird für Transitflüchtlinge benötigt.
- Neutralitätsschäden: Der Polizei-Offizier verweist darauf, dass Schadensmeldungen an den Territorialdienst gemeldet und aufgenommen werden müssen.
- Bewachung KP: Abklärung der Verschiebung von KP 22 BS nach Gelterkinden am 12.2.45.
- Im Februar: 3-tägiger Kaderkurs.
6. Februar 1945
Die Durchführung des Schwerverwundetenaustausches
Über die kürzlich erfolgte Durchführung des Austausches von Schwerverwundeten wird aus dem Bundeshaus amtlich mitgeteilt:
Unter der Kontrolle des eidgenössischen politischen Departementes, Abteilung für fremde Interessen, fand auf schweizerischem Gebiet in der zweiten Hälfte des vergangenen Monats ein Austausch von insgesamt 7.100 amerikanischen, britischen und deutschen verwundeten und kriegsgefangenen Soldaten statt. Die technische Organisation dieser Aktion lag in den Händen des Oberfeldarztes der Schweizer Armee. Er setzte für die Transporte der Verwundeten zwischen Konstanz und Marseille sieben verstärkte Schweizer Sanitätszüge ein. Zudem sorgte er dafür, dass einzelne Transportsgruppen während einiger Zeit in der Schweiz untergebracht werden konnten, was sich aus transporttechnischen Gründen als notwendig erwies. Diese Gruppen wurden danach nach Konstanz oder nach Marseille weiterbefördert.
Dank der Anordnungen der Abteilung für Sanität und dem hervorragenden Verhalten der von ihr eingesetzten Sanitätsoffiziere und Pflegekräfte gestaltete sich der Austausch für alle Beteiligten erfolgreich. Dazu trug auch ganz wesentlich die Beweglichkeit der Schweizer Bundesbahnen bei, welche es trotz grosser Schwierigkeiten verstanden, die Fahrpläne so anzupassen, dass keine unerwünschten Störungen entstanden. Die Transportsgruppen wurden in Genf und Kreuzlingen durch die Zweigstellen des Schweizerischen Roten Kreuzes reichlich verpflegt. Der Territorialdienst der Armee sorgte für die Bewachung der Durchfahrtsbahnhöfe.
Gleichzeitig mit dem Verwundeten-Austausch erfolgte auch ein Austausch von Zivilpersonen, und zwar von Reichsdeutschen aus den Vereinigten Staaten von Amerika und Mexiko gegen Angehörige nord- und iberoamerikanischer Staaten aus deutschem Gewahrsam. Beide Gruppen umfassten 860 Personen. Auch sie mussten aus Gründen der Kontrolle während einiger Zeit in der Schweiz festgehalten werden. Der Territorialdienst der Armee sorgte für ihre Unterkunft am Genfersee und in der Umgebung.
In den letzten Tagen gelangt noch deutsches Sanitätspersonal aus amerikanischem Gewahrsam und amerikanisches Sanitätspersonal aus Deutschland über Schweizerisches Gebiet zur Heimsendung. Damit ist die Aktion abgeschlossen, durch die es nahezu 10.000 Personen ermöglicht wurde, nach ihrer Heimat zurückzukehren.
Den vielen Hilfskräften, die durch ihr selbstloses Wirken Anteil am Gelingen der Transporte hatten, sei hier der Dank der Abteilung für fremde Interessen ausgesprochen.
Alliierte Schwerverletzte in Schweizer Sanitätswagen während der Durchreise durch die Schweiz Ende Januar/Februar 1945
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
08:31 - 09:43 Uhr: Fliegeralarm – Einflug mehrerer Flugzeuge bei Stein-Säckingen. Luftkämpfe über Laufenburg. Vier Fallschirmabsprünge über Brugg.
13:25 - 15:47 Uhr: Einflug vieler Flugzeuge bei Basel/Baden. Starke deutsche Flak in Aktion. Schweres Bombardement aus nordwestlicher Richtung hörbar. Schweizer Flab bei Basel in Aktion.
09:23 Uhr: Meldung vom Schifffahrtsamt: Rheinkraftwerk Albbruck-Dogern bei Schwaderloch bombardiert. Wasserwelle von ca. 500 m³ zu erwarten.
Nach Rücksprache mit dem Stabchef wird Wasseralarm ausgelöst mit der Durchgabe der obigen Meldung.
09:50 Uhr: Neue Meldung trifft ein: Nach Rücksprache mit der Grenzbrigade 5 wird erklärt, dass das Rheinkraftwerk Albbruck-Dogern nicht getroffen wurde, sondern eine in der Nähe befindliche Fabrik. Keine Wassergefahr.
09:55 Uhr: Die Meldung wird an alle Stellen weitergegeben.
7. Februar 1945
Das Badische Rheinufer von Istein bis Colmar unter französischem Artilleriefeuer
In den letzten Tagen war das badische Rheinufer von Istein bis Colmar wiederholt von heftigem französischem Artilleriefeuer betroffen. Während der Nacht hallte das schwere Trommelfeuer über die Region, mit deutlichen Feuerscheinzeichen, die in der Ferne am Horizont, in Richtung Breisach, zu sehen waren und erst nach Tagesanbruch langsam verblassten.
Am Dienstagmorgen, als sich die Nebel verzogen, konnten die Bewohner zwischen Stein, Sädingen und Laufenburg Luftkämpfe beobachten, bei denen mehrere deutsche und alliierte Flugzeuge in Fallschirmen absprangen. Der Angriff auf Ibrud, von dem an anderer Stelle berichtet wurde, leitete diese Luftkämpfe ein. Über die Mittagszeit wurde die Region zwischen Basel und der Dreiländergrenze wiederholt von alliierter Luftwaffe überflogen, was die Schweizer Fliegerabwehr in Tätigkeit versetzte. Währenddessen hörte man erneut Bombardierungen aus dem Raum Müllheim, mit mehreren Angriffen gegen 13:14 Uhr und 13:47 Uhr.
Am frühen Nachmittag, um 12:50 Uhr, setzte das Trommelfeuer zwischen Colmar und Breisach wieder ein, wobei die Detonationen den Raum zwischen den beiden Städten über eine längere Zeit erschütterten. Gegen Abend verlagerte sich das Feuer weiter in Richtung Breisach, wobei die Intensität noch zunahm.
Zerstörtes Breisach im Februar 1945 – Zeitgenössische Postkarte - Kolorierung Patrick Schlenker
In den Abendstunden und während der Nacht zum Mittwoch war von Basel aus das unaufhörliche Hämmern der französischen Artillerie zu hören. Die meisten Detonationen, die von der Grenze aus zu hören waren, stellten sich als Einschläge heraus, die aufblitzten, besonders entlang der Frontlinie nördlich des Isteiner Klosters und bis hin nach Schliengen und Müllheim. Die französischen Geschütze in dieser Region, vorwiegend im oberelsässischen Hügelgelände westlich von Blotzheim bis Sierens stationiert, feuerten nicht nur in Richtung Istein, sondern auch weiter nordwärts.
Es konnte auch ein einzelner Scheinwerfer beobachtet werden, der gegen Mitternacht auf dem Hügel südlich von Istein aufblitzte, jedoch ohne sich zu bewegen, als ob er plötzlich erstarrt wäre. Zudem stiegen zwischen 17:05 und 17:20 Uhr Leuchtraketen über Märkt auf.
Um 02:00 Uhr früh, am nächsten Tag, begann auf den Hügeln bei Istein eine seltsame Erscheinung. Drei Lichtquellen, die nord- oder nordwestlich von Istein lagen, beleuchteten das ganze Hügelgebiet bis zum Kandertal. Diese Lichter, vermutlich von Scheinwerfern, erhellten die Kammhöhe so stark, dass man mit dem Fernglas alle Details der Landschaft erkennen konnte. Die genaue Ursache und der Zweck dieser Beleuchtung blieben zu diesem Zeitpunkt unklar.
In dieser Nacht war auch von Kleinhüningen und Friedlingen wieder ein Geräusch zu vernehmen, als französische Minenwerfer Geschosse abfeuerten, die in Fabrikgebäuden an der Schweizer Grenze explodierten. Das Maschinengewehrfeuer des Vortages war jedoch weit weniger intensiv.
Die intensive Artillerie und die Luftkämpfe über der Region setzten sich fort und markierten die fortwährende militärische Auseinandersetzung in diesem strategisch wichtigen Grenzgebiet.
Tagesbefehl General Delattre de Tassignys
Paris, 7. Februar (AFP) General Delattre de Tassigny hat an die amerikanischen und französischen Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten der französischen 1. Armee einen Tagesbefehl erlassen, in dem es unter anderem heisst:
„Ich will das Ende dieser erbitterten, siegreichen Schlacht nicht abwarten, um Euch meine Freude und Dankbarkeit mitzuteilen. Seit nahezu drei Wochen lasse ich Euch keine Ruhe, und Tag und Nacht rufe ich Euch hart und unaufhörlich vorwärts! Es musste so sein, denn keine Aufgabe war gebieterischer und schöner als die Rettung Strassburgs und die endgültige Befreiung des Elsass. Keine Aufgabe war reicher in ihren militärischen und politischen Ergebnissen. Ihr alle habt das verstanden, und, von Kälte durchdrungen und erschöpft, habt Ihr die höchste Energie gefunden, um die unerbittliche Energie des Feindes zu besiegen. Ich danke Euch, meine amerikanischen Kameraden, die Ihr mit Eurer Tapferkeit dazu beigetragen habt und die Ihr nichts geschont habt, weder Eure Waffen noch Euer Blut, um uns zu helfen. Ihr, meine französischen Kameraden, werdet mit Stolz behaupten können, dass Ihr das grosse nationale Werk vollbracht habt, von dem unsere Kinder mit Bewegung und Respekt sprechen werden. Der Feind ist vom heiligen Boden Frankreichs vertrieben, er wird nicht mehr zurückkehren.“
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
03:37 - 03:55 Uhr: Fliegeralarm
08:30 Uhr: Die Büroräume 7, 8, 9 und 17 des Territorial-Kommandos (Ter. Kdo.) werden neu tapeziert.
14:40 Uhr: Beobachtungsposten des Silos meldet Einschlag von vier Artilleriegeschossen beim Hafenbecken 2 an der Grenzstrasse – Anlegeplatz Thenus. Keine Verletzten.
9. Februar 1945
Andauerndes Artilleriefeuer auf das badische Rheinufer
Die Kämpfe nördlich von Basel konzentrierten sich in den letzten 48 Stunden vor allem auf die Nachtstunden. Während der Tageszeit war das Artillerie- und Maschinengewehrfeuer wesentlich schwächer. Die Ziele der französischen Artillerie blieben jedoch fast unverändert: Unter heftigem Feuer lag weiterhin das gesamte Gebiet von Kleinkembs bis Müllheim, und auf der linken Rheinseite vermutlich auch das durch den vorspringenden Isteiner Klotz verdeckte Niffer (nördlich von Kembs).
Am Abend und in der Nacht nahm die Intensität der Kämpfe im gesamten Gebiet wieder deutlich zu. In östlicher Richtung hinter dem Istein war eine Brandröhre sichtbar, die etwa anderthalb Stunden lang anhielt. In der Folge konnten viele verschiedene Lichtsignale beobachtet werden, hauptsächlich in Richtung Niffer und Istein. Weisse und orangefarbige Leuchtraketen stiegen auf. Schwere französische Batterien nahmen abends bei Helfrantskirch ihre Positionen ein. Die Abschüsse wurden in Basel wie riesige Hammerschläge wahrgenommen und richteten sich vorwiegend in den Raum zwischen Niffer und Müllheim. Wie schon in der Vornacht wurde dieses Gebiet auch von Norden her beschossen. Das Feuer hielt bis gegen Mitternacht an.
Auf dem Isteiner Hügelrücken war auch in der Nacht erneut eine Beleuchtung sichtbar, wie sie bereits in der Vornacht beobachtet worden war. Diese war jedoch nicht mehr so grell wie in der Nacht zuvor, als zwischen 3 und 4 Uhr sechs Scheinwerfer gezählt werden konnten. In unmittelbarer Grenznähe entwickelte sich gegen Mitternacht wieder ein heftiges Maschinengewehrduell zwischen Hüningen und Friedlingen. Eine Zeit lang feuerten alle französischen Bunker mit Leuchtspurmunition.
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
11:05 - 11:53 Uhr: Fliegeralarm
11:30 Uhr: Oblt. Nyfeler der 8. Division der Barackenverwaltung meldet sich zwecks Kontrolle der gelieferten Baracken für das Hilfsspital. Er erwähnt, dass die Barackenverwaltung allenfalls in der Lage ist, weitere Baracken zu liefern.
14:00 Uhr: Maj. Zaugg inspiziert die Baracken beim Hilfsspital.
14:31 - 16:25 Uhr: Fliegeralarm - Verband fremder Flugzeuge über Basel. Schweizer Flabbeschuss. Angriff auf Ortschaft bei Bartenheim mit Bordwaffen.
Hilfsspital an der Burgfelderstrasse
Basels Hilfsspital wurde eingerichtet, um im Notfall weitere Verwundete, Flüchtlinge und Zivilpersonen medizinisch zu versorgen. Diese Einrichtung gehörte zur schweizerischen Zivilverteidigung und sollte die regulären Krankenhäuser Basels entlasten, falls es zu einer hohen Zahl an Verletzten kam. Die Räumlichkeiten des Spitals befanden sich in bestehenden Gebäuden, wurden jedoch im Februar 1945 mit Baracken erweitert, um zusätzlichen Platz für Patienten zu schaffen. Moderne medizinische Geräte, ausreichend Verbandsmaterial und eine gute hygienische Infrastruktur sorgten dafür, dass eine effektive Behandlung gewährleistet war.
Das Spital wurde von zivilen Ärzten, Pflegekräften, aber auch von Sanitätssoldaten betrieben, die in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Roten Kreuz und freiwilligen Helfern die Patienten versorgten. Regelmässige Inspektionen stellten sicher, dass die Abläufe reibungslos funktionierten und die Versorgung sichergestellt war. Anfang 1945 wurde das Spital stark beansprucht, als täglich hunderte Flüchtlingskinder aus dem Elsass und Baden in die Schweiz kamen. Viele von ihnen waren geschwächt und litten unter den Strapazen der Flucht, sodass die medizinische Betreuung im Hilfsspital von zentraler Bedeutung war.
Zusätzlich diente die Einrichtung auch als Quarantänelager, um die Ausbreitung von Krankheiten unter den Flüchtlingen zu verhindern. Ärzte und Sanitätspersonal arbeiteten unter hohem Druck, um die Ankommenden zu untersuchen, sie gegebenenfalls zu isolieren und weiterführende Massnahmen einzuleiten.
Das Hilfsspital an der Burgfelderstrasse, Ecke Luzernerring - Foto Staatsarchiv Basel - NEG 3391 Burgfelderstrasse (Hilfsspital) / Fotoarchiv Wolf - Kolorierung Patrick Schlenker
Gebäude des Hilfsspitals an der Burgfelderstrasse 101 - heute befindet sich in dem selben gebäude die Baugenossenschaft wohnen&mehr mit der Adresse Westfeld 2. - Foto Staatsarchiv Basel - NEG 8777 Burgfelderstrasse 101 (Hilfsspital) / Fotoarchiv Wolf - Kolorierung Patrick Schlenker
10. Februar 1945
Weiteres Artilleriefeuer auf das badische Rheinufer
Die Beschiessung des selben Abschnitts wie die Tage zuvor (von Kleinkembs bis Müllheim) hielt bis zum Morgen an und dauerte bis zum Tagesanbruch. Am Vormittag blieb es ruhig, bis kurz nach 11:00 Uhr aus dem Raum Blotzheim wieder Schüsse in die Umgebung von Istein abgefeuert wurden. Um 13.50 Uhr traten die französischen Batterien westlich von Bartenheim in Aktion. Ihr Ziel war der Hügelrücken des Isteins, insbesondere der Schafberg, gegen den eine Stunde später auch Schrapnells gerichtet wurden. Über der Erde war deutlich zu sehen, wie tiefe schwarze Wolken durch die Explosionsgeschosse entstanden. In das Gebiet zwischen Haberhäuser und Neudorf sandte ein deutsches Geschütz aus dem Eingang des Kandertals eine Reihe Granaten. Zwischen Hüningen und Friedlingen wurden zudem gegenseitig Geschosse aus Minenwerfern gewechselt. Um 14.25 Uhr flogen drei Granaten aus westlicher Richtung auf Schweizer Gebiet und schlugen im Hafenbereich von Basel ein, wobei jedoch nur geringer Sachschaden entstand. Vorsorglich wurde in diesem Teil des Rheinhafens der Betriebsalarm ausgelöst.
Augenzeugenbericht:
Das Auftauchen französischer Aufklärungsflugzeuge vom Typ Fieseler Storch lässt darauf schliessen, dass die französische Artillerie wieder neue Ziele im badischen Hinterland sucht. Die Batterien schiessen sich am späten Vormittag und über die Mittagszeit mit Rauchgranaten ein. Die bekannten Rauchpilze steigen bei Elmeldingen, in der Gegend von Egringen und Schallbach sowie auf dem Schafberg, östlich des Isteiner Klokes, auf. Das Artilleriefeuer trifft aber auch noch verschiedene andere Ziele. So wird gegen einen deutschen Bunker zwischen dem Rhein und Haltingen, gegen Haltingen selbst und in das Kandertal geschossen.
Eine grössere Anzahl Granaten schlägt zu verschiedenen Tageszeiten in Lörrach ein. Es entsteht erheblicher Sachschaden, besonders auch in der Gegend des Bahnhofs. Die Grenzgänger aus Basel haben am Morgen wie üblich ihre Arbeitsstätten in Lörrach ausgesucht. Da die Situation aber zu gefährlich wird, kehren sie bald wieder auf Schweizer Boden zurück. Die Vorbereitungen zum Abtransport der Frauen und Kinder aus Lörrach werden jetzt beschleunigt. Ein erster Schub ist bereits bewerkstelligt worden. Deutsche Geschütze feuern in den Raum Blodelheim, aus welchem Richtung die Angriffe auf Lörrach offenbar vermutet werden. Ferner wird von der Mittagszeit an Hüningen aus einem deutschen Minenwerfer beschossen.
Im Laufe des Nachmittags, des Abends und in der Nacht zum Mittwoch, den 11.1.45 ist die Tätigkeit der alliierten Luftwaffe wieder sehr rege. Man beobachtet Formationen von bis zu zwölf Maschinen über der Dreiländerecke und zum Teil auch über Basel selbst, weshalb in kurzen Abständen Fliegeralarm ausgelöst werden muss.
12. Februar 1945
Die Zerstörung des Stauwehrs des Kraftwerks Kembs durch die Deutschen
In der Nacht konnte von der Grenze aus eine gewaltige Detonation in Richtung des Stauwehrs des Kraftwerks Kembs beobachtet werden. Das Kraftwerk liegt etwa 3½ Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt, rheinabwärts auf der Höhe von Märkt. Gleichzeitig war ein riesiger Feuerschein sichtbar. Zwei Brände in unmittelbarer Nähe entstanden, die etwa 2½ Stunden lang andauerten.
Nach Tagesanbruch musste festgestellt werden, dass von deutscher Seite aus eine Sprengung am Stauwehr vorgenommen worden war, die weitaus schwerere Zerstörungen angerichtet hatte als das Bombardement durch alliierte Flugzeuge am 8. Oktober 1944. Die Schützen 3 und 4 wurden ausgehängt und liegen schräg im Wasser. Das gesamte Tragwerk über diesen Schützen ist eingebrochen und hängt nun in den Fluss hinunter. Auch der Dienststeg in der Mitte wurde vollständig zerstört. Aus der Ferne sind die schweren Schäden deutlich zu erkennen, da der gesamte Mittelteil des Stauwehrs zusammengebrochen ist. An den Pfeilern ist aus der Distanz jedoch kein Schaden festzustellen.
Die von den Deutschen vorgenommene Zerstörung stellt ein enormes Hindernis für die Wiederaufnahme der Rheinschifffahrt dar, da es erhebliche Zeit in Anspruch nehmen wird, diese schweren Schäden zu beheben.
Zerstörter Mittelteil des Stauwehrs durch die Sprengung der Deutschen - Foto Privatarchiv
14. Februar 1945
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
00:24 - 01:02 Uhr: Fliegeralarm
03:40 - 05:18 Uhr: Fliegeralarm
04:25 Uhr: Kraftwerk Augst meldet: Wasserghefahr 0400 - Wird sofort weitergeleitet nach Schleuse.
08:20 Uhr: Ter. Kdo. gibt an alle Stellen durch: Wassergefahr besteht - sofort einrücken. Wie sich nach Rücksprache ergibt, handelt es sich um einen falschen Alarm infolge einer Verwechslung mit Fliegeralarm bei Ter. Kreis 5.
15:09 - 16:11 Uhr: Einflug vieler Flugzeuge bei Rheinfelden Richtung Schaffhausen. Ein zweimotoriger Bomber kreist brennend über Basel und stürzt nordwestlich von Allschwil ab.
20:34 - 21:32 Uhr: Einflug starker Verbände Genfersee - Solothurn - Beromünster. Weitere Einflüge bei Basel - Delsberg.
22:19 - 23:48 Uhr: Einflüge südlich und nördlich von Basel vom Osten nach Westen und umgekehrt. Scheinwerfertätigkeit vom Bruderholz und Muttenz.
17. Februar 1945
Artilleriefeuer auf Weil und Leopoldshöhe
Die instabilen Verhältnisse in der Dreiländerecke haben sich erneut gezeigt, als es am Vormittag, trotz der vorherigen Beobachtungen, die auf eine Entspannung der Kämpfe hindeuteten, wieder in der Nähe der Schweizergrenze krachte. In der Morgendämmerung war es keine Mine, sondern Artilleriefeuer, das diesmal zu vernehmen war – wahrscheinlich nicht von den kleinkalibrigsten Geschützen. Nach den ersten Einschlägen und als die Ziele nicht mehr beobachtet werden konnten, liess das beidseitige Feuer mit Einbruch der Dunkelheit nach.
Am elsässischen Rheinufer blitzten Blinklichter auf, und fast eine halbe Stunde lang konnte das weithin sichtbare Morsen beobachtet werden, ohne dass eine Reaktion festgestellt wurde. Lediglich eine rote Leuchtkugel stieg später in der Gegend auf. Geschossen wurde aus dem Raum Blotzheim. Die ersten Granaten trafen den Bahnhof Leopoldshöhe und die dortige Überführung. Gegen Mittag wurde das Feuer auf den Weiler Hafen vorverlegt, wobei ein Ziel der Silobau war. Auch in die Gegend von Istein wurde geschossen. Ab 12:46 Uhr schwiegen die Geschütze, allerdings nur vorläufig.
Im Laufe des Nachmittags setzte das Störfeuer zunächst aus Minenwerfern fort. Um 15:36 Uhr traten dann die Geschütze wieder in Aktion. Erneut wurde der Hafen von Weil mit Granaten belegt. Von deutscher Seite wurde schliesslich das Feuer erwidert, vermutlich aus dem Kandertal. Hinter Michelfelden (nordöstlich von St. Louis) konnten etliche Rauchgranaten eingeschlagen, und anschliessend wurde Bartenheim beschossen. Da die Sicht gegen Abend immer schlechter wurde, war es schwierig, die Angriffe zu verfolgen.
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
Entlassung der Bewachungs Kp. 2 BL
01:16 - 01:57 Uhr: Fliegeralarm
15:15 Uhr: Meldung aus Olten: Der Territorialkommandant 4 geht ab dem 18. Februar 1945 für eine Woche nach Arosa, Hotel des Alpes.
22:11 - 22:59 Uhr: Fliegeralarm – Einflug mehrerer Flugzeuge bei Biel in Richtung Basel. Um 22:20 Uhr über Basel.
20. Februar 1945
Stühlingen bombardiert / Basels längster Alarm
Um 10:02 Uhr erschienen 12 amerikanische "Thunderbolt"-Jäger im Luftraum nahe der Schweizer Grenze bei Schleitheim. Sie griffen Bahnanlagen in der badischen Nachbargemeinde Stühlingen an, wobei etwa 10 Bomben abgeworfen wurden. Die Detonationen führten in Oberwiesen, einem Ortsteil von Schleitheim, zu erheblichen Schäden: In allen 14 Häusern gingen Fensterscheiben zu Bruch, mehrere Dächer wurden beschädigt, und Gipsdecken stürzten ein. Besonders betroffen waren die Parkettfabrik Gonon und die Tuchfabrik Oberwiesen, die beide erhebliche Sachschäden erlitten, was zur vorübergehenden Stilllegung der Tuchfabrik führte.
Das Ziel des Angriffs war der Bahnhof, auf dem sich zur Zeit des Bombenabwurfs ein Güterzug befand. Auch auf der Schweizer Seite wurden durch den Luftdruck Fenster zerschlagen, so unter anderem am Zollgebäude.
Basel
Nach den drei Fliegeralarmen zwischen Mitternacht und Morgengrauen, die zusammen 106 Minuten dauerten, folgte in Basel ab 10:40 Uhr der längste Alarm, der bisher verzeichnet wurde. Dieser Alarm dauerte 4 Stunden und 43 Minuten, bis 15:23 Uhr. Während dieser Zeit flogen wiederholt kleinere Formationen fremder Flugzeuge über die Nordwestschweiz und Basel. Die Hauptaktionen fanden jedoch weiter entfernt statt.
Das schlechte Wetter bedingte die Fliegertätigkeit am Abend. Doch nach Mitternacht, um 00:11 Uhr, heulten erneut die Sirenen, als wieder das Motorengeräusch von Flugzeugen über dem Stadtgebiet zu hören war.
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
00:48 - 01:11 Uhr: Fliegeralarm
04:16 - 04:55 Uhr: Fliegeralarm
05:08 - 05:53 Uhr: Fliegeralarm
10:40 - 15:23 Uhr: Fliegeralarm – Zahlreiche Einflüge bei Basel. Bombenabwürfe zwischen Koblenz und Schaffhausen auf deutsches Gebiet. Starkes Artilleriefeuer auf Leopoldshöhe. Weitere Grenzverletzungen bis Luzern.
22. Februar 1945
Am 22. Februar 1945 kam es in der ganzen Schweiz zu einer grossen Anzahl von Luftraumverletzungen, wie auch Beschuss und Bombenabwürfe in der ganzen Schweiz, dies als Folge der Operation Clarion.
Operation Clarion
Operation durchgeführt am 22. und 23. Februar 1945, war eine gross angelegte Luftoffensive der Alliierten während des Zweiten Weltkriegs. Ziel war die Zerstörung des deutschen Verkehrsnetzes, um die Mobilität der Wehrmacht einzuschränken und die absolute Luftüberlegenheit der Alliierten zu demonstrieren.
Operation Clarion, durchgeführt am 22. und 23. Februar 1945, war eine der grössten Luftoffensiven der Alliierten während des Zweiten Weltkriegs. Ziel dieser weitreichenden Angriffsoperation war es, das deutsche Verkehrsnetz zu zerstören, um die Mobilität der Wehrmacht stark einzuschränken und gleichzeitig die absolute Luftüberlegenheit der Alliierten zu demonstrieren. Die Planung der Operation begann bereits im September 1944, als General Henry H. Arnold vorschlug, mit einer grossangelegten Luftangriffskampagne bisher verschonte Ziele im Deutschen Reich zu treffen. Aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen und anderer militärischer Prioritäten wurde die Umsetzung jedoch mehrfach verschoben. Anfang 1945, als die westalliierten Bodentruppen sich auf die Rheinüberquerung vorbereiteten, erhielt die Luftwaffe den Auftrag, durch präzise Angriffe auf das deutsche Verkehrsnetz die Offensive am Boden zu unterstützen.
Die Operation, die von Generalleutnant Carl Spaatz geplant wurde, richtete sich gegen Bahnhöfe, Rangierbahnhöfe, Brücken, Flusstransportschiffe und andere wichtige Infrastrukturen. Beteiligt waren rund 9.000 Flugzeuge, darunter 3.500 Bomber und 3.000 Kampfflugzeuge der United States Army Air Forces (USAAF) und der Royal Air Force (RAF). Die Ziele lagen über ein weitläufiges Gebiet verteilt, das sich von Emden bis Wien und von Berlin bis zum Bodensee erstreckte. Zum Einsatz kamen Langstreckenbomber wie die B-17 Flying Fortress und die B-24 Liberator sowie mittelschwere Bomber. Um eine höhere Treffgenauigkeit zu erzielen, flogen die Bomber in vergleichsweise niedriger Höhe.
B-24 Bomber auf einer Startbahn in England
Am ersten Tag der Operation konzentrierten sich die Angriffe auf Ziele in Nord- und Mitteldeutschland, darunter Bahnknotenpunkte, Rangierbahnhöfe und Eisenbahnbrücken. Die 8th Air Force der USAAF setzte über 1.300 Bomber und 800 Kampfflugzeuge ein, um mehr als 20 Ziele zu bombardieren. Parallel dazu griffen weitere Einheiten der USAAF und RAF Ziele in West- und Süddeutschland an. Die Angriffe verursachten erhebliche Schäden an der Infrastruktur und führten zu hohen Verlusten an Lokomotiven, Waggons und Brücken. Am zweiten Tag wurden die Angriffe in geringerem Umfang fortgesetzt. Besonders stark betroffen waren Bahnanlagen in Städten wie Ansbach, Plauen, Kitzingen und Meiningen. Gleichzeitig kam es zu hohen zivilen Opferzahlen, da viele Bahnhöfe zentral in Städten lagen und während der Angriffe stark frequentiert waren.
Obwohl die Angriffe das deutsche Verkehrsnetz kurzfristig stark beeinträchtigten, waren die Schäden nur von begrenzter Dauer. Die Reparaturarbeiten ermöglichten es, den Betrieb schnell wieder aufzunehmen. Das britische Joint Intelligence Committee bewertete die Operation als wenig effektiv, da sie keine nachhaltige Schwächung der deutschen Kriegsführung bewirkte. Trotz dieser Einschätzung demonstrierte Operation Clarion eindrucksvoll die überwältigende Luftüberlegenheit der Alliierten und trug dazu bei, die deutschen Ressourcen weiter zu erschöpfen. Die Verluste der Alliierten blieben vergleichsweise gering, dennoch wurden ähnliche Angriffsoperationen in der Folge nicht wiederholt.
Zahlreiche Abwürfe in der Schweiz mit 18 Totesopfern
Während des ganzen 22. Februar 1945 kam es in der Schweiz zu zahlreichen Bombenabwürfen mit zahlreichen Totesopfern.
In Rafz, im Kanton Zürich starben die Angehörigen der Familie Siegrist, als eine der sechs abgeworfenen Bomben um 12:42 Uhr ihr Haus trifft und komplett zerstört. Der US Bomber wurde vom Flab- und Scheinwerferdetachement 33 in Eglisau-Glattfelden beschossen, als dieser 12:25 Uhr über dem Gebiet auftauchte. Für Vater, Mutter, ihre fünf Kindern, sowie die auf Besuch weilende Schwester kam jede Hilfe zu spät. Einzig der Sohn überlebte, das er zur Zeit der Bombardierung auf dem Rückweg vom Zeitung holen war und sich nicht im Gebäude befand. Es enstand an mehrerer Gebäuden weiterer Sachschaden.
Zerstörungen in Rafz am 22.2.1945 - Foto Zeitungsartikel
Amerikanisch Jagdflugzeuge griffen um 12:20 Uhr den Beobachtungsposten Lohn SH mit Bordwaffen an. Dabei wurden zwei Soldaten verletzt. Der Posten wurde von 30–40 Geschossen getroffen, die auch Schäden an Gebäuden, Dachziegeln und Fenstern verursachten.
Ein Paar Minuten später, um 12:02 Uhr entlädt ein US Bomber 10 Bomben auf offenes Gelände in der Nähe des Schlossguts Castell Tägerwilen. Neben grossem Flurschaden wwurden auch Hindernisse des Festungsgürtels Kreuzlingen beschädigt. Eine Bombe war unweit eines Infanteriebunkers eingeschlagen.
Bombenkrater zwischen den Hindernissen des Festungsgürtels Kreuzlingen - Foto Privatarchiv
Weitere Abwürfe gibt es kurz nach 12:30 Uhr in Neuhausen. Schon zwischen 11:04 und 11:40 Uhr fliegen etwa 250 bis 300 Flugzeuge, zum Teil sehr gut sichtbar, in östlicher Richtung über Neuhausen am Rheinfall hinweg. Ein Bombeneinschlag in den Gemüsegarten hinter einem dreistöckigen Wohnhaus an der Sägereistrasse 10 führt zu schweren Schäden: Fenster und Rahmen werden herausgerissen, und der mittlere Teil der Hausfront stürzt ein. Sieben Familien mit insgesamt 23 Personen werden obdachlos. Drei Personen erleiden leichte Verletzungen. Ein Todesfall tritt indirekt im Aluminiumwalzwerk Neuhausen durch einen vermuteten Herzinfarkt ein.
In der Umgebung entstehen weitere Schäden: Bomben treffen auch einen nahegelegenen Wald, wodurch ein geschätzter Schaden von 20.000 bis 25.000 Franken durch zerstörte Bäume entsteht. Der Sachschaden am zerstörten Haus wird auf 90.000 Franken beziffert, während umliegende Gebäude etwa 1.300 zerstörte Fensterscheiben melden.
Um 12:32 Uhr entlädt die von Lt. Leslie Lenox (*11.October 1923 – † 18. Dezember 2012) pilotierte und in Horham (Grafschaft Suffolk in der Region East Anglia im Osten Englands) gestartete B-17 mit den Namen „Starduster“ der 336th Bomb Squadron - 95th Bomber Group über Stein am Rhein ihre zwölf 250-kg-Bomben. Ihr primäres Ziel wäre deutsche Infrastruktur in Kitzingen bei Würzburg. Da zuvor schon zweimal Fliegeralarm ausgelöst wurde, stehen viele Bewohner auf der Strasse oder beobachten den anfliegenden Bomber, ohne sich in den Schutzraum zu begeben. Die Bombardierung des einzelnen Bombers fordert insgesamt neun Todesopfer (vier Frauen, vier Mädchen und ein Junge), 33 Verletzte und macht 54 Menschen obdachlos. Sechs Häuser werden vollständig zerstört, 24 weitere Gebäude sowie vier Betriebe schwer beschädigt. Der Schaden beläuft sich auf 3.15 Millionan Franken.

B-17 Code ET-E der 336th Bomb Squadron - 95th Bomber Group in Horham / England - Foto Quelle https://www.americanairmuseum.com/
Besatzung der B-17 „Starduster“
- Pilot: Leslie Lenox
- Co-Pilot: James McGee
- Navigator: Robert Evans
- Bombenschütze: John Whitman
- Flugingenieur & oberer Turmschütze: William Turner
- Funker: George Harris
- Heckschütze: Frank Miller
- Seitenschütze (links): Daniel Carter
- Seitenschütze (rechts): Joseph Blake
- Unterer Kugelturmschütze: Edward Nolan
Zerstörtes Gebäude "zur Herberge" in Stein am Rhein - Foto Zeitungsartikel Privatarchiv
Um 12:35 Uhr erfolgt ein weiterer Bombenabwurf bei Beringen. Der Angriff gilt vermutlich dem WB-Bahntrassee, das jedoch nicht getroffen wird. Der nächste Bombentrichter liegt etwa 70 Meter vom Bahnkörper entfernt. Eine Strassenbahn, die mit entlassenen Militärpersonen besetzt ist, befindet sich nur 150 Meter von der Einschlagstelle entfernt und erleidet Schäden am Dach. Es gibt keine Verletzten.
Zwischen Niederdorf und Bennwil im Kanton Basellandschaft schlagen beim Hofgut „Unterer Känel“, nordöstlich des Dorfes, um 12:55 Uhr zehn Bomben ein, die ein US-Bomber aus etwa 5000 Metern Höhe abwirft. Die Frau des Gutbesitzers wird dabei am Fuss verletzt, als sie sich mit ihrem Mann und ihrer fünfjährigen Tochter im Garten aufhält. Siehe Beitrag weiter unten.
Gegen 13:15 Uhr wird das abgelegene Dorf Vals im Kanton Graubünden von einem einzelnen amerikanischen Bombenflugzeug überflogen und bombardiert. Die Maschine nähert sich aus nördlicher Richtung und entlädt in etwa 1800 Metern Höhe ihre zehn 500-Pfund-Bomben. Acht davon explodieren, zwei bleiben als Blindgänger zurück. Die Bomben schlagen in einer Reihe mit einem Abstand von etwa 15 Metern ein, drei weitere detonieren an einem Hang hinter dem Dorf. Ein Blindgänger landet oberhalb des Dorfes am Steilhang, ein weiterer wird über eine Häusergruppe hinweg in ein Bachbett geschleudert.
Die Explosionen verursachen massive Schäden. Eine Frau, die mit ihren zwei kleinen Kindern über den Dorfplatz spaziert, verliert dabei ihren zweieinhalbjährigen Sohn, der von einem Stein tödlich getroffen wird. Ein weiterer Dorfbewohner erliegt später seinen schweren inneren Verletzungen. Zwei weitere Personen erleiden schwere Verletzungen: Eine Frau verliert ihren linken Fuss durch Abriss, eine andere erleidet eine Schädelfraktur. Zudem werden fünf weitere Dorfbewohner leicht verletzt, darunter mehrere Kinder.
Neben den menschlichen Opfern sind auch die Sachschäden erheblich. Zwei Häuser werden schwer beschädigt, zwei weitere sowie ein Stall erleiden starke Schäden. Etwa 20 weitere Gebäude weisen leichtere Beschädigungen auf. Die elektrische Leitung wird zerstört, und rund 2000 Quadratmeter Flur werden durch die Explosionen verwüstet.
Zerstörte Gebäude in Vals am Tag nach der Bombardierung durch einen US Bomber - Foto Privatarchiv - Kolorierung Patrick Schlenker
Um 13:55 Uhr beschiesst ein Jagdflugzeug aus einer Gruppe von neun Flugzeugen den Personenzug zwischen Neunkirch und Schaffhausen. Das Zugpersonal erkennt den bevorstehenden Angriff und beschleunigt den Zug in Richtung Schaffhausen. Schliesslich hält der Zug an einem Bahnkörperabschnitt, wo die Reisenden aufgefordert werden, den Zug zu verlassen. Der Angriff dauert nur kurz, und dank des schnellen Handelns des Zugpersonals wird Schaden an Menschen und Material vermieden.
Zeitgleich entlädt ein US-Bomber fünf 500-Pfund-Bomben auf ein Feld ausserhalb des Rheintals. Diese verursachen erhebliche Krater in den Feldern, jedoch keine Personenschäden. Weitere Bombeneinschläge werden bei Mastrils und Untervaz festgestellt, wobei Trichter mit bis zu fünf Metern Durchmesser entstehen.
Gegen 14:00 Uhr, während die Mitarbeiter am Bahnhof Otelfingen mit der Zusammenstellung eines Güterzugs mit 51 leeren Weintankwagen der Genfer Firma Blenk & Fert beschäftigt sind, greift ein einzelnes Flugzeug aus einem Verband von neun amerikanischen Flugzeugen den Bahnhof an. Die Maschinengewehrsalven verursachen Einschläge links und rechts des Zugpersonals. Glücklicherweise werden dabei keine Personen verletzt. Es entsteht Sachschaden an 22 Wagen. Insgesamt werden 59 Einschüsse gezählt.
Auch in Jägerwilen (Thurgau) gibt es Abwürfe. Es entsteht Sach- und Kulturschaden.
Grenzverletzung durch Handfeuerwaffenbeschuss in Basel
Gegen 10:30 Uhr werden auf den Baustellen nahe der deutschen Grenze, in der Umgebung des Gaswerks, etwa 10 bis 15 Schüsse aus einer Maschinenpistole abgegeben. Eine Kugel durchschlägt die Kabine der Kabel des Portalkrans und bleibt dort stecken. Weitere Geschosse treffen die obere Plattform, prallen ab und beschädigen eine Kohlebürste des Stromabnehmers.
Gleichzeitig wird das Gelände der „Satram“ (Transbordement et Manutention S.A.), Basel, Grenzstrasse 4, am Hafenbecken II, von fremdem Gewehrfeuer getroffen. Dabei entstehen Schäden an einer Mauer, einer Tür sowie an zwei Fensterscheiben. Personen werden nicht verletzt.
Zum Zeitpunkt des Vorfalls herrscht dichter Nebel, sodass die Sicht stark eingeschränkt ist. Die Kriegstechnische Abteilung des Eidgenössischen Militärdepartements untersucht die sichergestellten Geschossteile und stellt fest, dass eines davon der Mantel einer Gewehrpatrone vermutlich amerikanischer Konstruktion ist. Eine genauere Bestimmung der Herkunft ist aufgrund des gefundenen Splitters nicht möglich. Beim zweiten Projektil handelt es sich um eine 7,5-mm-Gewehrpatrone französischer Herkunft.
Tankanlagen der „Satram“ (Transbordement et Manutention S.A.) Basel, an der Grenzstrasse 4 beim Hafenbecken II - Foto Staatsarchiv Basel - BSL 1060c 3/1/3260 - Rheinhafen: Wellen und Reflexionen auf dem Rhein, dahinter ein Tanklager, "Satram" / Foto Jeck, Basel - Kolorierung Patrick Schlenker
Bombardierung von Niederdorf BL
Bombentrichter beim Hofgut „Unterer Känel“, zwischen Niederdorf und Bennwil umringt von Schulkkindern - Foto und Kolorierung Patrick Schlenker
Um 12:55 Uhr überfliegt ein US-Bomber aus östlicher Richtung kommend das Gebiet der Gemeinde Niederdorf im Kanton Baselland in etwa 5000 Metern Höhe. Über dem Hofgut „Unterer Känel“, zwischen Niederdorf und Bennwil, lässt das Flugzeug eine Bombenlast ab, wobei elf Sprengkörper auf offenes Gelände fallen und explodieren. Die Explosionen verursachen erheblichen Flurschaden auf dem betroffenen Gebiet.
Die Bomben fallen in einem Umkreis von etwa 300 Metern rund um den Bauernhof, was zu massiven Zerstörungen führt. Besonders betroffen ist das Hofgelände, wo Fensterscheiben zerbersten und Ziegel an den Gebäuden zerstört werden. Auch ein etwa 300 Meter entfernt stehender Heuschober wird durch die Explosionen beschädigt.
Während der Explosion befindet sich die Bäuerin Martha Wenger-Häring mit ihrem Ehemann und ihrer fünfjährigen Tochter im Freien. Sie sind gerade dabei, ein Waschseil neben dem Hofgut aufzuspannen. Durch die Druckwelle der Explosion erleidet die Bäuerin eine leichte Quetschung am rechten Fussknöchel. Der zugezogene Arzt aus Waldenburg erklärt die Verletzung als ungefährlich.
Die Explosion löst umgehend einen Einsatz von militärischen und polizeilichen Kräften aus. Ein Zug der Schützenkompanie 1/1, der in Niederdorf stationiert ist, trifft schnell am Ereignisort ein und sperrt das betroffene Gelände ab. Auch die Ortswehr von Niederdorf kommt zum Einsatz und sichert die Gefahrenzone. Etwa um 14:30 Uhr wird die Ortswehr wieder entlassen.
Parallel zu den polizeilichen und militärischen Massnahmen wird der Schaden durch die Kantonspolizei Baselland erfasst. Beamte des Erkennungsdienstes fotografieren das beschädigte Gelände, um Beweise für die Ermittlungen zu sichern. Auch der Besitzer des Hofgutes „Unterer Känel“, Fritz Wenger-Häring, sowie der Zugführer der Schützenkompanie, Oberleutnant Rupp, bestätigen, dass das Flugzeug vor dem Abwurf der Bomben mit Bordwaffen geschossen hat.
Zur weiteren Untersuchung werden die gesammelten Bombensplitter von der Polizei am 23. Februar 1945 an die Kriegstechnische Abteilung (KTA) zur Analyse weitergeleitet. Diese stellt fest, dass es sich bei den explodierten Bomben um 500-Pfund-Bomben amerikanischer Konstruktion handelt. Es werden keine Blindgänger festgestellt.
Ein späterer Bericht weist darauf hin, dass am selben Tag, zur gleichen Zeit, auch ein weiterer Splitterbombenabwurf in der Nähe von Bennwil, auf das Bauernhaus „Gründen“, stattgefunden hat. Dieser Vorfall führt jedoch nur zu geringfügigen Schäden, wie zerschlagenen Ziegeln am Gebäude.
Die ursprüngliche Meldung, dass ein Bomber abgestürzt sei, stellt sich später als unzutreffend heraus. Der Vorfall betrifft ausschliesslich den Bombenabwurf und nicht einen Flugzeugabsturz. Trotz der erheblichen Schäden und der Verletzung der Bäuerin kann die Situation relativ schnell unter Kontrolle gebracht werden. Polizei und Militär ergreifen umfassende Massnahmen, um das Gelände abzusichern und den Vorfall zu dokumentieren.
Allschwil BL
In Allschwil BL gerät ein Holzschuppen hinter dem Restaurant „Paradies“ in Brand. Der Schuppen, der an die Kegelbahn des Restaurants angebaut ist, dient als Lager für verschiedene Gegenstände. Darin befinden sich Gartentische, Bänke, ein Fussballtisch, zehn grosse Gartenschirme sowie ein etwa 50 cm hoher Haufen Heu. Das Feuer zerstört den Schuppen und seinen Inhalt nahezu vollständig. Lediglich Teile des angebrannten Gebälks bleiben erhalten.
Das Polizeikommando Baselland führt eine Untersuchung durch. Diese ergibt keine Hinweise auf vorsätzliche Brandstiftung. Wie im Rapport des Pol. Kdo. zu entnehmen ist, hat auch der Eigentümer des Schuppens keinen ersichtlichen Grund, einen Brand zu legen. Die Ermittlungen lassen zwei mögliche Szenarien für den Ausbruch des Feuers erkennen: Eine fremde Person könnte den Schuppen betreten haben, um nach Kleintieren zu suchen, und dabei ein brennendes Streichholz weggeworfen haben. Alternativ könnte der Brand durch ein Leuchtspurgeschoss ausgelöst worden sein, das unter den Trümmern gefunden wird.
Das gefundene Geschoss wird untersucht und als 20-mm-Panzergranate identifiziert, vermutlich britischer oder amerikanischer Bauart. Die Analyse zeigt, dass der Leuchtsatz des Geschosses bereits abgebrannt ist und keine Entzündungsgefahr mehr besteht. Es wird zweifelsfrei festgestellt, dass es sich nicht um schweizerische Munition handelt.
Anmerkung des Autors: Die im Elsass eingesetzten alliierten Truppen verfügen nicht über 20-mm-Panzerkanonen. Wahrscheinlicher ist, dass die Geschosse von 20-mm-Luftabwehrgeschützen der Wehrmacht stammen.
Die Gebäudeversicherungsanstalt Baselland bewertet den entstandenen Schaden am Schuppen auf 2.800 CHF.
Territorial-Kommando
Aus den Berichten der Schweizer Armee:
08:45 - 09:32 Uhr: Fliegeralarm
11:24 - 12:10 Uhr: Fliegeralarm
12:33 - 18:51 Uhr: Fliegeralarm - Einflug von 7 Geschwadern a 36 Bombern - Bombardierung verschiedener Ortschaften.
23:22 - 00:05 Uhr: Fliegeralarm
24. Februar 1945
Kriegshandlungen in der Dreiländerecke
Die Gesamtdauer aller Fliegeralarme übertrifft den bisherigen Rekord vom Donnerstag, den 23.2.45. Die Alarmzeit steigt von 8 Stunden und 35 Minuten auf 9 Stunden und 21 Minuten bis Mitternacht. Da der letzte Alarm erst 30 Minuten nach Mitternacht endet, beträgt die tatsächliche Gesamtdauer 9 Stunden und 51 Minuten. Trotz dieser langen Alarmzeiten ist die Fliegertätigkeit über Basel geringer als am Vortag. Vom frühen Vormittag bis in den Nachmittag hinein sind verschiedene Formationen fremder Flugzeuge zu beobachten, bestehend aus 8 bis 12 Maschinen, die in Ost-West-Richtung, Richtung Schwarzwald oder in die Innerschweiz fliegen. Bombardierungen lassen sich nicht zweifelsfrei bestätigen, jedoch berichten Beobachter um 13:30 Uhr von Detonationen aus dem hinteren Wiesental. Während der Alarme am 23.2.45 von 20:42 bis 21:32 Uhr, 23:24 bis 00:30 Uhr sowie am 24.2.45 von 02:05 bis 02:45 Uhr bleibt der Luftraum über Basel frei von feindlichen Flugzeugen. Ein grösserer Verband fremder Maschinen, der über den Jura einfliegt, zieht weiter ostwärts in Richtung Innerschweiz.
Die französische Artillerie setzt ihr Störfeuer auf das badische Ufer fort. Besonders betroffen sind Märkt, das Haltinger Moos, Eimeldingen, Kirchen und die Umgebung von Friedlingen. Auch eine grosse Fabrikanlage in Richtung Haltingen gerät unter Beschuss. Der Artilleriebeschuss wird zunehmend intensiver, insbesondere am Abend, als die Franzosen offenbar schwerere Kaliber einsetzen. Zwischen 20:15 und 21:10 Uhr sind in Basel heftige Detonationen zu hören, die aus der Gegend um Friedlingen und die Bahnanlagen von Weil stammen.
Gegen 21:00 Uhr eröffnen die Deutschen vom Bahndamm Weil aus plötzlich ein heftiges Maschinengewehrfeuer in Richtung Hüningen. Zunächst ist die Ursache unklar, doch genauere Beobachtungen zeigen, dass ein Eisenbahnzug aus Haltingen kommend über Weil nach Lörrach fährt. Offenbar versuchen die Deutschen, den Lärm des Zuges durch das MG-Feuer zu übertönen, um ihn der Aufmerksamkeit der französischen Artillerie zu entziehen. Dennoch nehmen die Franzosen den Bereich ins Visier und beschiessen die Bahnanlagen oder deren Umgebung noch für einige Minuten mit schweren Minen.
Nach Mitternacht kommt es erneut zu intensivem Maschinengewehrfeuer. Besonders zwischen 00:30 und 00:50 Uhr feuern die Deutschen vom Bahndamm Weil aus ganze Salven ihrer Maschinengewehre ab. Das Feuer dauert rund zehn Minuten lang ununterbrochen. Die genaue Zielrichtung bleibt unklar. In grösserer Entfernung sind zudem noch vereinzelte Artillerieschüsse auf das badische Hinterland zu hören.
02:06 - 02:45 Uhr: Fliegeralarm
09:14 - 11:25 Uhr: Fliegeralarm
12:35 - 18:17 Uhr: Fliegeralarm
23:02 - 23:29 Uhr: Fliegeralarm
26. Februar 1945
Schlacht um den Rhein
Wie das Hauptquartier von General Eisenhower meldet, läuft die nächste grosse Phase der alliierten Offensive an. Mit dem neuen Angriff der kanadischen 1. Armee, die unter Umgehung der deutschen Sperrstellung bei Calcar mit starken Panzerkräften aus Nordwesten in Richtung Duisburg vorstösst, gewinnt die „Schlacht um den Rhein“ an Dynamik.
Die amerikanischen 9. und 1. Armee unter den Generälen Simpson und Hodges setzen ihren stürmischen Vormarsch von der Roer zum Rhein fort. Am Montag werden siebzehn weitere Ortschaften erobert. Die Spähtrupps befinden sich am Abend nur noch 18 Kilometer vor Köln, 29 Kilometer vor Düsseldorf und 13 Kilometer vor Mönchengladbach. Entlang der Hauptstrasse Aachen – Düsseldorf stossen die Amerikaner bis Erkelenz vor und lassen die Stadt bereits hinter sich. An der Strasse Jülich – Köln erreichen sie Elsdorf, während sie auf der Route Düren – Köln bereits Blatzheimpassieren. Zum ersten Mal spricht ein hoher amerikanischer Stabsoffizier in einem Lagebericht von einem „Durchbruch an den Rhein“.
Die amerikanische 1. Armee rückt um weitere 8 Kilometer vor und nimmt 4.000 deutsche Soldaten gefangen. Die Gesamtzahl der Gefangenen seit Beginn der Offensive vor vier Tagen steigt damit auf über 10.000. Trotz vereinzelter örtlicher Gegenwehr bleibt ein organisierter deutscher Gegenangriff aus. Ein abgefangener Befehl von Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt bestätigt, dass der Grossangriff der Alliierten auf das Ruhrgebiet begonnen hat. Darin wird den deutschen Truppen befohlen, bei der Verteidigung der Heimat keine Opfer zu scheuen.
Eine halbamtliche Schätzung geht davon aus, dass die Deutschen an der gesamten Westfront noch ungefähr siebzig Divisionen zur Verfügung haben – verglichen mit achtzig im Dezember. Die Verringerung des Truppenbestandes ist auf hohe Verluste sowie Truppenverlegungen an die Ostfront zurückzuführen.
27. Februar 1945
Fliegeraktionen im Dreiländereck nehmen wieder zu
Mit einer kurzen Unterbrechung über die Mittagszeit finden von 09:40 Uhr an bis gegen 0 fast durchgehend Fliegeraktionen über der badischen Nachbarschaft statt. Man sieht zahlreiche Formationen von bis zu 12 und 15 Maschinen, die über das Wiesen- oder Kanoertal verschwinden. Auch die Gegend von Istein wird öfter überflogen. Zeitweise verweilen die Flugzeuge kreisend über dem Festungsgebiet und der weiteren Umgebung. Bombardierungen können von der Grenze aus nicht festgestellt werden.
In der Nacht auf den 27., um 01:35 Uhr, kann von der Grenze aus eine seltsame Beobachtung gemacht werden. In der Nähe von Neudorf, und zwar auf der Nordostseite (Richtung Stauwehr), wird auf dem Boden ein gewaltiges Magnesiumfeuer angezündet, das turmhohe Flammen erzeugt, welche die ganze Gegend bis zum Stauwehr taghell beleuchten. Eine Reaktion von deutscher Seite ist nicht festzustellen. Über den Grund dieser „Aufhellung“ besitzt man keine Erklärung. Um 2:40 Uhr ist wieder einmal Kanonendonner aus sehr grosser Entfernung zu hören.
28. Februar 1945
Auflösung der Elsässischen FFI
In Mülhausen wird die Forces Françaises de l’Intérieur d’Alsace (FFIA) auf Befehl von General du Vigier, dem Befehlshaber der 10. Militärregion, offiziell aufgelöst. Die Generalstäbe der Arrondissements, Abschnitte und Regionalgruppen stellen ihre Tätigkeit ein, sind jedoch angewiesen, offene Angelegenheiten zu klären.
Um die militärische Tätigkeit der FFI im Elsass fortzusetzen, wird die Organisation der Volontaires du Rhin gegründet. Diese neue Einheit soll eine vorübergehende, lokal begrenzte militärische Formation sein.
Das Comité de la Libération im Elsass wird weiterhin von Commandant Daniel, dem ehemaligen Chef der FFIA, geleitet. Ihm zur Seite steht Jean Wagner, Vizepräsident des Komitees und stellvertretender Bürgermeister von Mülhausen.
Weitere Gefechte nahe an der Schweizer Grenze
In der elsässischen Nachbarschaft setzt das französische Artilleriefeuer erst über die Mittagszeit ein. Die ersten Einschläge werden bei Märkt beobachtet, wo auch fast gleichzeitig Rauchpilze von Rauchgranaten aufsteigen.
Gleich darauf wird das Feuer auf den Raum zwischen dem Stauwehr und der Ortschaft Märkt vorverlegt. Am frühen Nachmittag liegt das Kandertal unter dem französischen Feuer. Kräftiger werden die Detonationen in den Abendstunden hörbar: Ab 19:12 Uhr schiesst eine französische Batterie aus der Ebene nördlich von St. Louis nach Haltingen hinüber. Auf beiden Seiten werden dann auch Minen- und Granatwerfer eingesetzt, und gegen Mitternacht wird auch das Maschinengewehrfeuer von Zeit zu Zeit wieder recht lebhaft. Im oberelsässischen Hügelgebiet weitet sich ein starker Fahrverkehr aus, wobei die Fahrzeuge ungeniert ihre Scheinwerfer weithin sichtbar ausleuchten.
1. März 1945
Französisches Artilleriefeuer auf den Isteiner Klotz
Durch den Tag bleiben über der Dreiländerecke fast keine alliierten Flugzeuge sichtbar, vermutlich aufgrund der dichten Bewölkung. Dadurch bleibt es in Basel seit dem letzten Fliegeralarm in der Nacht von 01:57 bis 02:30 Uhr ungewöhnlich ruhig – die Sirenen schweigen erstmals 24 Stunden lang.
Stattdessen übernimmt die französische Artillerie die Angriffe auf deutsche Stellungen. Am späten Vormittag beginnt das Feuer auf verschiedene Ziele: die Schusterinsel, den Weiler Hafen und das Haltinger Moos, später auch auf Fischingen und das Kandertal.
Am Nachmittag, gegen 15:40 Uhr, erscheinen zwei alliierte Aufklärungsflugzeuge über dem Gebiet zwischen Istein und dem Kandertal. Sie kreisen mehrere Minuten über Schallbach, bevor sie hinter dem Kandertal verschwinden. Kurz darauf schlagen die ersten Rauchgranaten in Schallbach ein, gefolgt von weiteren Einschlägen. Gleichzeitig trifft deutsches Artilleriefeuer aus dem Raum Blotzheim erneut den stark beschädigten Silobau im Weiler Hafen, der vermutlich als deutscher Beobachtungsposten dient.
Gegen 17:00 Uhr ändert sich das Ziel der französischen Artillerie. Das Feuer konzentriert sich nun auf das Gebiet zwischen Schallbach und Fischingen. Immer wieder mischen sich Rauchgranaten unter die Sprenggeschosse. Von 18:30 Uhr bis weit nach Mitternacht nimmt das Feuer weiter an Intensität zu, wobei besonders der Schafberg und der Hügelrücken östlich des Isteiner Klotzes unter Beschuss geraten.
Bei Kembs steigen rote Leuchtraketen auf, während um 22:40 Uhr eine weisse Leuchtrakete bei Bartenheim als weithin sichtbares Signal erscheint. Unmittelbar darauf beginnt aus der Gegend von Helfrantzkirch heftiger Beschuss, der sich mehrfach wiederholt. Immer wieder sind die Explosionen der Granaten auf dem Schafberg zu sehen.
In den oberelsässischen Hügeln nimmt der Fahrverkehr spürbar zu, was auf verstärkte Truppenbewegungen hindeutet.
4. März 1945
Bombenabwürfe in Basel und Zürich kurz nach 10:00 Uhr.
Aus dem Journal des Territorialkommandos Basel vom 4. März 1945
10:12 Uhr: Luftschutz Güterbahnhof meldet Angriff.
10:14 Uhr: Luftschutz Beobachtungsposten 1 meldet Flugzeuge von Ost nach West. Bombardement in der Nähe des Zeughauses.
10:15 Uhr: Westlich wird der Absturz eines Bombers beobachtet, offenbar Stadtgebiet.
10:20 Uhr: Bombeinschlag Engelgasse bei der Handelsschule.
Beginnen die Meldungen aufzunehmen. Absturz eines Bombers in der Nähe Wolfbahnhof. Mehrere Häuser brennen im Gundeldingerquartier.
10:25 Uhr: Bombenabwurf Hochstrasse, Bahnhof, Delsbergerallee 7.
10:28 Uhr: Brand Hochstrasse – Münchensteinerstrasse, verschiedene Wagen im Bahnhof in Brand.
10:30 Uhr: Auskunft an Armeekorps 2 und 1. Division erteilt.
10:38 Uhr: Bombentrichter Engelgasse – Hirzbodenstrasse, Fassade eingestürzt.
10:40 Uhr: Weisung an die Telefonauskunft. Brände im Gundeldingerquartier.
10:50 Uhr: Ich ersuche verstärkte Inf. Regt. Basel-Stadt, die Sanitätskompanie bereitzuhalten.
10:55 Uhr: Obmann Burkhardt meldet das Einrücken der Pfadfinder.
10:57 Uhr: Feuerwehr meldet, alles aufgeboten.
11:00 Uhr: Oberleutnant Oberlin meldet, dass Luftschutz und Feuerwehr an der Schadenstelle sind.
11:35 Uhr: SBB Bahnhof Wolf ersucht im Auftrag der Bahninspektion, alle verfügbaren Lastwagen und Personenwagen aufzubieten.
11:45 Uhr: Oberleutnant Oberlin meldet, dass ca. 10 Häuser mit Dachstockbränden aufweisen.
Weiter zum ausführlichen Beitrag (Bild anklicken)
Gaffer auf der Münchensteinerbrücke, kurz nach dem Angriff - Während den Löscharbeiten kamen hunderte via Münchensteinerbrücke ins Gundeldingerquertier, um sich die Schäden anzusehen. - Bildquelle Schweizerisches Feuerwehrmuseum Basel - Kolorierung Patrick Schlenker
7. März 1945
Ruhiger Mittwoch in der Dreiländerecke – Nächtliche Überflüge
Der Tag verläuft in der Dreiländerecke deutlich ruhiger als die vorangegangenen Tage. In den frühen Morgenstunden ist aus dem Gebiet zwischen Neudorf und dem Rhein starkes Maschinengewehrfeuer zu hören. Im Laufe des Vormittags folgt vereinzeltes Artilleriefeuer auf Schliengen und das Kandertal, das jedoch schnell abebbt. Danach bleibt es ruhig.
Am Nachmittag schlagen noch einige Minen auf dem Sportplatz von Hüningen ein, abgefeuert von deutschen Stellungen am gegenüberliegenden Rheinufer. Am Abend sind aus der Gegend des Isteiner Klotzes gelegentlich Leuchtkugeln zu sehen.
Nach dem Fliegeralarm um 23:26 Uhr überfliegen mehrere Staffeln fremder Flugzeuge hauptsächlich den Norden Basels in Richtung Ost-West. Besonders kräftig ist das Motorengeräusch um 23:30, 23:43 und 23:51 Uhr wahrzunehmen. Schliesslich wird um 00:23 Uhr der Alarmzustand aufgehoben.
8. März 1945
Intensives Artilleriefeuer und Leuchtsignale über der Dreiländerecke
Heute hallt aus dem Abschnitt Schliengen bis Müllheim in unregelmässigen Abständen das Dröhnen mittelschwerer Artillerie. Die französische Batterien feuern wiederholt aus der Gegend von Mülhausen in den badischen Abschnitt. Während die Abschüsse in der Ferne nur schwach zu hören sind, sind die Einschläge umso deutlicher wahrnehmbar. Es ist anzunehmen, dass das Artilleriefeuer auch an diesem Tag hauptsächlich aus französischer Richtung kommt. Darüber hinaus werden aus dem Bereich Bartenheim und Niffer Granaten in das Kandertal abgefeuert. Am Nachmittag und Abend setzt zudem ein deutscher Minenwerfer mehrere Minen auf Hüningen an.
Zwischen 20:00 Uhr und Mitternacht sind über der Region auffällige Leuchtsignale zu beobachten. Vom Schafberg(östlich des Isteiner Klotzes) steigen in kurzen Abständen weisse, rote und orangefarbene Leuchtraketen auf. Kurz vor 21:00 Uhr leuchtet der Himmel über dem Schafberg in anhaltenden Intervallen auf, ein Phänomen, das sich wenig später auch über dem Stauwehr bei Märkt wiederholt. Während dieser Lichtsignale sind aus Richtung Müllheim schwere Artillerieschläge zu hören, die etwa 10 Minuten lang anhalten.
Gegen 22:45 Uhr steigen über Weil-Stadt am Fusse des Tüllinger Hügels weitere weisse Leuchtraketen auf. Nur wenige Minuten später erscheint ein weiteres Lichtsignal nahe des Tüllinger Kirchleins. In beinahe perfektem Timing eröffnen daraufhin deutsche und französische Maschinengewehre entlang des Rheins zwischen Hüningen und Friedlingen das Feuer. Das gegenseitige Rattern der Gewehre hält fast 20 Minuten lang ununterbrochen an, bevor die Schüsse nach und nach verstummen und sich die Lage in der Nacht wieder beruhigt.
9. März 1945
Kampfhandlungen in der Dreiländerecke – Artilleriebeschuss und nächtliche Überflüge
Auch heute setzt sich das französische Artilleriefeuer in unregelmässigen Abständen fort. Über den gesamten Nachmittag hinweg werden erneut Ziele auf badischer Seite beschossen. Besonders betroffen ist das Rheinufer unterhalb Friedlingen, wo eine Transformatorenstation sowie das Verwaltungsgebäude des Weiler Hafens unter Granatbeschuss geraten. Auch auf die Ortschaft Haltingen wird eine Anzahl von Schüssen abgegeben.
Zerstörtes Haltingen nach dem Beschuss französsicher Artillerie - Postkarte Privatarchiv / Kolorierung Patrick Schlenker
Mit der Wetteraufhellung nimmt zudem die Fliegertätigkeit wieder leicht zu. Am späten Abend überfliegt ein alliiertes Flugzeug mehrmals den Schafberg, östlich des Isteiner Klotzes. Von dort aus sind zunächst rote und orangefarbene Leuchtraketen zu beobachten. Als sich das Flugzeug dem Hügelkamm weiter nähert, ändert sich das Bild: Statt Leuchtraketen erscheinen nun Leuchtkugeln an kleinen Fallschirmen, die minutenlang über dem Festungsgebietschweben und die gesamte Umgebung taghell erleuchten. Dies ermöglicht den Piloten, die Vorgänge am Boden genau zu erkennen. Ein Beschuss des Flugzeugs bleibt aus.
In der Umgebung des Stauwehrs, wo die deutsche Seite vor kurzem erneut einen Handstreich über den Rhein versucht hat, ist am späten Abend erhöhte Unruhe festzustellen. Zu verschiedenen Zeiten hallen langgezogene Salven aus Maschinengewehren über das Gebiet.
Während der drei nächtlichen Fliegeralarme dröhnt jedes Mal das Motorengeräusch fremder Flugzeuge über der Region. Die genaue Flugroute der Maschinen bleibt unklar, doch ihre Präsenz verstärkt die angespannte Lage entlang der Grenze.
10. März 1945
Brandröte über Müllheim und nächtliche Feuersbrunst hinter dem Isteiner Klotz
Aus der Gegend von Müllheim, wo im Verlauf des Tages mehrere Bombardements zu hören sind, steigt am späten Sonntagabend bis gegen Mitternacht weiterhin eine starke Brandröte auf. Vermutlich ist dies eine Folge der vorherigen Fliegerangriffe.
Verurteilung von Spionen
Am 2. März 1945 fällt das Territorialgericht 3 B nach mehrtägiger Verhandlung in einem Prozess wegen Verrats militärischer Geheimnisse harte Urteile gegen die Haupttäter.
Die Angeklagten haben im Sommer 1942 umfassende Spionage über wichtige militärische Anlagen in einem bedeutenden Abschnitt der Landesverteidigung betrieben. Ihre Strafen lauten wie folgt:
- L. W., geboren 1911, Hilfsarbeiter aus Flums: lebenslängliches Zuchthaus
- F. W., geboren 1910, Buchbinder aus Vaduz (Liechtenstein): 15 Jahre Zuchthaus und 15 Jahre Landesverweisung
- K. N., geboren 1919, Hilfsarbeiter aus Flums: sechs Jahre Zuchthaus und Ausschluss aus dem Heer
- E. N., geboren 1902, Vertreter aus Flums: fünf Jahre Zuchthaus und Ausschluss aus dem Heer
Zwei Angeklagte werden in Abwesenheit (contumaciam) zum Tode verurteilt:
- E. S., geboren 1918, Chauffeur aus Sargans: Todesstrafe durch Erschiessen
- T. W., geboren 1908, Reisender aus Balzers (Liechtenstein): Todesstrafe durch Erschiessen
Die Urteile spiegeln die Schwere des Verrats wider und unterstreichen die rigorose Strafverfolgung gegen Spionageaktivitäten während des Krieges.
11. März 1945
Feuersbrunst hinter dem Isteiner Klotz
Am Nachmittag feuert die französische Artillerie noch einige Male in das Kandertal, bevor die Lage schliesslich ruhig bleibt. In den Abendstunden ist im Elsass jedoch ein auffallend starker Fahrverkehr zu beobachten.
Bis Mitternacht bleibt es in der Dreiländerecke weitgehend ruhig, abgesehen von gelegentlichen Leuchtsignalen, die in den Himmel steigen. Gegen 00:15 Uhr erscheinen erneut Leuchtkugeln hinter dem Isteiner Klotz in Richtung Rheinweiler-Schliengen. Plötzlich eröffnet die französische Artillerie das Feuer und greift in das nächtliche Farbenspiel ein – mit sichtbarer Wirkung.
Zunächst sind die Einschläge als kurze Lichtblitze zu erkennen, doch kurz darauf bricht in Richtung Bellingen, nahe der Eisenbahnstation vor Schliengen, eine grosse Feuersbrunst aus. Die Flammen erzeugen eine weithin sichtbare rote Glut am Horizont.
Der genaue Brandort lässt sich von der Grenze aus nicht zweifelsfrei bestimmen, da er durch die Hügelrücken des Isteiner Klotzes, des Schafbergs und des Katzenbergs verdeckt wird.
Tagesbefehl des Generals zur Würdigung der Eisenbahner
Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten!
Tag und Nacht, bei jedem Wetter, steht Euch eine Organisation zur Seite, die Euch in Euren militärischen Aufgaben unterstützt – unsere Eisenbahner. Ihre Arbeit erfolgt oft im Hintergrund, wird nicht immer in vollem Umfang gewürdigt und vielfach als selbstverständlich angesehen. Doch gerade jetzt, da bevorstehende Truppenablösungen umfangreiche Eisenbahntransporte erfordern, soll ihre wertvolle Leistung bewusst anerkannt werden.
Die Truppe muss sich der grossen Bedeutung der Eisenbahnen im Dienste der Armee bewusst sein. Nachrichten aus den vom Krieg heimgesuchten Ländern führen uns täglich die Zerstörungen an Verkehrswegen und -mitteln vor Augen und verdeutlichen ihren militärischen Wert. Auch für unsere Armee sind die Eisenbahnen unverzichtbar.
Daher gilt mein besonderer Dank der unermüdlichen und getreuen Arbeit der Eisenbahner. Sie haben wesentlich zur Erfüllung der militärischen Aufgaben beigetragen. Seit September 1939 wurden bis zum Ende des Jahres 1944 über 100 Millionen Reisen durchgeführt – sei es für den Ausmarsch der Armee, die Verschiebung ganzer Einheiten oder die Urlaubsreisen der Soldaten. Zusätzlich wurden 900.000 Pferde und Maultiere sowie rund sechs Millionen Tonnen militärische Güter transportiert.
Eine herausragende Leistung war die rechtzeitige Bereitstellung und Abfertigung von 2200 Militärextrazügen innerhalb einer Woche – in einem kritischen Moment des Jahres 1944, als unerwartete Entwicklungen schnelle Truppenbewegungen erforderlich machten.
Für diese stetige, treue und ausdauernde Mitarbeit im Dienste der Landesverteidigung spreche ich allen Soldaten der Schiene und ihren Vorgesetzten meine höchste Anerkennung aus.
Der Oberbefehlshaber der Armee
11. März 1945
12. März 1945
Ein ereignisreicher Nachmittag in der Dreiländerecke
Am Nchmittag erlebt die Dreiländerecke eine deutliche Intensivierung der Kampfhandlungen. Das seit Wochen andauernde, mehr oder weniger gleichbleibende französische Artilleriefeuer auf die badische Nachbarschaft wird durch eine Reihe aussergewöhnlicher Ereignisse unterbrochen. Ob es sich dabei nur um ein Ablenkungsmanöver oder um die Vorbereitung grösserer Kampfhandlungen handelt, bleibt zunächst unklar. Abgesehen von diesen neuen Entwicklungen gibt es jedoch keine weiteren Hinweise darauf, dass die Dreiländerecke unmittelbar zum Schauplatz einer grösseren Schlacht werden könnte.
Bereits am Vormittag nehmen französische Batterien Märkt und die sogenannte Vogelinsel unter Beschuss – ein Gebiet zwischen dem Rhein und dem Oberwasserkanal, der zur Schleuse von Kembs führt. In beiden Bereichen brechen Feuersbrünste aus, die bis zur Abenddämmerung andauern. Auf der Vogelinsel steht eine grosse Baracke lichterloh in Flammen, die durch wiederholte Explosionen weiter angefacht wird.
Plötzlich wird das westliche Ufergebiet des Rhein-Rhône-Kanals auf einer Länge von ungefähr einem Kilometer von den Franzosen mit einer dichten Nebelwand eingehüllt. Unter diesem Sichtschutz eröffnen mittelschwere französische Batterien das Feuer auf die deutschen Bunker der Siegfriedlinie, die zwischen dem Weiler Hafen und dem Stauwehr des Kraftwerks Kembs am Rheinufer liegen. Zur Unterstützung kreisen fünf französische Aufklärungsflugzeuge vom Typ Mouchard, die vermutlich zur Feuerleitung eingesetzt werden. Der Beschuss ist deutlich massiver als die gelegentlichen Angriffe, die bisher auf die Bunker gerichtet wurden.
Neben den Stellungen an der Siegfriedlinie geraten auch Eimeldingen, Haltingen und das Wiesental unter französisches Artilleriefeuer. Deutsche Batterien antworten daraufhin mit Granatenbeschuss auf Neudorf und Bartenheim. Zusätzlich eröffnen deutsche Bunker langanhaltendes Maschinengewehrfeuer auf Hüningen.
Zerstörtes Gebäude in Haltingen - Postkarte Privatarchiv / Kolorierung Patrick Schlenker
Ein besonders bemerkenswertes Ereignis spielt sich am späten Nachmittag ab: Plötzlich zischt aus nordwestlicher Richtung, vermutlich aus der Gegend von Neudorf, eine raketenartige Erscheinung heran. Die Waffe zieht eine dichte Nebelbahn hinter sich her und fliegt mit zunehmender Geschwindigkeit ins badische Gebiet. Über dem Rhein lösen sich zwei Ausstoss-Impulse, die ihre Flugbahn weiter beschleunigen. Der Einschlag kann schliesslich in Eimeldingenbeobachtet werden, wo ebenfalls grosse Rauchwolken aufsteigen. Es handelt sich möglicherweise um ein neuartiges Raketengeschoss, das hier erstmals zum Einsatz kommt.
Nach diesen Kampfhandlungen bleibt die Lage am Abend überraschend ruhig. Keine weiteren Offensiven folgen, und es kehrt eine gewisse Stille in der Dreiländerecke ein. Allerdings ist starker Fahrverkehr aus dem elsässischen Hügelgelände in Richtung der Ortschaften der Ebene zu beobachten, was auf neue Truppenbewegungen hindeutet.
13. März 1945
Gekürzte Lebensmittelrationen im April
Die Versorgungslage bleibt angespannt, und das eidgenössische Kriegsernährungsamt gibt neue Anpassungen für die Lebensmittelrationen im April bekannt. Besonders betroffen sind Brot, Fettstoffe und Süsswaren.
Ab April entfällt die Kartoffelbeimischung zum Brot vollständig. Dadurch reduziert sich die Brotration auf 200 Gramm pro Tag. Auch die Fettzuteilung wird weiter eingeschränkt: Die Gesamtmenge der zuteilbaren Fettstoffe beträgt im April nur noch 500 Gramm. Fett-Del-Coupons auf den A- und B-Karten sowie der Kinderkarte fallen komplett weg.
Die Grundration für Fleisch bleibt mit 850 Punkten unverändert. Allerdings gibt es keine Konfitüren-Coupons, und die auf Ostern erhöhte Tafelschokoladenration wird wieder auf 50 Punkte gesenkt.
Eine kleine Erleichterung gibt es bei der Eierzuteilung, die saisonbedingt auf vier Stück erhöht wird. Zudem enthält die April-Karte erneut eine Zuteilung für Hülsenfrüchte, während die Coupons für Hafer/Hirse durch Gerste/Hirse ersetzt werden.
Lebensmittelkauf auf dem Markplatz - Die Lebensmittelknappheit sollte sich erst im Herbst 1945 verbessern - Fotos Privatarchiv / Kolorierung Patrick Schlenker
Umtauschmöglichkeiten für Gemeinden mit Gasversorgung
Auf den April-Lebensmittelkarten gibt es erneut Möglichkeiten zum Umtausch in Mahlzeitencoupons.
- Auf der ganzen A-Karte:
- Ein Couponblock mit Hülsenfrüchten, Gerste/Hirse, Mehl/Mais sowie dem Signet „Schweizer Spende“
- Ein weiterer Block mit Fleisch, Butter, Käse, Zucker sowie mehreren blinden Coupons
- Auf der halben B-Karte:
- Ein Block mit Teigwaren, Gerste/Hirse, Hülsenfrüchten, Mehl/Mais und ebenfalls dem Signet „Schweizer Spende“
Die weiteren bestehenden Umtauschmöglichkeiten in Mahlzeitencoupons ab 50 Stück aufwärts bleiben unverändert bestehen.
Die Versorgungslage bleibt damit weiterhin kritisch, und die Bevölkerung muss sich auf noch strengere Einschränkungen einstellen.
Belgische Kinder zur Erholung in Basel eingetroffen
Nach einem zweijährigen Unterbruch erreicht am Montagnachmittag um 14:00 Uhr erstmals wieder ein belgischer Extrazug den Basler Bundesbahnhof. Der Zug verlässt am Sonntagvormittag um 11:00 Uhr die belgische Hauptstadt Brüssel und benötigt 27 Stunden für die Strecke über Charleroi, Mézières, Nancy und Belfort. Nach der Grenzüberquerung in Boncourt trifft er schliesslich mit drei Stunden Verspätung in Basel ein.
Aus den Waggons steigen 467 belgische Kinder, Jungen und Mädchen im Alter von vier bis vierzehn Jahren, die in der Schweiz einen mehrmonatigen Erholungsaufenthalt verbringen sollen. Die meisten Kinder sind sichtbar unterernährtund ärmlich gekleidet. Sie werden von belgischen Rotkreuz-Helferinnen begleitet und von einem Empfangskomiteeerwartet, bestehend aus Vertretern der Kinderhilfe des Roten Kreuzes, des Territorialkommandos sowie einer Gruppe freiwilliger Helferinnen.
Unter den Gästen befinden sich auch M. van Zeeland, belgischer Vertreter bei der Internationalen Zahlungsbank, sowie der belgische Konsul in Basel, Emil Pobé. Nach der Registrierung erhalten die Kinder zunächst ein nahrhaftes Mittagessen, bevor am Nachmittag die grenzsanitarische Untersuchung durchgeführt wird.
Nach der medizinischen Kontrolle erfolgt die Weiterverteilung der Kinder:
- 43 Kinder reisen in den Kanton Appenzell
- 82 Kinder ins Baselbiet
- 95 Kinder in den Kanton St. Gallen
- 152 Kinder in den Kanton Luzern
- 95 Kinder verbleiben in Basel und werden von Pflegefamilien aufgenommen
In den kommenden Tagen wird der Extrazug seine Rückfahrt nach Brüssel antreten. Auf dem Rückweg wird er auch eine Gruppe von Auslandschweizerkindern mitnehmen, deren Eltern in Belgien ansässig sind. Diese Kinder kehren damit in ihre zweite Heimat, die Schweiz, zurück.
15. März 1945
Ausgedehnte Vernebelungsaktion und Artilleriefeuer in der Dreiländerecke
In den frühen Morgenstunden, zwischen 04:00 und 05:00 Uhr, ist erneut Artilleriefeuer aus der Richtung Müllheim zu hören. Besonders um 04:35 Uhr ist der Geschützdonner intensiv wahrnehmbar.
Der Tag scheint in der Dreiländerecke zunächst ruhig zu verlaufen. Französisches Artilleriefeuer aus dem Raum Blotzheim geht auf die Gegend zwischen dem Rhein und Haltingen nieder, das um 12:20 Uhr beginnt, dauert nur kurze Zeit. Am Nachmittag werden Rauchgranaten auf den Schafberg sowie in den Raum von Eimeldingen und Wintersweiler geschossen. Nach dem Fliegeralarm um 14:21 Uhr fliegen mehrere Flugzeuge via Rheinfelden nach Basel. Bombenabwürfe sind jedoch nicht wahrzunehmen.
Gegen 17:00 Uhr ändert sich die Lage schlagartig. Französische Truppen beginnen mit einer gross angelegten Vernebelungsaktion. Soldaten, die sich zwischen Neudorf und dem Kraftwerk Kembs verteilen, setzen Nebelgeräte ein, die dichte Rauchschwaden ausstossen und sich rasch über die gesamte Ebene ausbreiten. Nach einer halben Stunde ist das gesamte Gebiet in eine undurchdringliche Nebelwand gehüllt, aus der nur noch die Wipfel der höchsten Bäume herausragen.
Um 17:10 Uhr eröffnen französische Batterien das Feuer auf deutsche Bunkerstellungen entlang des Rheins, insbesondere oberhalb des Stauwehrs bei Kembs. Weitere Maschinen fliegen um 17:12 Uhr über das Gebiet zwischen Neudorf und dem Rhein.
Die Beschiessung der deutschen Bunker ist diesmal massiver als zuvor. Das Feuer scheint gut koordiniert zu sein, da die französische Artillerie fast ausschliesslich Volltreffer erzielt. Vom deutschen Ufer bleibt eine Gegenreaktion zunächst aus. Erst später feuert deutsche Artillerie aus dem Kandertal, doch die genauen Einschlagstellen sind durch die dichte Nebelwand kaum zu erkennen.
Gegen 18:30 Uhr eröffnen auch deutsche Batterien aus der Gegend von Haltingen das Feuer. Hinter dem Hakenberg, östlich des Schafbergs, sind mehrere Einschläge sichtbar. Dennoch bleibt die französische Nebelwand stabil, sodass Erdbeobachtung kaum möglich ist.
Mit Einbruch der Dunkelheit dehnt sich der künstliche Nebel weiter aus und erreicht nun auch St. Louis und Hüningensowie Teile des rechtsrheinischen Gebiets. In Kembs feuern französische Maschinengewehre mit Leuchtspurmunitionauf die Hänge von Istein. Die grellen Lichtspuren heben sich deutlich vom blau-violetten Himmel ab und sind bis zum Einbruch der völligen Dunkelheit sichtbar.
Später in der Nacht nimmt der französische Nachschubverkehr im Elsass wieder zu. Mehrere Fahrzeuge mit leuchtenden Scheinwerfern bewegen sich vom oberelsässischen Hügelgelände aus in Richtung der Ortschaften in der Ebene. Ob es sich bei der gesamten Aktion lediglich um eine Übung, ein Scheinmanöver oder eine Vorbereitung für eine grössere Offensive handelt, bleibt unklar.
Um 23:10 Uhr wird in Basel erneut Fliegeralarm ausgelöst, nachdem das Motorengeräusch eines oder mehrerer fremder Flugzeuge aus nordwestlicher Richtung hörbar wird. Der Alarm dauert bis 23:54 Uhr, bevor Entwarnung gegeben werden kann. Die Flugzeuge entfernen sich in östlicher Richtung.
16. März 1945
Heftige Gefechtstätigkeit in der Dreiländerecke
Seitdem im benachbarten Elsass verstärkt Vernebelungsaktionen durchgeführt werden, nehmen auch die militärischen Aktivitäten in der Dreiländerecke wieder zu. Diese Vernebelungsübungen werden nicht nur tagsüber, sondern sogar in der Nacht bis zum Rheinhafengebiet von Kleinhüningen beobachtet. Der Freitag verläuft geprägt von anhaltenden Kampfhandlungen, die sich vom frühen Vormittag bis gegen Mitternacht hinziehen.
Ab 09:30 Uhr intensiviert die französische Artillerie ihre Beschiessung der deutschen Bunker entlang des Rheins. Das Feuer erfolgt aus vergleichsweise kurzer Distanz und zielt auf die deutschen Stellungen in der Nähe von Weil am Rhein und Märkt. Gleichzeitig wird auch die deutsche Artillerie aktiver. Aus dem Kandertal sowie aus der Gegend von Haltingen wird mit Granaten auf französische Stellungen am Rhein gefeuert. Besonders betroffen sind dabei die Kanalbrücke bei Neudorf, die Kaserne der Garde Mobile in St. Louis (ehemalige SS-Kaserne) sowie das Städtchen Hüningen.
Um die Mittagszeit brechen mehrere Brände beidseits des Rheins aus. Besonders betroffen sind Gebiete in Märktsowie linksrheinisch in Langenhäusern (nördlich von St. Louis) und ein Wäldchen zwischen Rosenau und Neudorf.
Parallel zur Artillerietätigkeit nimmt auch die Fliegertätigkeit über der Region zu. In Basel werden insgesamt vier Fliegeralarme ausgelöst:
- 12:52 – 13:44 Uhr
- 15:41 – 16:25 Uhr
- 17:48 – 18:27 Uhr
- 22:41 – 23:09 Uhr
Diese Alarme zeigen, dass verstärkt alliierte Flugzeuge die Gegend überfliegen. Um 16:35 Uhr stürzen einzelne Flugzeuge auf Efringen und Istein herab und werfen Bomben ab. Um 17:30 Uhr folgen acht weitere Flugzeuge, um 17:50 Uhr dann vierzehn Maschinen, die den Rhein überqueren und ins badische Hinterland fliegen. Im mittleren Wiesental sollen dabei Bombenabwürfe stattgefunden haben. Ab 22:30 Uhr zieht ein grösserer Flugzeugverband nördlich der Landesgrenze in Richtung Ost-West, begleitet von etwa 20 Minuten langem Motorengeräusch.
Um 18:25 Uhr wird in der Gegend von Neudorf ein ungewöhnliches Feuerzeichen beobachtet. Eine langgezogene Feuerlinie erstreckt sich über 300 Meter, bevor sie allmählich verlischt und schliesslich um 21:45 Uhr vollständig erlischt. Während dieser Zeit bleibt es auffallend ruhig – kein einziger Schuss fällt.
Doch dann eskaliert die Lage: Fremde Flugzeuge überfliegen das Gebiet, und plötzlich steigt eine rote Leuchtraketevom elsässischen Ufer aus auf. Kurz darauf folgen weitere Leuchtsignale. Anschliessend beginnt auf französischer Seite senkrechtes Maschinengewehrfeuer mit Leuchtspurmunition – ein offenbar vorgeplantes Alarmsignal. Sofort geraten beidseitige Maschinengewehre in Aktion, die Schiessereien eskalieren rasch.
Die ersten Salven werden in der Umgebung der alten Eisenbahnbrücke Hüningen-Weil gehört, von der allerdings nur noch die Sandsteinpfeiler erhalten sind. Der Gefechtslärm zieht sich vom Stauwehr bis nach Neudorf. Neben Maschinengewehren kommen auch Maschinenpistolen zum Einsatz. Die Franzosen feuern zahlreiche Minen ins deutsche Ufergebiet, während auch die Deutschen ihre Minenwerfer einsetzen. Erst gegen 23:30 Uhr nimmt die Intensität der Kampfhandlungen allmählich ab.
Da in dieser Nacht besonders viel Leuchtspurmunition zum Einsatz kommt, ist das Gefecht weit über Basel hinaus sichtbar. Es bleibt unklar, ob die Deutschen auf eine Aufklärungspatrouille der Franzosen reagierten oder ob sie eine eigene Aufklärungseinheit über den Rhein schicken wollten. Besonders auffällig ist die Reaktion auf das Feuerzeichen bei Neudorf, dessen Bedeutung offenbar unklar bleibt.
Nach Mitternacht kehrt plötzliche Ruhe ein. Keine weiteren Kampfhandlungen werden registriert.
Neue Überfliegungen über der Schweiz
Neben den intensiven Gefechten in der Dreiländerecke kommt es auch zu Luftraumverletzungen. Bern meldet offiziell, dass in der Nacht vom 15. auf den 16. März sowie während des 16. März zwischen 10:30 Uhr und 16:16 Uhr mehrere fremde Flugzeuge über das nördliche Grenzgebiet, den Kanton Tessin, das Puschlav sowie Graubünden fliegen. Es handelt sich um Flugzeuge englischer und amerikanischer Herkunft, während einige Maschinen nicht eindeutig identifiziert werden können. In den betroffenen Gebieten werden Fliegeralarme ausgelöst, um die Zivilbevölkerung zu warnen.
17. März 1945
Intensive Kampfhandlungen am Rhein
Bereits am frühen Morgen um 07:30 Uhr beginnen intensive Kampfhandlungen. In der Kanalgegend bei Neudorfsetzen französische Truppen wieder Vernebelungsaktionen ein. In den Nebelschwaden verborgen, nehmen französische Batterien Märkt unter Beschuss. Beobachtungsflugzeuge kreisen über dem Gebiet und lenken das Feuer gezielt.
Im frühen Nachmittag konzentriert sich vereinzelt schweres Feuer auf den Isteiner Klotz, hinter dessen Hügelrücken starke Rauchwolken aufsteigen. Ab 16:00 Uhr feuern die Franzosen vermehrt Rauchgranaten ab. Diese Granaten dienen nicht nur der Feuerkorrektur, sondern möglicherweise auch Erkundungszwecken oder gar der Brandstiftung.
Zwischen 16:00 und 18:00 Uhr richtet sich das Feuer auf die deutschen Bunker oberhalb des Stauwehrs von Märkt. Um 18:00 Uhr beginnt dann ein massiver Artillerieangriff aus dem Raum Blotzheim, der sich auf das gesamte Gebiet von Märkt bis zum Weiler Hafen erstreckt. Die Detonationen sind so gewaltig, dass in Basel Passanten stehen bleiben und nach Flugzeugen Ausschau halten.
Diesmal richtet sich das Feuer nicht nur auf die Bunker am Rhein, sondern auch auf das dahinterliegende badische Hinterland, das regelrecht umgepflügt wird. Es kommen Geschütze verschiedener Kaliber zum Einsatz, darunter sehr schwere Artillerie, deren Granaten Erdfontänen bis weit über Baumhöhe hinauswerfen.
Das Feuer wechselt zwischen kurzen Pausen und Phasen von Trommelfeuerstärke. Mindestens vier Artilleriestellungen schiessen gleichzeitig auf das deutsche Ufergebiet. Mehrere Granaten detonieren direkt im Rhein. Das Bombardement hält bis Mitternacht an, mit wiederkehrenden Einzelfeuerschlägen auf den Isteiner Klotz, den Schafberg und die Umgebung von Märkt.
18. März 1945
Französische Commando-Aktion im Dreiland
Zunächst hält das Einzelfeuer weiter an. Leuchtraketen steigen auf, gefolgt von gelegentlichen Maschinengewehrsalven. Doch um 02:45 Uhr bricht ein gewaltiges Artilleriefeuer los, das jedes Gebäude erbeben lässt. Da Windstille herrscht und die atmosphärischen Bedingungen aussergewöhnlich klar sind, verbreitet sich der Schall besonders weit. Die Detonationen sind kräftiger als jemals zuvor wahrnehmbar. In Basel zittert der Boden, zahlreiche Fensterscheiben klirren. Besonders beeindruckend ist das intensive Aufblitzen der Einschläge, das den Himmel weit sichtbar erhellt.
Das Feuer konzentriert sich auf das gesamte Isteiner Gebiet, insbesondere auf den Rücken des Klotzes, den angrenzenden Schafberg und den weiter östlich gelegenen Katzenberg. Einzelne Granaten schlagen bis ins Weiler Hafengebiet ein, also weniger als 1.200 Meter von der Schweizer Grenze entfernt. Zeitgleich nimmt die Beschiessung der Gegend nördlich von Istein zu. Starke Artillerieschläge sind in Richtung Müllheim zu hören. Danach werden das Hinterland des Rheins und der Eingang des Kandertals unter Beschuss genommen. Dichter Rauch und Pulverdampf legen sich über die Region, wodurch eine genaue Beobachtung der Einschläge unmöglich wird. Die Rauchschwaden ziehen bis ins Rheinhafengebiet und hinterlassen einen deutlich wahrnehmbaren Pulvergeruch.
In Richtung Blotzheim steigen um 03:00 Uhr zahlreiche rote Leuchtraketen auf. Orangenfarbene Signale, die den Rhein erhellen, werden auch vom Schafberg abgeschossen.
Um 03:30 Uhr verlegt die französische Artillerie ihr Feuer weiter nach rückwärts. Gleichzeitig setzen französische Sturmboote vom elsässischen Rheinufer mit mehrere hundert französische Commando-Soldaten des African Commando Group unter dem Commando von Colonel Georges-Régis Bouvet ab und durchqueren in rascher Fahrt den Strom. Währenddessen erwidert die deutsche Artillerie das Feuer, doch gelingt es ihr nicht, die französische Aktion entscheidend zu stören.
Die Commandos stossen dabei auf kaum nennenswerten Widerstand, denn die Bunker sind vollkommen zerschossen, und die Drahthindernisse niedergekämpft. Sofort rücken französische Stosstrupps in Richtung Märkt vor. Dabei treffen sie auf völlig überraschte deutsche Truppen, die sich grösstenteils kampflos ergeben. Ganze Gruppen junger, kriegsunerfahrener Wehrmachtsangehöriger fallen den überraschten Franzosen in die Hände. Der Commando-Vorstoss reicht bis in die Ortschaften Binzen und Rümmingen, am Eingang des Kandertals. Bevor die Deutschen eine Gegenaktion einleiten können, ziehen sich die französischen Streitkräfte mit über 400 Gefangenengeordnet über den Rhein zurück. Die französischen Verluste während dieser vierstündigen Aktion sind überraschend gering. Sämtliche Verwundetenwerden noch während des Rückzugs über den Rhein evakuiert.
Denkmal zur Rheinüberquerung in der Nacht vom 17. auf den 18. März 1945 der African Commando Group auf der französischen Seite des Rhein, etwas oberhalb des Stauwehr Kembs / Märkt
Der charismatische und entschlossene Colonel Georges-Régis Bouvet führt seine Soldaten kompromisslosen und unerschütterlicher Energie. Trotz seines strengen Auftretens wird er von seinen Männern hoch geschätzt, da er sich stets für ihre Sicherheit einsetzte und sie mit persönlichem Mut anführte. Sein markantes Kinn und seine Wutausbrüche führten zu dem Spitznamen „La Galoche“.
Allmählich nimmt das Feuer ab und endet gegen 04:00 Uhr – jedoch nur für kurze Zeit.
Nach einer kurzen Pause schiessen französische Batterien erneut, diesmal aus nördlicher Richtung, möglicherweise aus dem Raum Schlierbach. Wenig später folgt Artilleriefeuer aus Bartenheim-Sierenz, das sich auf Eimeldingen und das Kandertal konzentriert.
Nach einer weiteren Unterbrechung nehmen deutsche Geschütze das Feuer wieder auf. Drei kurze, aber heftige Feuerschläge erfolgen um 04:35 Uhr, 04:55 Uhr und 04:58 Uhr. Die Einschläge sind über Binzen und Rümmingenhinweg bis Michelfelden nördlich von St. Louis zu hören. Auch das Hinterland bei Langenhäusern, Neudorf und Kembs gerät unter Beschuss.
In dieser Phase scheint schwere deutsche Artillerie beteiligt zu sein, die in ihrer Feuerkraft der französischen in nichts nachsteht. Trotz der massiven Beschiessung entstehen keine grossflächigen Brände. Kleinere Brandherde, die durch Rauchgranaten verursacht werden, erlöschen nach wenigen Minuten. Bei Tagesanbruch ziehen letzte Rauchschwaden entlang der Berghänge ab, während sich die Region langsam von der heftigsten Nacht seit langem erholt.
Casemate Garchery am Rheinseitenkanal (Canal d’Alsace) auf der Höhe von Rosenau heute
Zwischen 1937 und 1940 wird die Region um Kembs, Rosenau, Village-Neuf, Huningue, Saint-Louis, Hégenheim, Hésingue und Blotzheim mit zahlreichen Kleinkasematten und Stützpunkten befestigt. Mehrere Verteidigungslinienwerden errichtet:
- Entlang des Rheinseitenkanals (Canal d’Alsace) – als erste Verteidigungslinie direkt am Fluss.
- Am Huningue-Kanal – als zweite Linie, die eine tiefere Verteidigungsstellung bildet.
- Entlang des östlichen Ausläufers der ersten Sundgauer Hügel – als dritte Linie, die das Gelände für Verteidigungszwecke nutzt.
- Parallel zur Schweizer Grenze zwischen Saint-Louis und Hégenheim – als vierte Linie, die das Grenzgebiet zusätzlich sichert.
Schäden in Basel
Während des Kommandounternehmen von Colonel Georges-Régis Bouvet Truppen kam es in Basel zu Schäden an Gebäuden.
Zwischen 02:00 und 03:00 Uhr kommt es an der Sundgauerstrasse 11 zu einem Schaden durch einen Pojektileinschlag. Gegen 03:00 Uhr, schlug im Gebiet unterhalb des Rheinhafens ein Geschoss in das Dach der Duschanlage des Schifferhauses Kleinhüningen (Bonergasse 75) ein. Am folgenden Morgen wurden beschädigte Ziegel festgestellt, jedoch entstand lediglich Sachschaden, und es gab keine Verletzten. Das Projektil wurde am Ort des Einschlags gefunden und später durch die Kriegstechnische Abteilung untersucht. Es handelte sich um eine französische 7,5-mm-Gewehrpatrone. Eine offizielle Schadensmeldung wurde durch die Schweizerische Reederei A.G. bei der Polizei Kleinhüningen eingereicht.
20. März 1945
Ruhiger Tag mit vereinzeltem Artilleriefeuer in der Dreiländerecke
Wie bereits am Montag, bleibt es auch am heutigen Dienstag in der Dreiländerecke vergleichsweise ruhig. Schwere Gefechte wie in der vergangenen Woche bleiben aus, und die französische Artillerie tritt nur vereinzelt in Aktion.
Am Vormittag erfolgt Artilleriefeuer ins Kandertal, später folgen Schüsse in die Gegend von Welmlingen und Wintersweiler. Am Nachmittag wird der Schafberg beschossen, während es am Abend einige Einschläge in der Bahnhofgegend von Haltingen gibt.
Auf deutscher Seite kommt ein neuartiges Geschütz zum Einsatz, das aus der Gegend des Bahndamms Haltingen mit schneller Feuerrate Granaten in Richtung Blotzheim oder Bartenheim schiesst. Diese Geschosse erzeugen beim Flug ein auffälliges Zischen und Rollen, doch sind keine Ausstoss-Impulse erkennbar, wie sie beim Raketenartilleriegeschoss beobachtet wurden, das letzte Woche einmalig vom Elsass aus abgefeuert wurde.
Schweizer Rückführung aus Freiburg nach Bombardement
Vor Kurzem wurde von der Grenze aus beobachtet, dass schwere Bombardierungen in Richtung Müllheim und Freiburg erfolgten. Nun bestätigen offizielle Berichte aus Freiburg, dass weitere Stadtviertel zerstört wurden.
Aufgrund eines Hilferufs, der über die konsularische Vertretung der Schweiz an das Eidgenössische Politische Departement weitergeleitet wurde, werden Massnahmen zur Rückführung ausgebombter Auslandschweizer geprüft. Erste Erfolge sind bereits erzielt:
71 Schweizer Staatsangehörige, darunter kleine Kinder und hochbetagte Personen, können mithilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes sowie mit Unterstützung von zwei Ärzten in drei Reisebussen und einem Ambulanzwagen nach Basel zurückgebracht werden.
Sicherheitsbedenken machen jedoch einen grossräumigen Umweg durch den dichten Schwarzwald erforderlich. Unter den Heimkehrern befinden sich keine Schwerverletzten, doch sind alle extrem pflegebedürftig. Es wird erwartet, dass weitere Ambulanzexpeditionen folgen.
Rückführung von Kindern aus der Schweiz nach Mülhausen
Ein Zufall will es, dass ebenfalls am Dienstag etwa 300 Kinder aus Mülhausen und Umgebung in Basel eintreffen. Sie wurden jedoch nicht aus den Trümmern ihrer Heimatstadt gerettet, sondern aus verschiedenen Regionen der Schweiz, wohin sie vor zwei Monaten evakuiert wurden.
Damals war Mülhausen noch unter schwerem Beschuss deutscher Artillerie, doch die vollständige Befreiung des Elsass ermöglicht nun ihre sichere Rückkehr zu den Eltern. Für den Transport stehen am Basler Bundesbahnhof zwölf grosse amerikanische Rotkreuzwagen bereit, die am Dienstagnachmittag – ebenfalls über eine Umwegroute – die Rückfahrt nach Mülhausen antreten.
25. März 1945
Weitere Schaden in Basel
Um 14:30 Uhr gibt es einen weiteren Schaden druch ein Geschosseinschlag an der Davidsbodenstrasse 18.
29. März 1945
Kampfhandlungen im Dreiland nehmen wieder zu
Bis zum Abend des Gründonnerstags bleibt die Lage im Norden Basels weitgehend stabil. Es bestehen keine Hinweise auf eine Traversierung des Rheins mit Brückenschlag in Hörweite Basels – einem Gebiet, das bei günstigen atmosphärischen Bedingungen bis Colmar, teils sogar bis Strassburg reicht. Ein solcher Angriff wäre mit anhaltendem Trommelfeuer einhergegangen und deutlich hörbar gewesen.
Auf beiden Seiten des Rheins ist jedoch eine gewisse Spannung und Nervosität festzustellen. So sprengen die Deutschen am Donnerstag den weithin sichtbaren hölzernen Peilturm im Käserholz – aus bislang nicht näher erklärbaren Gründen.
Ab der zweiten Hälfte des Vormittags nimmt das französische Artilleriefeuer deutlich zu. Geschossen wird aus dem Raum Schlierbach (südlich von Mülhausen) sowie besonders aus dem Bereich Blotzheim in das Kandertal und auf das Gebiet östlich des Isteiner Klokes. Einschläge sind bei Fischingen und Schallbach zu hören und zum Teil zu sehen. Zeitweise werden auch Ortschaften im Wiesental, wie Thumringen oberhalb Lörrach, unter Feuer genommen. Es handelt sich zum Teil um konzentrierte Feuerschläge.
Deutsche Artillerie antwortet phasenweise auf diese Angriffe. Bis in die Abendstunden hinein bleibt das Geschehen unruhig, doch eine wesentliche Veränderung der militärischen Lage ist nicht erkennbar.
30. März 1945
Kriegsgeschehen in der Dreiländerecke am Karfreitag
Die Nacht zum Karfreitag verläuft auffallend unruhig – besonders zwischen 02:30 Uhr und 05:00 Uhr. Noch unbestätigte Meldungen deuten darauf hin, dass kleinere französische Truppenteile erneut einen gewaltsamen Aufklärungsvorstoss über den Rhein bei Märkt unternommen haben. Das beobachtete Geschehen deutet auf einen typischen Handstreich hin, verbunden mit erheblichem Munitionsverbrauch.
Bereits um 02:26 Uhr beginnt intensives Maschinengewehrfeuer in Richtung Rosenau und der Vogelinsel (zwischen Rhein und dem Oberwasserkanal unterhalb des Stauwehrs). Zusätzlich wird das deutsche Ufer mit kleinkalibriger Artillerie – möglicherweise einem Sturmgeschütz – beschossen.
Um 02:45 Uhr intensiviert sich das französische Artilleriefeuer. Einschläge erfolgen unter anderem bei Istein, Efringen, Egringen und auf der Hohen Schule. Maschinengewehrstellungen wechseln mehrfach ihre Position. Auch am deutschen Rheinufer steigen Leuchtraketen auf.
Ab 03:00 Uhr nimmt das französische Feuer weiter zu. Aus den Räumen Blotzheim und Bartenheim wird das gesamte badische Ufergebiet und Hinterland unter Beschuss genommen: Efringen, Egringen, Märkt, das Haltinger Moos sowie das Kandertal sind betroffen.
In Märkt entsteht eine grössere Feuersbrunst, die bis 05:00 Uhr anhält. Deutsche Artillerie erwidert das Feuer vereinzelt aus dem Raum Efringen – Einschläge werden in Richtung Bartenheim und Sierentz registriert.
Nach dem Einschlag einer schweren französischen Mine um 04:38 Uhr kehrt allmählich Ruhe ein. Bis in den frühen Nachmittag bleibt es an der Grenze vergleichsweise ruhig.
Sprengung Stauwehr Kembs
Zerstörtes Stauwehr Kembs nach der Sprung durch die deutschen Truppen - Foto Privatarchiv
Um 23:29 Uhr ist von der Grenze aus eine schwere Detonation aus der Gegend des Stauwehrs des Kraftwerks Kembs zu vernehmen. Das Kraftwerk liegt auf der Höhe von Märkt am Rhein. Die Explosion scheint auf eine gezielte Sprengung zurückzugehen und führt unmittelbar zu einer ausgedehnten weissen Rauchwolke, die sich derart ausbreitet, dass der Eindruck entsteht, es handle sich um eine Vernebelungsaktion.
Als der Mond stärker scheint, lässt sich mit Hilfe von Ferngläsern eindeutig feststellen, dass durch die Sprengung erneut erhebliche Zerstörungen am Stauwehr verursacht worden sind. Die genaue Auswirkung auf die Rheinschifffahrt kann jedoch erst bei Tageslicht beurteilt werden.
Um 23:47 Uhr wird zudem eine weitere Detonation aus der Gegend von Istein gehört. Die Ursache dieses Knalls bleibt zunächst unklar. Im weiteren Verlauf der Nacht – bis 02:00 Uhr – bleibt die Lage ruhig; nur vereinzelt ist Maschinengewehrfeuer zu hören.
2. April 1945
Minenwerfer gegen die badische Nachbarschaft in Aktion
Im Laufe des Montagabends und in der Nacht zum Dienstag bleibt die Artillerie auf beiden Seiten – sowohl der deutschen als auch der französischen – in der Nachbarschaft Basels vollständig still. Kein einziger Schuss wird abgefeuert. Die zahlreichen Detonationen, die dennoch in der ganzen Stadt deutlich zu hören sind, stammen ausschliesslich von Minenwerfern, die sowohl von französischer als auch teilweise von deutscher Seite eingesetzt werden.
Von französischer Seite werden insbesondere das Gebiet des Weiler Hafens, die Umgebung des Stauwehrs sowie Märkt unter Beschuss genommen. Die intensivste Phase der Beschiessung fällt in die Zeit zwischen 23:00 Uhr und Mitternacht. Auf deutscher Seite richten sich einige Minenwürfe gegen Neudorf.
Bereits zwischen 20:15 Uhr und 22:00 Uhr sind hinter dem Schaf- und dem Katzenberg, östlich des Isteiner Klotzes, zwei Brände zu beobachten, deren Feuerschein den Himmel rötet. Auf beiden Seiten des Rheins – sowohl auf elsässischem als auch auf badischem Ufer – steigen vereinzelt Leuchtraketen auf.
Ab 05:00 Uhr früh, mit dem Einschlag der letzten Mine bei Märkt, tritt völlige Ruhe ein.
Neutralitätsverletzung Davidsbodenstrasse
Am Montag, dem 2. April 1945, erscheint um 20:30 Uhr auf dem Polizeiposten St. Johann in Basel Frieda Niedermann, geb. am 3. April 1899, Hausfrau, wohnhaft Davidsbodenstrasse 66, und erstattet folgende Anzeige:
Während ihrer ganztägigen Abwesenheit am Sonntag, dem Vortag, sei in ihrer Wohnung im 1. Stock der Liegenschaft Davidsbodenstrasse 66 ein kleiner, gelber Metallgegenstand im Fussboden ihres Wohnzimmers aufgefallen. Sie zieht diesen mit einer Zange heraus und stellt fest, dass es sich um ein Gewehrgeschoss handelt. Das Fenster des Wohnzimmers war während ihrer Abwesenheit den ganzen Tag geöffnet. Ausser einem Einschlagloch im Fussbodensind keine weiteren Schäden entstanden.
Das Polizeikorps Basel-Stadt nimmt den Fall auf und leitet das sichergestellte Projektil zusammen mit dem Rapport an das Territorialkommando Basel sowie an die kriegstechnische Abteilung des Eidgenössischen Militärdepartementszur Prüfung weiter.
Das Ergebnis der technischen Untersuchung bestätigt, dass es sich beim sichergestellten Projektil um das Geschoss einer französischen 8 mm Gewehrpatrone handelt. Diese Munition stammt nachweislich nicht aus schweizerischem Armeebestand.
Zum Zeitpunkt des mutmasslichen Einschlags liegen keine Angaben zu den Witterungsverhältnissen oder möglichen kriegerischen Handlungen im Umfeld der Liegenschaft vor.
Die vorliegenden Akten und das Geschoss werden durch die eidgenössische Stelle zurückübermittelt und dienen der dokumentarischen Entlastung der beschuldigten Partei. Eine Ermittlung der Schussrichtung oder des Schützen ist nicht möglich. Der Vorfall wird als Neutralitätsverletzung registriert.
Weitere Schäden gab es in der Nacht an der Oetlingerstrasse 191, Färberstrasse 15 und am Wiesendamm 24.
4. April 1945
Kurze Kampfhandlungen in der Dreiländerecke
Am Vormittag kurz nach 09:00 Uhr sind aus der Gegend hinter dem Schafberg, östlich des Isteiner Klokes, schwere Detonationen zu hören. Die genaue Ursache dieser Explosionen kann jedoch nicht festgestellt werden.
Zwischen 10:00 Uhr und 11:00 Uhr eröffnen deutsche Geschütze aus der Nähe von Eimeldingen das Feuer auf Neudorf. Dieses Störfeuer zeigt sich eine Zeitlang recht intensiv. Ab 11:00 Uhr treten französische Minenwerfer in Aktion. Sie beschiessen den Bahnhof Leopoldshöhe, das Umfeld des Gaskessels vor dem dortigen Bahndamm sowie das Gebiet von Friedlingen.
An der Dorfstrasse 28 kam es dabei in der Nacht zu einem weiteren Schaden durch fremdländischen Beschuss.
5. April 1945
Wieder stärkeres Artilleriefeuer in der Dreiländerecke
Durch den ganzen Tag ist in der Dreiländerecke erneut verstärktes Artilleriefeuer zu beobachten. Bereits ab 09:00 Uhrvormittags feuern französische Geschütze aus dem Raum Mülhausen auf das Gebiet östlich des Rheins bis hinauf nach Müllheim. Aufgrund ungünstiger Windverhältnisse bleibt unklar, ob von deutscher Seite erwidert wird.
Im weiteren Verlauf des Vormittags dehnt sich das französische Feuer südwärts bis in die Gegend von Niffer-Schliengen aus. Über die Mittagszeit belegen deutsche Truppen die französischen Stellungen am Oberwasserkanal zwischen dem Stauwehr und dem Kraftwerk Kembs mit zahlreichen Minen.
Am Nachmittag flammt das Artilleriefeuer zunächst in Richtung Müllheim wieder auf. Anschliessend geraten erneut die Umgebung des Stauwehrs sowie die Region zwischen Haltingen und Eimeldingen unter Beschuss.
Ausserdem werden zwei Formationen fremder Flugzeuge mit je elf Maschinen über dem badischen Gebiet gesichtet. Sie stossen auf schwaches Abwehrfeuer. Nach dem Einflug der ersten Formation ist um 17:08 Uhr über dem Schafberg östlich des Isteiner Klotes eine gewaltige Rauchentwicklung zu beobachten, deren Ursache jedoch unklar bleibt – ob durch direkten Luftangriff oder andere Kampfhandlungen verursacht, lässt sich nicht feststellen.
Zwischen 19:00 und 21:00 Uhr setzen französische Batterien schweres Geschütz ein. Es blitzt an zahlreichen Punkten des oberelsässischen Hügelgeländes von Volkensberg bis Sierenz. Die Schüsse stammen offensichtlich aus grosser Distanz und treffen Ziele im Kandertal. Die Einschlagsdetonationen sind deutlich zu hören. Unter anderen atmosphärischen Bedingungen wäre diese Beschiessung in Basel vermutlich deutlich intensiver wahrgenommen worden.
Im Laufe der Nacht kehrt Ruhe ein.
10. April 1945
Fremde Flugzeuge und Artillerieeinschläge in der Dreiländerecke
Wie bereits am Dienstagvormittag, werden auch am Nachmittag und Abend erneut mehrfach fremde Flugzeuge über der Dreiländerecke gesichtet oder zumindest gehört. Um 16:45 Uhr tritt bei Efringen die deutsche Fliegerabwehr in Aktion.
Am Nachmittag gerät das Haltinger Moos – das zwischen dem Rhein und der Ortschaft Haltingen liegt – unter französisches Minenwerferfeuer. Darüber hinaus werden auch Artillerieeinschläge registriert. Die französische Artillerie beschiesst zusätzlich das Dorf Egringen, das Dorf Istein sowie den oberhalb gelegenen Kalksteinbruch.
In den Abendstunden kommt es zu einem lebhaften Feuerwechsel zwischen deutschen und französischen Maschinengewehren. Danach nimmt ein französisches mittelschweres Geschütz aus dem Raum Blotzheim das Gebiet des Weiler Hafens und die Schusterinsel unter Beschuss. Einzelne Granaten explodieren dabei nur etwa 1200 Meter von der Schweizer Grenze entfernt.
In Kleinhüningen ist das Heulen der einschlagenden Granaten deutlich zu hören. Der Luftdruck der Detonationen ist spürbar; an der Peripherie von Basel zittern die Häuser, und Fensterscheiben klirren.
11. April 1945
Artillerieeinsätze und Grossbrand am Rhein
Am Vormittag kurz nach 08:00 Uhr ist aus der Richtung Mülhausen erneut stärkeres Artilleriefeuer zu hören. Ein deutsches Geschütz feuert aus der Gegend von Eimeldingen in Richtung St. Louis, nachdem kurz zuvor deutsche Minen in Neudorf eingeschlagen sind.
Um 09:12 Uhr ist aus der Richtung des Stauwehrs bei Märkt eine schwere Detonation zu vernehmen, die zunächst wie eine Sprengung wirkt. Da am Stauwehr keine sichtbaren Veränderungen festgestellt werden können, liegt die Vermutung nahe, dass auf elsässischer Seite in einer Kiesgrube Blindgänger oder Minen zur Explosion gebracht und damit unschädlich gemacht worden sind.
Um 10:45 Uhr nimmt eine französische schwere Batterie aus dem Raum Steinbrunn südlich von Mülhausen das badische Gebiet unter rasch aufeinanderfolgendem Beschuss.
Am Nachmittag feuert die französische Artillerie gezielt auf verschiedene Punkte des badischen Rheinufers und des angrenzenden Hinterlandes. Es werden Rauch- und vermutlich auch Phosphorgranaten eingesetzt. Die typischen Rauchpilze sind unter anderem am Rheinufer oberhalb des Stauwehrs, hinter dem Laufelberg sowie bei Schloss Bürgeln am Südhang des Badischen Blauens zu sehen – am heftigsten jedoch mitten in der Ortschaft Märkt.
Etwa um 16:30 Uhr entzündet sich eine dieser Granaten in Märkt und löst einen grossflächigen Brand aus. Da von der Schweizer Seite aus nur die Dächer der Ortschaft sichtbar sind und viele Gebäude hinter dem Auenwald verborgen liegen, lässt sich zunächst nicht feststellen, welche Liegenschaften betroffen sind. Die Flammen schlagen jedoch hoch über die Baumwipfel hinaus und erstrecken sich über eine Länge von über 100 Metern. Auch nach Einbruch der Dunkelheit brennt ein grösseres Gebäude noch lichterloh. Dichte, schwarze Rauchwolken deuten darauf hin, dass womöglich auch ein Tanklager mit flüssigen Brennstoffen in Brand geraten ist. In kleinerem Ausmass hält das Feuer bis weit nach Mitternacht an.
Parallel dazu kommt es am Nachmittag zu vereinzeltem Artilleriefeuer beiderseits, das sich über den ganzen Abend hinweg zieht.
In der Nacht zum Donnerstag, gegen 01:30 Uhr, feuert die französische Artillerie schätzungsweise eintausend Granaten in den Raum Efringen. Zeitgleich ist auch das Rattern von Maschinengewehren auf beiden Seiten des Rheins zu hören.
12. April 1945
Eine Presseorientierung, die am Vormittag unter dem Vorsitz von Dr. Lindt im Bundeshaus stattfindet, zeigt am lebendigen Beispiel den tieferen Sinn der Schweizer Spende und gibt Einblick in die Verwendung der gesammelten Mittel in den vom Krieg befreiten Ländern.
Frau Dr. Kaegi, Leiterin des Schweizerischen Arbeiterhilfswerkes, berichtet über ihre Erfahrungen bei Hilfsaktionen, welche ihre Organisation seit dem letzten Herbst, insbesondere in Lyon und Saint-Étienne, durchführt. Sie schildert eindrücklich die Situation der notleidenden Bevölkerung und die Bedeutung der Schweizer Hilfe vor Ort.
Direktor Crivelli, Leiter der Caritas-Zentrale, erzählt von seiner Reise nach Savoyen und vor allem ins Moseltal, wo er Hilfsmassnahmen für die dortige Bevölkerung organisiert und begleitet. Seine Eindrücke zeigen, wie tief das Elend selbst in den ländlicheren Gebieten reicht und wie notwendig jede Hilfe ist.
Von Dr. med. Jaeger, dem Leiter einer Schweizer Ärztemission nach Belgien, werden erschütternde Einzelheiten über die dortigen Lebensverhältnisse berichtet. Seine Schilderungen machen klar, wie katastrophal die medizinische Versorgung und die hygienischen Zustände in vielen befreiten Regionen sind.
Erst durch die Darlegungen dieser direkt Beteiligten wird deutlich, wie dringend Hilfe weiterhin benötigt wird. Auch wenn die Schweizer Spende angesichts des gewaltigen Ausmasses an Not und Zerstörung in den befreiten Gebieten nur eine bescheidene Linderung bringen kann, so ist sie doch ein bedeutsamer Ausdruck des Willens, der leidenden Menschheit beizustehen – so weit es in den Kräften der Schweiz liegt.
13. April 1945
Phosphorminen auf die Schusterinsel, Feuersbrunst am Schafberg
Am Vormittag, kurz nach 09:00 Uhr, eröffnen französische Geschütze aus dem Raum Blotzheim ein kräftiges Artilleriefeuer auf die Fabrikgebäude der Schusterinsel, welche sich nahe der Schweizergrenze bei Kleinhüningen befinden. Das Feuer richtet sich gezielt auf die Industrieanlagen im Bereich des Hafenbeckens II.
Zunächst wird im Rheinhafen Betriebsalarm ausgelöst. Um 09:27 Uhr dehnt sich das Artilleriefeuer auf die Gebäulichkeiten der Firma Schetty aus, die unmittelbar an der Grenze liegt. In der Folge muss sich das Personal mehrerer Betriebe, die sich im äussersten Bereich des Hafenbeckens befinden, in Sicherheit bringen.
Die Beschiessung dauert etwa eine Stunde an. Es handelt sich um präzises Feuer, weshalb keine Granaten auf Schweizer Gebiet einschlagen. Dennoch werden im gesamten Hafengebiet zahlreiche Granatsplitter aufgefunden und eingesammelt – ein deutliches Zeichen für die unmittelbare Nähe der Angriffsziele zur Landesgrenze.
Um 13:50 Uhr erfolgt ein kurzer, gezielter Feuerschlag aus dem Raum Bartenheim auf Binzen, das am Eingang des Kandertals liegt. Im Anschluss daran werden zwischen 15:00 und 17:00 Uhr über hundert Phosphorminen auf die Gebäulichkeiten der Schusterinsel geschleudert. Die Detonationen richten sich konzentriert auf das Industrieareal nahe der Schweizer Grenze. Weitere Minen explodieren im Steinbruch von Istein sowie im Bahnhofsgebiet von Leopoldshöhe.
Kurz vor 17:00 Uhr nehmen deutsche Batterien aus dem Haltinger Moos die französisch besetzten Gebiete unter Beschuss. Eine etwa zehn Minuten andauernde Beschiessung trifft St. Louis sowie die Strasse in Richtung Burgfelden. Infolge dieser Artillerieeinschläge und möglicherweise durch den Einsatz von Phosphormunition entsteht am späten Nachmittag hinter dem Schafberg, östlich des Isteiner Klokes, eine Feuersbrunst.
Am Abend ist aus der Gegend nördlich des Isteiner Klokes weiterhin Geschützdonner zu hören. Die Nacht zum Samstag verläuft dann ruhig, ohne weitere Kampfhandlungen oder Beschuss.
Die Lebensmittelrationen im Mai
Das eidgenössische Kriegsernährungsamt teilt mit, dass die diesjährige Einmachzuckerration auf den Lebensmittelkarten im Mai insgesamt drei Kilogramm beträgt, wobei diese Menge in zwei Raten zu je 1,5 Kilogramm aufgeteilt wird. Die Coupons der ersten Rate gelten dabei vom 1. Mai bis 6. November, ebenso wie jene der zweiten Rate. Bezugsberechtigt sind grundsätzlich alle Inhaber der Lebensmittelkarten, zu denen insbesondere Wehrmänner, Arbeitsdienstpflichtige, Spitalpatienten, Bezüger von Mahlzeitencoupons sowie Personen in Dauerverpflegung und kollektiven Haushaltungen zählen.
Gleichzeitig bleibt die Versorgungslage angespannt, da die vergangenen Verhandlungen keine ausreichenden Verbesserungen gebracht haben. Die eingeschränkten Seetransporte und die Schwierigkeiten im Wiederaufbau der Transportlogistik in unserem westlichen Nachbarland wirken sich weiterhin negativ auf die Importlage aus. Diese Kritikalität ist direkt auf die Lebensmittelrationierung zu spüren: Im Mai entfallen beispielsweise die Hülsenfrüchte-Coupons, und die Haferzuteilung beträgt nur noch 100 Gramm. Auch die Bohnenkaffeezuteilung wird auf einen minimalen Punktwert reduziert, während auf der A-Karte lediglich 250 Gramm Mehl/Mais bereitgestellt werden. Bedauerlicherweise entfallen die Teigwaren-Coupons vollständig, mit Ausnahme der Kinderkarte, auf der diese Zuteilung bestehen bleibt – über den weiteren Verlauf des Monats soll noch entschieden werden, ob zusätzlich eine Teigwarenration gewährt werden kann.
In einem positiven Lichtblick wird vermerkt, dass die Grundrationen für Käse und Fleisch um jeweils 100 Punkte erhöht werden. Die Eierzuteilung bleibt dabei unverändert bei vier Stück. Auch wird die Möglichkeit, Milch in Käsecoupons umzutauschen, über die Sommermonate eingeschränkt, sodass pro A-Karte nur noch fünf Milchcoupons eingelöst werden können, sofern diese mit einem entsprechenden Buchstabenausdruck versehen sind. Des Weiteren wird die Zuteilung für Konfitüren auf 150 Punkte angehoben und es werden erneut 250 Gramm Konfitüre vergeben, um die Versorgungslage im Rahmen der Rationen zu verbessern. Für die Kinder bleibt die vorhandene Zuteilung bestehen; in Krankheitsfällen können mit ärztlichem Zeugnis erhöhte Zuteilungen beantragt werden.
Zusammenfassend enthalten die Mai-Lebensmittelkarten wieder Sonder-Couponsblöcke, die insbesondere in Gemeinden mit Gasversorgung in zwölf Mahlzeitencoupons umgetauscht werden können. Diese Karten kombinieren diverse Coupons für Brot, Mehl, Zucker, Butter, Fleisch und Konfitüre sowie mehrere Signets der Schweizer Spende. Die übrigen Umtauschmöglichkeiten, die auf der gesamten A-Karte für 50 oder mehr Mahlzeitencoupons vorgesehen sind, bleiben unverändert bestehen. Trotz der weiterhin kritischen Importlage und der damit verbundenen Kürzungen zeigt sich, dass die Schweizer Spende einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung der Bevölkerung in diesen schwierigen Zeiten leistet.
14. April 1945
Am Mittag, um 12:26 Uhr, wird aus der Gegend nördlich des Isteiner Klokes eine schwere Detonation gehört. Die Ursache lässt sich jedoch nicht feststellen. Es klingt, als wäre eine Sprengung vorgenommen worden.
Zwischen 13:05 und 13:30 Uhr sind auf den deutschen Bahngeleisen im Grenzgebiet mehrere Lokomotiven zu sehen, von denen einige erheblich beschädigt sind. Im Laufe des Abends, als die Lokomotiven in Reichweite der französischen Artillerie im Rangierbahnhof Weil sind, feuert eine Batterie aus dem benachbarten Elsass Granaten auf die Bahnanlagen. Offenbar soll durch die Zerstörung der Gleise der Abtransport verhindert werden. Etwa um 20:00 Uhr kommt es zu einem kurzen, gegenseitigen Artilleriefeuer. In der Folge kommt es an der Kleinhünningeranlage 15 zu einem weiteren Schaden auf Basler Gebiet.
15. April 1945
Kurze Gefechte in der Region
Am Vormittag, gegen 08:15 Uhr bis etwa 09:00 Uhr, ist aus der Nähe von Blotzheim intensives Einzelfeuer auf die Ortschaft Haltingen zu hören. Es handelt sich um mittelschwere Batterien, deren Abschüsse und Einschläge in Basel deutlich wahrnehmbar sind. Später wird das Feuer aus Minenwerfern auf Weil und Leopoldshöhe fortgesetzt.
19. April 1945
Amtliche Erläuterungen zur Schweizer Grenzschliessung
Auf Beschluss des Bundesrats vom 19. April 1945 wird die vollständige Schliessung der Nord- und Ostgrenze der Schweiz angeordnet. Diese Massnahme betrifft den Abschnitt von Kleinhüningen (Basel) bis Altenrhein (St. Gallen) und tritt am 21. April 1945 in Kraft. Ziel ist es, eine Überflutung der Schweiz mit Flüchtlingen zu verhindern. Mit der Schliessung übernimmt die Armee die vollständige Grenzüberwachung in diesem Abschnitt. Die Grenzpolizei wird durch militärische Kräfte ersetzt, welche mit den zur Verfügung stehenden Mitteln sicherstellen, dass niemand unbefugt in die Schweiz einreist.
Trotz der strikten Regelung berücksichtigt der Bundesrat, dass sich jenseits der Grenze zahlreiche asylwürdige Menschen in Not befinden. Er betont, dass aus humanitären Gründen und im Geiste der schweizerischen Tradition Ausnahmen möglich bleiben. Deshalb bleiben bestimmte Grenzübergangsstellen offen, über die ein kontrollierter Grenzverkehr weiterhin möglich ist. Flüchtlinge dürfen dort einreisen, sofern sie die strengen Einreisekriterien erfüllen. Sorgfältige medizinische Kontrollen sorgen dafür, dass keine ansteckenden Krankheiten eingeschleppt werden.
Schweizer Bürger behalten das uneingeschränkte Recht, in ihre Heimat zurückzukehren. Bürgerrecht und Identität werden jedoch in jedem Einzelfall genau geprüft, um Missbrauch auszuschliessen. Rückkehrer werden um Verständnis für die notwendigen Kontrollen gebeten.
Die Behörden weisen darauf hin, dass die Kategorisierung der Flüchtlinge oft schwierig ist. Als Militärflüchtlingegelten grundsätzlich nur tatsächliche Wehrmänner fremder Staaten – das Tragen einer Uniform allein reicht nicht aus. Die Unterscheidung fällt jedoch nicht immer leicht: Die SS ist ursprünglich eine Parteiorganisation, später aber in die reguläre Armee integriert worden. Viele in Deutschland Neurekrutierte werden automatisch den SS-Formationen zugeteilt. Auch zwangsrekrutierte Elsässer oder Angehörige anderer Nationalitäten, die unfreiwillig in die Wehrmacht eingegliedert werden, stellen eine Sonderkategorie dar.
Ebenso komplex sind die Fälle sogenannter Freiwilligenkorps – einheitlich ausgerüstete und uniformierte Truppen, bestehend aus fremden Staatsangehörigen. Wenn sich solche Gruppen an der Grenze melden, muss über ihre Aufnahme oder Ablehnung nach völkerrechtlichen und praxisbezogenen Kriterien entschieden werden. Für manche Gruppen ist eine Internierung möglich, andere dürfen lediglich transitieren, während gewisse unerwünschte Kategorien konsequent zurückgewiesen werden.
Ein „Katalog unerwünschter Uniformierter“ schafft Klarheit für das Grenzpersonal. Bislang treffen alle internierungsfähigen Truppen geordnet und diszipliniert an der Grenze ein. Doch angesichts der sich zuspitzenden Kriegslage könnte sich dies rasch ändern. Die vorsorgliche Übertragung der Grenzwachtfunktionen an die Armee stellt sicher, dass die Schweiz auf eine mögliche Eskalation an der Grenze vorbereitet ist.
Gesundheitsgefahren und Massnahmen der Schweizer Behörden
Angesichts des stetigen Zustroms von Flüchtlingen an der Nordgrenze der Schweiz hat das Armeekommando einen eindringlichen Appell an die Bevölkerung gerichtet. Grund hierfür ist die zunehmende Gefahr der Einschleppung gefährlicher, ansteckender Krankheiten durch Menschen, die ohne vorherige medizinische Kontrolle ins Land gelangen. Solange Flüchtlinge nicht gereinigt und ihre Kleidung nicht desinfiziert worden sind, dürfen sie keinerlei Kontakt mit der Zivilbevölkerung haben. Der Verkehr mit ihnen – auch aus humanitären Motiven – ist strikt untersagt, solange sie sich in Quarantäne befinden.
Das Armeekommando betont: Es ist verboten, Flüchtlinge im Haus aufzunehmen, sie zu verpflegen oder bei sich unterzubringen. Ebenso untersagt ist die Annahme jeglicher Gegenstände – seien es Briefe, Kleidungsstücke, Wertgegenstände oder Ausrüstungsgegenstände. Alle Personen, die Kontakt mit Grenzüberläufern oder Flüchtlingen haben, sind verpflichtet, diese unverzüglich dem nächstgelegenen Militär- oder Polizeiposten zu melden oder dort Anzeige zu erstatten.
Die Schweizer Armee und die Zivilbehörden setzen alles daran, die gesundheitliche Sicherheit des Landes zu gewährleisten, sind dabei jedoch auf die aktive Mitarbeit der gesamten Bevölkerung, besonders der Grenzregionen, angewiesen. Das Armeekommando warnt nachdrücklich vor Zuwiderhandlungen – sie gelten als Ungehorsam gegenüber militärischen Vorschriften und können entsprechend geahndet werden.
20. April 1945
Eintreffen erster Fremdarbeiter in Basel
Die ersten Züge aus dem Wiesental mit „Fremdarbeiter" sind in Basel eingetroffen. Der Abtransport dieser Personen erfolgte im Einvernehmen mit den deutschen Behörden. Insgesamt umfasste der Transport 289 Personen, darunter 146 Franzosen, 22 Belgier, 38 Holländer, 70 Polen, 5 Spanier und 1 Tschechoslowake. Davon waren 244 Männer, 41 Frauen und 4 Kinder.
Die Franzosen werden heute noch nach Frankreich weitergeleitet, und die Belgier sowie Holländer sollen bald über Frankreich in ihre Heimat zurückgebracht werden. Die übrigen, die nicht sofort repatriiert werden können, werden vorerst in der Schweiz untergebracht.
Heute Abend wird voraussichtlich ein weiterer Transport aus der badischen Nachbarschaft hier eintreffen. Insgesamt ist die Aufnahme von maximal etwa 1000 Personen vorgesehen. Gerüchte über einen Massenandrang an der Grenze sind jedoch unzutreffend. Die gestern eingetroffenen Fremdarbeiter machten einen relativ ordentlichen Eindruck und wirkten nicht unterernährt.
8 Stunden Fliegeralarm in Basel
Durch den Tag sind über der badischen Region und dem Schwarzwald fast ununterbrochen alliierte Fliegeraktionen im Gange. Von der Grenze aus, insbesondere rheinauswärts, sind Formationen von jeweils acht Maschinen zu sehen. Einige dieser Flugzeuge verletzen auch das schweizerische Hoheitsgebiet, was zu einer intensiveren Aktivität unserer Luftabwehr führt.
Gegen 14:00 Uhr kommt es zu einem Angriff auf die Ortschaft Dogern, als zwei Jagdflugzeuge im Tiefflug mit Bordwaffen beschiessen. Sechs weitere Jäger kreisen dabei über der Gegend. Zwischen 17:00 und 18:00 Uhr hört man von Stein aus mehrere Gewehrschüsse, die aus dem Schlosspark von Sädingen stammen. Auf dem Rhein-Ufer verbrennen Mitglieder der Hitlerjugend grosse Papierhaufen, möglicherweise als Massnahme zur Vernichtung von wichtigen Dokumenten.
Ab 20:30 Uhr ist in Richtung Freiburg eine starke Brandröte sichtbar, die fast die gesamte Nacht über anhält. Artilleriefeuer ist in dieser Zeit nicht oder nur vereinzelt zu hören. In Märkt fallen gegen 22:00 Uhr mehrere Maschinengewehrsalven, während ansonsten völlige Ruhe herrscht.
Über Basel und der Dreiländerregion sind während des gesamten Wochenendes immer wieder fremde Flugzeuge gesichtet worden. Von Mitternacht bis Mitternacht gab es insgesamt sechs Fliegeralarme:
- Von 01:00 bis 01:31 Uhr
- Von 01:56 bis 02:54 Uhr
- Von 12:41 bis 17:00 Uhr
- Von 17:47 bis 18:54 Uhr
- Von 21:44 bis 22:34 Uhr
- Von 23:45 bis 00:23 Uhr
Insgesamt dauerte die Alarmzeit 503 Minuten. Besonders während des längsten Alarmzustandes, der von 13:41 bis 17:00 Uhr andauerte, fanden in der Bodenseeregion grössere Fliegeraktionen statt. Am frühen Nachmittag wurde ein fremdes Flugzeug über der Dreiländerregion gesichtet, das mit Rauch ein langgezogenes, seltsam verschlungenes Zeichen in den Himmel zog. Dieses Zeichen war etwa eine halbe Stunde lang sichtbar. Zwischen 13:40 und 14:25 Uhr wurden auf Märkt mehrere Phosphor- und Brisanzminen abgefeuert.
Im Übrigen herrschte im Laufe des Tages und in der Nacht zum Samstag in der Dreiländerregion vollständige Ruhe. An der Davidsbodenstrasse 36 kam es jedoch am Nachmittag zu einem Schaden durch Feindbeschuss.
Notladungen in der Schweiz
Durch den ganzen Tag ereignen sich mehrere bemerkenswerte Zwischenfälle im Schweizer Luftraum.
Gegen 08:30 Uhr, stürzt ein französisches Militärflugzeug, eine Supermarine Spitfire (Kennzeichen MK 366 Y), auf dem Randenhorn bei Merishausen ab. Das Flugzeug war nach einem beschädigten Motor durch feindliches Feuer in die Schweiz eingedrungen. Der Pilot, der einzige Insasse, versucht eine Notlandung, streift jedoch eine freistehende Föhre. In der Folge gerät das Flugzeug in einen unkontrollierbaren Zustand und zerschellt nach etwa 50 Metern in weichem Ackerboden. Das Flugzeug wird in drei Teile zerbrochen: Der vordere Rumpf, ein Flügel mit Motor und der zweite Flügel werden abgetrennt. Der Pilot wird vermutlich aus dem Flugzeug geschleudert und bleibt in der Nähe des Absturzortes liegen.
Der Landwirt Werner Jakob bemerkt das abgestürzte Flugzeug, als er auf dem „Sohlacker“ in der Nähe des Unglücksortes unterwegs ist. Zunächst sieht er das Flugzeug im Bogen, entfernt sich aber, um später zurückzukehren. Als er sich dem Flugzeug nähert, bemerkt er den verletzten Piloten, der sich zwischen den Teilen des Flugzeugs bewegt. Der Pilot, der in deutscher Sprache ruft, dass es ungefährlich sei, kommt ihm entgegen. Jakob hilft ihm, sich hinzulegen, da der Pilot über starke Schmerzen im linken Bein klagt. Jakob verspricht, Hilfe zu holen, und geht ins Dorf, um den Vorfall zu melden. Unterwegs trifft er einen weiteren Dorfbewohner, dem er aufträgt, die örtliche Wehrleitung zu verständigen.
Der verletzte Pilot Leutnant Koechlin wird später ins Kantonsspital Schaffhausen transportiert, wo er medizinisch versorgt wird. Der Absturzort wird von der in Merishausen stationierten Fusilierkompanie 1/83 überwacht und abgesperrt. Gegen 09:50 Uhr wird der Pilot ins Krankenhaus überführt. Das französische Militärflugzeug wird später in drei Teile zerlegt, und der Abtransport erfolgt durch Spezialkräfte des Armeeflugparks Dübendorf. Der Vorfall wird von der Polizeistation Merishausen sowie der örtlichen Wehrführung untersucht. Der genaue Ablauf des Absturzes kann nur rekonstruierter werden, da keine Augenzeugen vor Ort waren, als die Notlandung erfolgte.
Gegen 12:28 Uhr landet die B-17G-50-DL der 15. Air Force, 301st Bomb Group, mit dem Kennzeichen A und dem Übernamen „Princess O'Rourke“, ist nach einem Einsatz über Vipiteno in Dübendorf. Die „Princess O'Rourke“ ist die letzte „Fliegende Festung“, die in die Schweiz notlandet. Die Maschine nimmt zusammen mit anderen Flugzeugen der 301st Bomb Group an Bombardierungen taktischer Stellungen am Brennerpass teil. Starke gegnerische Fliegerabwehr beim Verschiebebahnhof Vipiteno beschädigt die Öltanks der Aussentriebwerke, wodurch diese ausfallen. Mit den zwei verbleibenden Triebwerken gelingt es 1Lt Robert M. Adams, eine sichere Landung in Dübendorf durchzuführen.
Um 18:26 Uhr landet eine Messerschmitt Bf 108 „Taifun“ in Payerne. Die Maschine wird von Schweizer Abwehrjägern aufgegriffen und sicher zur Landung geleitet. An Bord befinden sich drei ungarische Staatsangehörige: Lt. Gyula Hongrois Nagy (Geb. 19.9.1919 Budapest), seine Frau Hedwig Rieder (Schauspielerin) und Unteroffizier Imre Hongroise Sintra (geb. 31.7.1920 Budapest / Karoly Krt.). Die drei versuchen, dem zusammenbrechenden Nazi-Deutschland zu entkommen. In Raffelding, Österreich, wo die Heimatfront bereits von der Roten Armee überrannt ist, schmieden die Piloten den Plan, in die neutrale Schweiz zu fliegen.
Da viele Bf 108 auf dem Flugplatz stillgelegt mit leeren Tanks herumstehen, gelingt es den beiden Offizieren, in mehreren nächtlichen Aktionen genügend Treibstoff zu organisieren, um eine Maschine flugtauglich zu machen. Kurz vor dem Abflug steigt auch Nagys Frau mit ein. Der Flug verläuft unter prekären Bedingungen – ohne funktionierende Uhr und mit einem defekten Benzinanzeiger. Aus Angst vor Angriffen alliierter Jagdflugzeuge fliegt die Taifun tief über dem Boden und erreicht so schweizerischen Luftraum. Dort wird sie von Schweizer Einsatzstaffeln abgefangen und sicher nach Payerne begleitet. Nach der Landung wird die Besatzung interniert, verbleibt jedoch nur kurz in der Schweiz.
ME108 L5AP auf dem Flugplatz Payerne - Foto Privatarchiv
Hintergrund zur Flucht
Lt. Nagy trat im Jahre 1940 in die Luftwaffe ein. Von 1941 bis 1943 wurde er auf die Kriegs-Akademie geschickt, da er die Absicht hatte, Berufsoffizier zu werden. Ende 1943 wurde er nach Deutschland abkommandiert, wo er mit einer Gruppe von ungarischen Piloten als Bernaufklärer ausgebildet wurde. Im Sommer 1944 kam er in Russland zum Einsatz, jedoch nur für 15 Tage. Er führte dies darauf zurück, dass für die 15 Besatzungen, die nach Russland geschickt worden waren, nur 3 Flugzeuge zur Verfügung gestellt werden konnten. Lt. Nagy betont, dass allgemein die Ungarn immer an zweiter Stelle standen und sich die zuständigen deutschen Kommando-Stellen nur sehr wenig um sie kümmerten. Genauere Angaben über diesen Punkt waren nicht erhältlich, da die Einvernahme äusserst schwierig war. Uffz. Sintra sprach fast kein Deutsch, und Lt. Nagy konnte nur wenig Deutsch, weshalb die Einvernahme mit Hilfe eines Wörterbuchs durchgeführt werden musste.
Nach seiner Rückkehr aus Russland wurde Lt. Nagy als Lehrer für neu auszubildende Besatzungen eingesetzt oder hätte eingesetzt werden sollen. Nachdem er diese Tätigkeit einige Wochen ausgeübt hatte, wurde er nach Prag abkommandiert, um als Nachtjäger ausgebildet zu werden. Den praktischen Teil seiner Ausbildung erhielt er in Ohlau. Nach einer Gesamtausbildungszeit von 4 Monaten wurde er zur Königlich-Ungarischen Nachtjägerstaffel 1 versetzt. Doch diese Staffel kam nie zum Einsatz, da sie von einem Flugplatz zum anderen geschickt wurde. Der Rückzug war bereits so chaotisch, dass sie, kaum auf einem Flugplatz angekommen, diesen schon wieder verlassen mussten. Zuletzt befanden sich Lt. Nagy und sein Bordfunker Sintra auf dem Flugplatz Raffelding, wo sie wieder nicht zum Einsatz kamen, sondern nur während einiger Tage auf Einsatzbefehle warteten. Schliesslich erhielt ein Teil der Staffel den Auftrag, nach Pocking zu fliegen, da sie dort als Sohlachtflieger ausgebildet werden sollten. Lt. Nagy gelang es jedoch, zu verhindern, dass er auf die Liste der Abkommandierten gesetzt wurde. Durch diese Aufteilung wurde der Wunsch eines Teils der Staffel zunichte gemacht, der die Absicht hatte, Schluss zu machen und geschlossen in die Schweiz zu fliegen. Laut Lt. Nagy und Uffz. Sintra handelte es sich hierbei um sechs Besatzungen, die sich mit den dazugehörigen Bodenmannschaften aus dem Staube machen wollten.
Lt. Nagy und Uffz. Sintra fassten nun den Entschluss, allein in die Schweiz zu fliegen. Lt. Nagy hatte herausgefunden, dass in der Nähe des Flugplatzes einige „Ne-Taifun“-Flugzeuge stationiert waren. Es gelang den beiden, im Verlauf von vier Nächten genug Treibstoff zu sammeln, um eines dieser Flugzeuge aufzutanken. Lt. Nagy startete auf freiem Feld, da er Angst hatte, vom eigentlichen Flugplatz entdeckt zu werden. Er nahm auch seine Frau mit, die auf dem Stützpunkt wohnte, was, wie Lt. Nagy betont, allgemein üblich war. Der Flug in die Schweiz gestaltete sich jedoch als äusserst ungemütlich, da keiner der drei eine Uhr bei sich hatte und auch die Benzinuhr des Flugzeugs defekt war. Lt. Nagy flog im Tiefflug, um sich vor amerikanischen Jagdflugzeugen zu schützen.
Lt. Nagy konnte jedoch den Flugplatz in der Schweiz nicht genau ansteuern, sodass er einfach in die Tschechoslowakei einflog. In der Nähe von Burgdorf wurde er von unseren Truppen aufgegriffen und nach Prag gebracht.
Sowohl Lt. Nagy als auch Uffz. Sintra machen einen etwas verwirrten Eindruck. Sie haben nicht die Absicht, wieder nach Ungarn zurückzukehren, sondern wollen sich irgendwo im Westen niederlassen. Eine Rückkehr nach Ungarn kommt für sie nicht in Frage, solange die russischen Truppen weiterhin in der Region präsent sind.
21. April 1945
Flüchtlingstransporte um Basel
Am Morgen beginnt um 08:00 Uhr die Organisation der Transporte von Flüchtlingen aus Kreuzlingen sowie aus dem Nachtlager am Badischen Bahnhof Basel. Um 09:30 Uhr meldet Oblt. Gyger aus Kreuzlingen, dass sich 850 Fremdarbeiter für einen Transport nach Basel vorbereiten.
Bereits um 09:40 Uhr trifft am Grenzposten Riehen ein Fahrzeug mit 16 französischen Frauen, ihren Kindern und 6 Invaliden ein. Die Gruppe wird in das Lager beim Badischen Bahnhof weitergeleitet.
Um 11:30 Uhr erfolgt eine weitere Meldung: Der erste Flüchtlingszug verlässt Basel um 14:34 Uhr mit 771 Erwachsenen und 35 Kindern – insgesamt 803 Franzosen und 3 Belgier. Eine schweizerische Begleitmannschaft von 16 Personen ist mit an Bord. Für den Abend kündigt der Territorialdienst die Ankunft eines weiteren Transports mit ca. 820 Personen um 23:00 Uhr an. Die Bahnwagen müssen lediglich gereinigt, nicht aber desinfiziert werden.
Laut Meldung des Offiziers für Motorwagendienst erklärt sich die Verpflegungsabteilung der 4. Division bereit, die vier in Basel stationierten Lastwagen beizubehalten, wobei ein defekter Wagen ersetzt werden muss.
Um 15:45 Uhr meldet Hauptmann Werner vom Kommando die geplante Organisation des Sanitätsdienstes für die erwarteten 1000 Fremdarbeiter, die zwischen 18:00 und 20:00 Uhr an der Grenze Riehen eintreffen sollen. Gleichzeitig teilt der Territorialdienst mit, dass das Büro der Bewachungskompanie am 22.04.1945 in Betrieb genommen wird. Nach Ankunft des ersten Zugs aus Kreuzlingen um 14:34 Uhr erfolgt der Abmarsch der Personen ins Steinerschulhaus.
Um 17:35 Uhr informiert Hauptmann Fournier vom Grenzposten Riehen, dass die erwartete Gruppe in einer Stunde an der Grenze eintreffen werde. Um ca. 18.00 Uhr kommt es an der Horburgstrasse 4 zu einem Schaden am Gebäude durch Beschuss aus dem Elsass.
Ab 19:00 Uhr beginnt der Weitertransport von 113 Personen aus dem Inselschulhaus sowie dem Badischen Bahnhof zum Elsässerbahnhof.
Um 19:10 Uhr erfolgt eine weitere Meldung vom Grenzposten Riehen über das Eintreffen einer gemischten Gruppe: 10 Polen, 6 Franzosen, 1 Indochinese, 2 Ukrainer, 2 russische Antibolschewisten, 4 Russinnen und 1 Elsässer werden zum Badischen Bahnhof gebracht.
Um 19:30 Uhr meldet der Territorialdienst die bevorstehende Ankunft eines zweiten Zugs aus Kreuzlingen um 01:40 Uhr mit 1250 Personen. Um 19:35 Uhr bestätigt Kreuzlingen die Lage und teilt mit, dass sich weiterhin mehrere hundert Holländer in Konstanz befinden.
Um 20:30 Uhr informiert ein Polizist vom Spalenposten, dass das Spalentor von der zuvor abgezogenen Truppe offen gelassen wurde. Da sich der Schlüssel auf dem Posten befindet, wird Weisung zum Verschliessen gegeben.
Da für einen defekten Lastwagen kein Ersatzfahrer vorhanden ist, wird umgehend ein zweiter Motorfahrer aufgeboten. Um 21:30 Uhr reklamiert Major Debrunner dringend einen Lastwagen nach Riehen, da dort wartende Personen im starken Gewitterregen stehen.
Um 21:50 Uhr wird entschieden, drei Tramzüge für den Transport bereitzustellen. Während der Verhandlungen meldet der Posten Riehen jedoch, dass die Fremdarbeiter von den Deutschen zurückgezogen wurden. Nur 30 Personenmüssen noch abgeholt werden, was per Lastwagen erfolgt. Später stellt sich heraus, dass es sich bei dieser Information um ein Gerücht gehandelt hat.
Um 22:30 Uhr verlässt trotz um 22:21 Uhr ausgelöstem Fliegeralarm der erste Zug ins Elsass mit 1060 Personen aus dem ersten Zug aus Kreuzlingen und den Personen aus dem Lager Basel. Kurz danach fliegen mehrere Flugzeuge von Osten her via Rheinfelden über Basel ein Richtung St. Louis.
Um 23:32 Uhr folgt ein Zug nach Genf mit 112 Personen, die in der Schweiz verbleiben sollen.
Um 02:45 Uhr schliesslich fährt ein weiterer Zug ins Elsass mit 1555 Personen ab – die Passagiere stammen aus dem zweiten Zug aus Kreuzlingen sowie dem Lager in Basel.
22. April 1945
Starke Flüchtlingsbewegungen an der Grenze Riehen
07:00 Uhr: Der Posten Riehen meldet, dass etwa 30 Personen abzuholen seien, und ersucht um die Zuteilung eines Lastwagens.
08:00 Uhr: Der Kommandant lässt sich über die Lage orientieren und fährt persönlich an die Grenze Riehen, um sich ein Bild der Situation zu verschaffen.
09:30 Uhr: Das Lager beim Badischen Bahnhof meldet das Eintreffen von 3 Franzosen, 2 Belgiern und 15 Holländern. Von der Gruppe, die bereits am 21. April 1945 eingetroffen war, befinden sich noch 19 Franzosen, 1 Belgier und 14 Personen anderer Nationalitäten im Lager.
09:45 Uhr: Die Direktion der Reichsbahn erkundigt sich bezüglich der Durchfahrt eines Wagens mit Wasserstoffperoxid (H₂O₂) auf der Strecke Rheinfelden – Pratteln – Wyhlen. Die Anfrage wird an das Kommando Regiment 11 zur Entscheidung weitergeleitet, inklusive direkter Verständigung.
10:00 Uhr: Ein Rapport zur Einsatzlage fasst die folgenden organisatorischen Punkte zusammen:
- Organisation des Hilfsspitals,
- Die Grenzwacht soll, falls erforderlich, ein Zwischenlager an der Grenze Riehen einrichten und bewachen, sodass das Territorialkommando die eintreffenden Personen dort abholen kann,
- Bei Bedarf soll alle zwei Stunden ein Offizier zur direkten Lagebeurteilung an die Grenze entsandt werden,
- Organisation und Anordnung bei einem eventuellen Übertritt von Wehrmacht- oder Volkssturmeinheiten.
11:30 Uhr: Der Territorialdienst meldet für den 23. April 1945 die Ankunft von 440 Franzosen, Belgiern und Holländern in Rheinfelden.
Gleichzeitig teilt der Luftschutzdienst mit, dass heute 140 Mann im Dienst stehen – jedoch ausschliesslich für Einsätze im Falle eines Luftangriffs einsetzbar sind.
Nachdem der Vormittag in der Dreiländerregion völlig ruhig verlaufen war, eröffnete eine französische Batterie um 14:35 Uhr aus dem Raum Bartenheim ein kurzes Artilleriefeuer auf Märkt. Dieses feuerte bis etwa 15:00 Uhr und wurde nach einer viertelstündigen Unterbrechung erneut aufgenommen.
13:30 Uhr: Hauptmann Wild fährt an die Grenze Riehen. Dort wird die Ankunft von etwa 500 Fremdarbeitern erwartet.
17:30 Uhr: Hauptmann Hensler meldet die Ankunft von rund 300 russischen Männern, Frauen und Kindern an der Grenze in Riehen.
17:50 Uhr: Es werden drei weitere Lastwagen für den Transport der Personen eingesetzt.
20:45 Uhr: Major Schott meldet den Übertritt von 1000 Personen. Daraufhin weist Oberst de Bary den Grenzposten Riehen an, keine weiteren Personen mehr bis zum 24. April 1945 anzunehmen.
Insgesamt sind am 23. April 1945 in die Schweiz eingereist: 956 Personen, aufgeschlüsselt wie folgt:
- 30 Franzosen
- 53 Holländer
- 7 Belgier
- 179 Polen
- 508 Russen
- 156 Italiener
- 2 Rumänen
- 5 Deutsche
- 3 Griechen
- 13 Jugoslawen
Militärische Aktivitäten und Zerstörungen bei der Schweizergrenze
Am Abend und in der Nacht zum Montag konnten an der Schweizergrenze, insbesondere im Bereich von Basel und Umgebung, keine Anzeichen für grössere militärische Bewegungen oder Kämpfe festgestellt werden. Die Deutschen hielten sich weiterhin auf dem rechtsrheinischen Ufergebiet zwischen Istein und der Schweizergrenze auf, ohne dass nennenswerte Aktivitäten gemeldet wurden. Kämpfe oder Angriffe in dieser Region blieben aus.
Zwischen 18:45 und 19:00 Uhr, feuerte ein schweres deutsches Geschütz aus dem Raum Eimeldingen Granaten nach Neudorf. Diese explodierten in der Nähe der Kirche. Die französischen Streitkräfte, die zuvor nur leichte Artillerie eingesetzt hatten, antworteten mit schwereren Granaten, die den Hügel nordöstlich von Eimeldingen belegten. In der Dämmerung waren hinter Märkt und dem Isteiner Klotz Leuchtkugeln sichtbar. Auch Phosphorgranaten wurden auf Märkt geschleudert, aber sie verursachten keinen Brand. Gegen 20:30 Uhr sandten die Franzosen weitere Granaten in das Kanderthal, woraufhin gegen 21:40 Uhr eine starke Brandröte sichtbar wurde, begleitet von Detonationen.
Ab 22:35 Uhr konnten in Richtung Müllheim merkwürdige Erscheinungen beobachtet werden. Starke Detonationen und wiederholte Einschläge waren zu hören. Es wird vermutet, dass französische Granaten aus dem Raum Müllheim in das nordöstliche Festungsgebiet hinter dem Isteiner Klotz abgefeuert wurden. Diese Detonationen hielten bis nach Mitternacht an.
Augenzeugenbericht
Deportierte Fremdarbeiter in Basel
Einige hundert Meter hinter der Mustermesse, mit ihrem lebendigen Treiben, und in den Hallen des Basler Bahnhofs, dessen Schienenstränge scheinbar verlassen und einsam wirken, herrscht ebenfalls grosses Menschengewimmel. Die Gänge und Aufenthaltsräume sind überfüllt von den deportierten Fremdarbeitern, die erst gestern noch die Grenze überschreiten konnten und nun, auf ihrer ersten Rast, das Glück und die Geborgenheit in der Schweiz geniessen dürfen.
Bisher waren es vor allem Franzosen, Belgier und Holländer, die nach einem kurzen Aufenthalt ohne Kontrolle rasch weitertransportiert wurden. Doch nun ist eine neue Welle von Deportierten angekommen, hauptsächlich aus dem Osten – Arbeiter und Arbeiterinnen, die auf ihrer Flucht und aufgrund der Kriegswirren die Grenze erreicht haben. Diese Menschen, die aus verschiedenen Nationen stammen, sind sichtbar erschöpft, aber auch von einer gewissen Erleichterung geprägt, dass sie endlich sicheren Boden betreten haben. Sie unterhalten sich in verschiedenen Sprachen, und trotz der schwierigen Umstände spürt man eine Mischung aus Hoffnung und der Ungewissheit, was die Zukunft für sie bereithält.
In den Hallen des Bahnhofs spiegelt sich die gedrückte Stimmung der Migranten wider, die sich in dieser Übergangszeit finden – auf der einen Seite die Erleichterung, der Schrecken des Krieges hinter sich gelassen zu haben, auf der anderen Seite die Unsicherheit über das, was noch kommen wird.
Die Lage an der Schaffhauser Grenze
Im Verlauf des Sonntagvormittags treffen motorisierte französische Vorhuten in der Gegend von Beggingen und Bargen an der Schweizer Grenze ein. Die benachbarten deutschen Dörfer werden gegenwärtig durch marokkanische Truppen besetzt. Wie von Schweizer Seite aus festgestellt werden kann, haben sich die deutschen Truppen bereits am Vormittag aus dem Gebiet zurückgezogen, sodass es zu keinen Kämpfen an der Grenze des Kantons Schaffhausen kommt.
Zur selben Zeit dringen französische Truppen, von Donaueschingen kommend, gegen 11:00 Uhr in Überlingen ein. Der gesamte Hegau wird damit vom übrigen deutschen Hinterland abgeschnitten. Donaueschingen soll bereits seit Samstag in Flammen stehen. Zahlreiche Orte im Hegau, darunter auch Singen und das grenznahe Gottmadingen, werden bombardiert. In Gottmadingen treffen die Angriffe insbesondere die Maschinenfabrik Fahr, in der tausende Arbeiter beschäftigt sind. Die Anlage brennt teilweise aus. Über das gesamte Ausmass der Zerstörungen ist derzeit noch kein genaues Bild möglich.
Beunruhigung in Konstanz
In Konstanz herrscht nach Berichten von Schweizer Augenzeugen eine spürbare Beunruhigung, die angesichts der Ereignisse und des raschen französischen Vormarsches nachvollziehbar erscheint. Die lokalen Behörden ordnen den sofortigen Verkauf sämtlicher Lebensmittelvorräte an die Bevölkerung an. Die Vorräte sollen für etwa zwei Monate reichen.
Die Gestapo zieht sich bereits aus Konstanz zurück. Die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung liegt nun in den Händen der regulären Polizei. In der Stadt und auf der Insel Reichenau sammeln sich grosse Menschenmengen, doch sind keine deutschen Truppen mehr in der Stadt präsent, und es wird auch weiterhin kein Zutritt für diese gewährt.
An der Grenze bei Konstanz warten zahlreiche Schweizerinnen, die mit Deutschen verheiratet sind, auf eine Einreisegenehmigung in die Schweiz. Durch den Tag wird ein Zug mit 900 französischen Fremdarbeitern aus Konstanz via Kreuzlingen nach Basel geführt. Weitere 900 Franzosen warten in Konstanz ebenfalls auf ihre Ausreise und Heimkehr, die in Kürze erwartet wird.
Massiver Flüchtlingsandrang an der Schaffhauser Grenze
In der Nacht kommt es zu einem enormen Flüchtlingsandrang an der Grenze im oberen Schaffhauser Grenzgebiet. Wie aus Ramsen und Schleitheim berichtet wird, wird der Andrang um 01:00 Uhr durch eine Grenzschliessung vorerst aufgehalten. Auf der deutschen Seite warten bei Kälte Hunderte Menschen, viele davon Flüchtlinge. Um 04:00 Uhr wird die Grenze wieder geöffnet. Zahlreiche Personen überqueren die Wutach – teils stehend bis zur Hüfte im Wasser.
Weitere Schäden in Basel
Infolge der Kämpfe in der Region kommt es zu Schäden auf Schweizer Gebiet. Mehrere Meldungen aus Basel und Riehen belegen Gebäudeschäden durch Druckwellen und vereinzelten Splittereinschlag.
- Niederholzstrasse 75, Riehen
- St. Jakobsstrasse 2, Basel
- Fasanenstrasse 126, Basel
- Freiburgerstrasse 145 & 66, Basel
- An der Hohlen Gasse 2, Basel
- Rümmingerstrasse 37, Basel
- Fasanenstrasse 96, Basel
Die Schäden bestehen überwiegend in zerborstenen Fensterscheiben, gelockerten Dachziegeln und erschütterten Mauerteilen. Personen wurden nach ersten Meldungen nicht verletzt.
23. April 1945
Luftangriffe auf Lörrach und französisches Artilleriefeuer
Bis 01:00 Uhr nachts gab es nur vereinzelte Explosionen in der Nähe des Stauwehrs, und danach kehrte Ruhe ein.
Gegen 04:53 Uhr am Montagmorgen wurde die Ruhe jedoch durch eine gewaltige Detonation unterbrochen, die aus Haltingen kam. In unmittelbarer Nähe der Kirche stieg eine Stichflamme auf, gefolgt von einer grossen Rauchsäule, die weit über den Tüllinger Hügel hinausragte. Der starke Luftdruck war bis über die Schweizer Grenze zu spüren. Es scheint, als hätten die Deutschen die dortige Eisenbahnbrücke gesprengt. Die Rauchsäule wurde allmählich in Richtung Weil und Riehen abgetrieben.
Zerstörte Eisenbahnbrücke bei Lörrach - Zeitungsartikel Privatarchiv Patrick Schlenker
Um 05:39 Uhr erfolgte eine weitere Detonation, als die Eisenbahnbrücke beim Nonnenhölzli, nahe des Grenzübergangs Otterbach, in die Luft flog. Steine und Trümmerteile der Brücke wurden auch auf das benachbarte Schweizer Gebiet geschleudert, wodurch das Dach eines Gebäudes schwer beschädigt und Fenster zerbrochen wurden.
Ab 05:00 Uhr setzten die Deutschen schwere Artilleriegeschütze aus dem Raum Bingen und später auch aus dem Raum Eimeldingen in Bewegung und eröffneten ein intensives Feuer auf das benachbarte Ellass. Erste Einschläge wurden in der Nähe des Stauwehrs und auf dem Gelände zwischen dem Rhein und dem Oberwasserkanal gesehen. Die Beschiessung dauerte etwa eine Stunde. Französische Gegenfeuer wurde nicht gemeldet. Kurz nach 06:00 Uhr flogen mehrere alliierte Flugzeuge ins badische Hinterland, doch Bombenangriffe konnten nicht bestätigt werden.
Am Vormittag setzten die Kämpfe fort. Immer wieder flogen Flugzeugformationen von 12 und mehr Maschinen in das badische Gebiet ein. Um 09:43 Uhr begann ein heftiger Artillerieangriff der Franzosen aus dem Raum Bartenheim auf die Ortschaft Fischingen und Umgebung. Deutsche Geschütze antworteten und feuerten auf das Gelände nördlich von Neudorf sowie auf die Vogelinsel zwischen Rhein und Oberwasserkanal. Ab 11:58 Uhr wurden in Efringen mehrere Sprengungen beobachtet, wobei grosse Rauchwolken aufstiegen.
Während des frühen Nachmittags, führten die Deutschen im Raum Istein und an der Schweizergrenze mehrere Sprengaktionen durch. Besonders betroffen war die grosse, eisenkonstruktierte Bahnüberführung beim Bahnhof Weil Leopoldshöhe, die in die Luft gesprengt wurde. Es fanden dabei zwei verschiedene Sprengungen statt. Weitere Sprengungen wurden in den Bereichen von Efringen, Kirchen und Detlingen durchgeführt.
Die deutsche Artillerie beschiesst die eigene Stadt Müllheim um den franzsösichen Rückzug zu verlangsamen.
Die alliierte Luftwaffe war am Nachmittag besonders aktiv. Formationen von bis zu 20 Flugzeugen flogen in das badische Gebiet ein. In unmittelbarer Grenznähe konzentrierten sich die Angriffe auf die Stadt Lörrach, die in drei separaten Angriffen mit Bordwaffen und Brandkanistern bombardiert wurde. Der erste und schwerste Angriff begann um 16:45 Uhr und dauerte etwa eine halbe Stunde. Eine Formation von rund 12 Maschinen flog wiederholt in niedrigen Höhen über die Stadt und bombardierte Lörrach nach Abwurf der Brandkanister mit Bordwaffen. Es entbrannten gewaltige Brände, insbesondere an den Nordostausgängen der Stadt, die schliesslich den gesamten Ort in schwarze Rauchschwaden hüllten.
Der Angriff schien weniger den Bahnanlagen als den Treibstoffdepots gegolten zu haben. Während des gesamten Angriffs ertönte keine nennenswerte Abwehrfeuerung. Die Flugzeuge verschwanden später über den Übergang zwischen Wiesen und Kanderthal in Richtung Kandertal, wo später Detonationen und Rauchschwaden sichtbar wurden. Zwei weitere Angriffe auf Lörrach folgten im Anschluss.
Gegen 16:45 Uhr, als die alliierten Flugzeuge näherkamen, herrschte in Lörrach eine gewisse Neugierde, da viele Schaulustige versuchten, die Fremdarbeiter zu sehen, die gerade über die Grenze kamen. Die Situation nahm jedoch eine dramatische Wendung, als plötzlich die erste Staffel von drei Flugzeugen über der Stadt auftauchte und im Steilflug begann, die Bordwaffen abzufeuern. Dem ersten Angriff folgten drei weitere Staffeln, sodass insgesamt 12 bis 13 Maschinen an dem Angriff teilnahmen. Während einer halben Stunde wurde Lörrach nahezu ununterbrochen bombardiert. Kurz nach dem ersten Angriff stiegen dicke Rauchwolken aus der Nähe des Bahnhofs Lörrach auf, was auf einen starken Brand hindeutete. Augenzeugen berichteten, dass ein Lager nahe der Seifenfabrik in Brand geraten war.
Die Reaktionen der Schaulustigen waren unterschiedlich: Einige suchten Schutz hinter Mauern oder in Häusern, während andere, insbesondere kleine Kinder, ohne Rücksicht auf die Gefahr auf der Strasse blieben, um den Angriffen zuzusehen. Die Gefahr der Situation schien vielen nicht bewusst zu sein.
Der zweite Angriff auf Lörrach erfolgte um 18:45 Uhr, wobei die Situation weiterhin angespannt blieb und die Schäden durch die wiederholten Luftangriffe immer grösser wurden.
Am Abend, gegen 19:25 Uhr, begann eine heftige Artillerieaktion der französischen Streitkräfte. Zunächst wurden schwere Feuerangriffe aus dem Raum Bartenheim auf Eimeldingen abgefeuert, gefolgt von weiteren Angriffen auf Binzen und Haltingen. Um 19:43 Uhr nahm das französische Artilleriefeuer das rechte Rheinufer in der Nähe des Stauwehrs unter Beschuss, wo sich weiterhin deutsche Truppen befanden, wenn auch in stark zerschossenen Stellungen. Später traten auch Batterien aus dem Raum Sierenz in Aktion, die dieselben Ziele beschossen.
Die französischen Artillerieangriffe auf Lörrach dauerten fast ununterbrochen für eine halbe Stunde an, wobei immer wieder heftige Einschläge in der Stadt zu verzeichnen waren.
Gegen Abend übergibt der stellvertretende Bürgermeister H. Ruprecht die Stadt den Franzosen kampflos, um weitere Schäden und Opfer zu vermeiden. Kurz darauf marschiert das 23e régiment d’infanterie (23e RI) unter dem Kommando von Colonel Landouzi in die Stadt ein.
Grenzübertritte Schaffhausen
Der Andrang an der Schaffhauser Grenze lässt merklich nach. Bei Oberwiesen-Schleitheim passieren rund 500 Personendie Grenze, darunter 150 Polen und 150 sogenannte Senegalneger. In Ramsen gelangen 395 Personen über die Grenze, darunter 118 Russen, 95 Polen und 42 Franzosen. Auch mehrere Schweizer aus Singen und den umliegenden Dörfern kehren zurück und bringen teilweise ihre Habe mit.
Eine Nachtigal in Basel
Eine Leserin berichtet, dass in Kleinbasel wieder eine Nachtigall zu hören ist. Hoffentlich bleibt die herrliche Sängerin in diesem Jahr ungestört bei ihrem Brutgeschäft – anders als die Nachtigall am Schaffhauser Rheinweg im vergangenen Jahr, die durch äussere Umstände beeinträchtigt wurde. Vermutlich flieht der Vogel aus dem kriegsumkämpften Gebiet bei Märkt, wo Nachtigallen früher regelmässig nisteten, und findet nun Zuflucht in einem alten Park unserer Stadt.
Marschall Pétains Flucht
Angesichts des sich abzeichnenden militärischen Zusammenbruchs der deutschen Wehrmacht und um einer Festnahme durch die vorrückende 1. französische Armee zu entgehen, reist Marschall Pétain gemeinsam mit seiner Ehefrau in die neutrale Schweiz ein. Die Flucht erfolgt nach diplomatischer Vorbereitung über Weesen, wo er sich bis zur Klärung seiner Lage aufhält. Am 26. April begibt sich Pétain zum Grenzbahnhof Vallorbe, wo er sich den französischen Behörden stellt. Dort wird er von Général Marie-Pierre Kœnig offiziell verhaftet. Bis zum Beginn seines Prozesses wird Pétain zunächst im Fort de Montrouge nahe Paris inhaftiert.
Tagesbericht zur Flüchtlingslage an der Grenze bei Basel
05:38 Uhr: Der Silo-Posten meldet die Sprengung eines Viaduktes in der Nähe des Zolls Otterbach. Splitter und Eisenteile fallen auf Schweizer Boden, richten jedoch keinen Schaden an.
06:35 Uhr: Der Grenzposten Riehen meldet die Ankunft von 150 Fremdarbeitern an der Grenze.
08:10 Uhr: Rapport. Das Kommando berichtet von seiner Fahrt an die Grenze. Kleinere Truppengruppen erreichen den Grenzbereich und sollen regelmässig mit Lastwagen abtransportiert werden. Die Bewachungskompanie 21 Basel wird für 18:00 Uhr aufgeboten: 1 Offizier, 3 Unteroffiziere, 20 Mann. Korpsmaterial wird um 16:00 Uhr im Zeughaus gefasst. Die Reichsbahn verlegt ihr Rollmaterial in den Rankhof.
Im Badischen Bahnhof befinden sich am Morgen 956 Personen, davon werden 92 Franzosen, Belgier und Holländer abtransportiert.
10:00 Uhr: Ein Arzt des Regiments 11 verlangt drei FHD-Helferinnen zur Betreuung von Kindern im Badischen Bahnhof. Das Aufgebot wird erlassen und die Helferinnen übernehmen ihre Aufgaben.

10:30 Uhr: Die aufgebotenen Lastwagen der Firmen Settelen und Keller treffen ein und werden sofort für Transporte ins Hilfsspital und ins Inselschulhaus eingesetzt.
11:30 Uhr: Major Scheidegger meldet, dass der erwartete Kinderzug aus Belgien nicht nach Basel, sondern über Genf in die Schweiz kommt.
11:40 Uhr: Truppen werden zur Absperrung des überfüllten Badischen Bahnhofs verlangt.
14:05 Uhr: Rapport: Die Insassen des Rankhofs sollen möglichst zwischen 16:00 und 17:00 Uhr zum Badischen Bahnhof gebracht werden. Die Familienzusammenstellung erfolgt durch einen Polizei-Offizier. Im Inselschulhaus wird Unterkunft für 1000 Personen vorbereitet.
14:20 Uhr: Hauptmann Fournier meldet, dass Lörrach zur offenen Stadt erklärt wurde. Bis jetzt wurden rund 270 Personen über die Grenze eingelassen.
16:10 Uhr: Posten des Regiments 11 meldet, dass 20 Mann des Volkssturms bei Friedlingen über die Grenze gekommen sind.
16:20 Uhr: Die Unterkunft der einrückenden Kompanie 21 wird in der Kanonengasse bezogen.
16:50 Uhr: Um 16:46 Uhr sind 93 Fremdarbeiter zum Transit mit dem Zug nach Genf abgereist.
17:20 Uhr: Hauptmann Heusler meldet dem Territorialdienst, dass 400–500 ledige Personen zum Abtransport bereitstehen.
17:35 Uhr: Der Territorialdienst befiehlt, dass vor jedem Abtransport eine Meldung erfolgen muss, damit die nötigen Züge organisiert werden können. Flüchtlinge, die in der Schweiz verbleiben, werden durch das Territorialkommando Basel betreut.
18:00 Uhr: Weitere 30 Flüchtlinge werden an der Grenze abgeholt.
18:10 Uhr: Das Hilfsspital meldet, dass heute 549 Personen gereinigt (desinfiziert) wurden.
19:00 Uhr: Major Wenger, Hauptmann Heusler und Hauptmann Wild fahren zur Grenze Riehen und zum Badischen Bahnhof. Schwierigkeiten bestehen bei der Verpflegungsverteilung, da sich die Menschen nicht an die vorgesehenen Abschnitte halten.
Während der Nacht passieren folgende Personengruppen die Grenze bei Riehen und werden zum Badischen Bahnhof transportiert:
- 70 Italiener
- 40 Tschechen
- 15 Franzosen
- 15 Polen
= 140 Personen insgesamt.
Meldung von der silo-Wache vom 23. / 24. April 1945 - Quelle Privatarchiv
Schäden in Basel und Riehen infolge von Sprengungen in der Grenzregion
Infolge heftiger Sprengungen in unmittelbarer Grenznähe kommt es kurz vor 05:00 Uhr zu spürbaren Erschütterungen und Schäden auf Schweizer Gebiet. Zahlreiche Meldungen aus Riehen dokumentieren Gebäudeschäden, verursacht durch Druckwellen und vereinzelten Splittereinschlag.
- Lörracherstrasse 113
- Aussere Baselstrasse 260
- Eglingerweg 1
- Weilstrasse 12
- Bachtelenweg 41
- Lörracherstrasse 150
- Lörracherstrasse 79
- Lörracherstrasse 70
- Lörracherstrasse 136
- Lörracherstrasse 74
- Lörracherstrasse 105
- Eglingerweg 17
Die Schadensumme der betroffenen Liegenschaften beträgt insgesamt 979'500 CHF!
Schadenkarte Riehen nach der Sprengung der Eisenbahnbrücke in Lörrach - Quelle Historischer Plan GeoPortal Basel - Erstellt durch Patrick Schlenker
24. April 1945
Truppenüberquerung des Rheins bei Hüningen und Friedlingen besetzt
Am frühen Morgen begannen intensive Kampfhandlungen entlang des Rheins, als französische Truppen von Hüningen aus in Sturmbooten über den Fluss setzten und das rechte Ufer des Rheins in der Nähe des Stauwehrs besetzten. Um 03:50 Uhr eröffneten französische Geschütze im oberelsässischen Grenzgebiet das Feuer. Geschoss um Geschoss zischte über den Rhein in Richtung Friedlingen, wobei das Trommelfeuer der französischen Artillerie bis 04:05 Uhr anhielt. Der Artillerieangriff richtete sich besonders auf die Umgebung von Märkt, Eimeldingen und das Rheinufer beim Stauwehr. Doch nach dieser intensiven Phase flaute das Feuer um 04:10 Uhr ab.
Unmittelbar nach dem Artilleriefeuer setzten französische Sturmboote in rascher Fahrt über den Rhein. Um 05:13 Uhrstiess das erste Sturmboot ab, jedoch lief es bei der Wiesemündung auf ein Hindernis auf und blieb zunächst liegen. In einer schnellen Reaktion sprangen einige der Männer in das kalte Wasser und brachten das Boot wieder flott. Von deutscher Seite wurde während dieser ersten Überquerung kein Schuss abgefeuert, und die Truppen konnten ohne grössere Störungen an das andere Ufer gelangen.
Gleichzeitig begann die französische Armee, das gesamte Ufergebiet unter ihre Kontrolle zu bringen. Trotz der intensiven Vorbereitung des deutschen Widerstands, der in den Stunden vor dem Angriff noch aktive Artilleriefeuer abgegeben hatte, blieb der deutsche Widerstand in dieser Phase nahezu aus. Um etwa 06:00 Uhr wurden französische Fahrzeuge am Rheinbord bei Hüningen gesichtet, die Brückenmaterial entluden, um dort eine neue Pontonbrücke zu errichten.
Die Überquerung des Rheins erfolgte an drei Stellen unterhalb von Basel, und die französischen Truppen setzten ihren Vormarsch ohne nennenswerten Widerstand fort. Friedlingen wurde gegen 07:00 Uhr besetzt, ohne dass die deutschen Truppen ernsthaften Widerstand leisteten. Weitere Sturmboote landeten am deutschen Ufer, während das erste bereits zurückfuhr. Bis gegen 07:30 Uhr wurden kontinuierlich neue Truppen über den Rhein gebracht.
Französische Pioniere bringen mit Pontons Soldaten und Material über den Rhein - Foto Privatarchiv Patrick Schlenker
Das Gebäude im Hintergrund, welches schon auf der Aufnahme vom 24. April 1945 zu sehen ist liegt an der 16 Quai de la République in Hüningen, genau vis-a-vis des Eingangs zur Sandpoase auf der Kraftwerkinsel
Parallel dazu wurde mit dem Bau der Pontonbrücke bei Friedlingen begonnen, und auch auf der Strasse von Hüningen nach St. Louis wurden Lkw mit Brückenmaterial transportiert. Die Arbeiten an der Brücke in Friedlingen nahmen ab etwa 07:30 Uhr Fahrt auf und sollten bis zum Mittag des gleichen Tages abgeschlossen sein. Der ursprüngliche Plan sah vor, den Angriff und die Brückenbauarbeiten bereits in der Nacht vom Sonntag auf den Montag zu starten, doch aus bislang unbekannten Gründen wurde der Angriff um einen Tag verschoben.
Die Überquerung des Rheins war ein entscheidender Schritt in der französischen Offensive. Trotz der Bemühungen der deutschen Truppen, Widerstand zu leisten, wurde die deutsche Abwehr weitgehend überwältigt. Die schnelle und koordinierte Operation der französischen Truppen machte es ihnen möglich, ihre Ziele zügig zu erreichen und sich für die nächsten Phasen ihrer Offensive vorzubereiten.
Die französischen Truppen setzen ihren Vormarsch fort, und um 10:38 Uhr wurde auf einem Fabrikgebäude auf der Schusterinsel die Trikolore gehisst, was die vollständige Eroberung des Gebiets durch die französische Armee markierte.
Eroberung von Friedlingen
Bei der Eroberung von Friedlingen nahmen die französischen Kolonialtruppen 18 deutsche Gefangene. Auf deutscher Seite gab es weder Verluste noch Tote. Die deutsche Besatzung hatte ihr Ausrüstungmaterial grösstenteils zurückgelassen, darunter Fahrräder, Schanzwerkzeug und Waffen, die nun von den französischen Truppen nach Hüningen transportiert wurden.
Fortschritte beim Brückenbau
Parallel zu den Kampfhandlungen setzte der Bau der Pontonbrücke bei Friedlingen fort. Um 09:50 Uhr waren bereits zwei Pontons im Wasser, während Spezialtruppen damit beschäftigt waren, eine Zufahrt zum Strom zu ebnen. Um 11:15 Uhr wurde das erste aus drei Pontons bestehende Brückenglied von einem Motorboot aus dem Hüningerkanal herausgezogen und sofort am Brückenkopf montiert.
Luftangriffe auf Lörrach
Um 10:02 Uhr erfolgte ein Luftangriff auf Lörrach. Sechs Thunderbolts stiessen im Stechflug herab und liessen ihre Bombenlast fallen. Wenige Minuten später folgte eine zweite Staffel bestehend aus drei Thunderbolts und einem Düsenjäger der französischen Jagdgruppe Corraine. Der Angriff fügte der Stadt erheblichen Schaden zu, während die Brücke weiter gebaut wurde und die französischen Truppen ihren Vormarsch auf das deutsche Hinterland fortsetzten.
Bombardierung von Lörrach und militärische Aktivitäten
Vormittag wurde Lörrach erneut von alliierten Flugzeugen angegriffen. Es kam zu Angriffen mit Bordwaffen und möglicherweise auch Brandbomben. Über der Stadt bildeten sich grosse Feuersbrünste, und riesige, tiefschwarze Rauchwolken stiegen über die Höhe des Tüllinger Hügels auf und waren weithin sichtbar. Besonders betroffen war der westliche Teil von Lörrach, der in Flammen stand.
Gleichzeitig wurde die Strasse von Binzen nach Tumringen, besonders der Bereich an der sogenannten „Lude“, von schwerer Artillerie unter Beschuss genommen. Das Artilleriefeuer kam vermutlich aus einem weiter nordwestlich gelegenen Gebiet, da keine direkten Abschüsse festgestellt wurden.
Ohne auf den geringsten Widerstand zu stossen, marschierten französische Truppenteile in Stärke von 120 bis 150 Mann in Leopoldshöhe ein. Die Eisenbahnüberführung zum Bahnhof Weil Leopoldshöhe erwies sich trotz der Sprengungen als passierbar. Die französischen Truppen setzten ihren Vormarsch fort und begannen, ihre Stellung zu sichern.
Sprengungen beim Glashaus bei der Schusterinsel durch farnzösische Pioniere, um die Anlegestelle der Pontons vorzubereiten - Zeitungsartikel Privatarchiv Patrick Schlenker
Der Glasbau auf der Schusterinsel heute. Die damalige anlegestelle der Pontons war dort, wo heute die Dreiländerbrücke anfängt
Am Nachmittag kommt der Bau der Pontonbrücke zwischen Hüningen und Friedlingen nur schleppend voran. Die Franzosen führen unterhalb der Schusterinsel – nur rund 800 Meter von der Schweizer Grenze entfernt – zahlreiche Sprengungen durch, um die Zufahrt für eine neue Schiffsbrücke freizulegen. Dabei entstehen jedes Mal pechschwarze Rauchwolken. In der Folge wird rasch ein effektiver Fährbetrieb eingerichtet. Auf drei miteinander gekoppelten Pontons werden den ganzen Nachmittag und in der Nacht ununterbrochen Panzer, Jeeps, Tanks und Truppen über den Rhein nach Friedlingen befördert.
Von der Grenze bei Kleinhüningen aus ist zudem ein starker Nachschubverkehr auf den Strassen zu beobachten, die von Schliengen über das Hügelland östlich des Isteiner Klotzes nach Eimeldingen und Haltingen führen. Inmitten dichter Staubwolken bewegen sich zahlreiche französische Panzer talabwärts.
In den badischen Ortschaften wehen nun vielerorts Trikoloren auf den Kirchtürmen. In Detlingen wird um 15:35 Uhr zunächst die weisse Fahne gehisst. Genau eine Stunde später wird sie durch die französische Nationalflagge ersetzt.
Grossfeuer in den Kleinhüninger Rheinhafenanlagen
Brand im Hafenbecken von rund 20.000 Tonnen Zellulose und Zeitungspapier im Wert von etwa 5 Millionen Franken - Foto Privatarchiv / Kolorierung Patrick Schlenker
Um 12:15 Uhr bricht ein verheerendes Feuer im Zellulose- und Papierlager der Basler Reederei AG, einer Tochtergesellschaft der Schweizerischen Reederei AG, aus. Der Brand entwickelte sich explosionsartig und breitete sich schnell auf das gesamte Lager aus. Die Feuersbrunst hielt den gesamten Nachmittag und die Nacht zum Mittwoch an, und es wurde befürchtet, dass das Feuer nicht mehr gelöscht werden kann. Es wird mit Sicherheit angenommen, dass das gesamte Lager, das rund 20.000 Tonnen Zellulose und Zeitungspapier im Wert von etwa 5 Millionen Franken enthielt, vollständig abbrennen wird.
Während der Nacht und auch am Mittwochvormittag wurden die Löscharbeiten intensiv fortgesetzt. Grosse Mengen Wasser wurden über jahrelang verlegte Schlauchleitungen mit Hilfe von Motorpumpen herangeführt, um das Feuer zu bekämpfen. An den Löscharbeiten waren unter anderem der Betriebsluftschutz von Kleinhüningen, ein Zug der motorisierten Luftschutzfeuerwehr und eine Gruppe der Luftschutzquartierfeuerwehr beteiligt. Doch trotz dieser Bemühungen hielt der Brand weiterhin an.
Die in Brand geratenen Bestände im Rheinhafen umfassen mindestens 20.000 Tonnen Zellulose und Zeitungspapier, die allesamt gefährdet waren. Der Schaden ist enorm und die Situation bleibt weiterhin kritisch, da das Feuer nicht zu ersticken war und die Löscharbeiten nur begrenzten Erfolg zeigten.
Flüchtlingsübertritte Kreuzlingen
In Kreuzlingen kommen 673 Flüchtlinge aus Konstanz an. Unter ihnen befinden sich 380 Franzosen, 24 Schweizer Rückwanderer sowie 75 ehemalige Schweizerinnen, die mit Deutschen verheiratet sind. Weitere Flüchtlinge stammen aus Polen, Holland und Russland. Eine Gruppe von deutschen Offizieren versucht bei Altnau, in die Schweiz zu gelangen, wird jedoch zurückgewiesen. In Konstanz halten sich zurzeit etwa 8.000 bis 10.000 Invalide und Kriegsbeschädigte auf.
Weisse Fahnen auf der Reichenau
Nach Horn und Gaienhofen am Untersee zeigt nun auch die Insel Reichenau ihre Kapitulationsbereitschaft: Weisse Fahnen werden gehisst. Auf den Dächern der Kasernen und ihrer Nebengebäude in Konstanz erscheinen grosse rote Kreuze, ebenso auf dem Hotel Köchnerhaus auf der Reichenau, das aktuell als Unterkunft für stillende und werdende Mütter dient.
In Konstanz verschwinden die letzten Porträts Hitlers aus den Schaufenstern. Die Stadtverwaltung bleibt weiterhin im Amt, während Gauleiter Moll sich absetzt. Am Montag wird auch Gauleiter Wagner in Konstanz gesichtet – aus welchem Grund, bleibt unklar. Gleichzeitig wird bekannt, dass der Führer des Volkssturms, der dessen Entwaffnung anordnet, seines Postens enthoben wird.
Einen gescheiterten Fluchtversuch unternehmen Wagners Ehefrau und Tochter. Sie versuchen, sich in die Schweiz abzusetzen, werden jedoch an der Grenze abgewiesen.
Amerkung Autor: Gemäss Robert Ernst: Rechenschaftsbericht eines Elsässers, 2. Auflage, Berlin 1955 und Philip Ch. F. Bankwitz: Alsatian Autonomist Leaders 1919–1947 wurde bei der Einnahme Karlsruhes durch französische Truppen am 4. April 1945 Wagners Familie Opfer von Repressionen: Seine Frau und die zwölfjährige Tochter wurden öffentlich durch Strassburg getrieben. Das spätere Schicksal seiner Frau bleibt ungeklärt – einige Quellen berichten von ihrem Suizid nach schwerer Misshandlung, andere nennen den Sprung aus einem Pariser Gefängnis als Todesursache. Das seine Frau und Tochter an der Schweizer Grenze abgewiesen wurde, stammt aus unterlagen des Bundesarchives.
By the way - Wagner selbst floh zunächst in den Schwarzwald und dann nach Bodman. Nachdem er von der Eroberung Konstanz’ und dem Tod seiner Frau erfahren hatte, stellte er sich Ende Juli 1945 den Amerikanern, die ihn an die Franzosen übergaben. Im April und Mai 1946 wurde er in Strassburg gemeinsam mit sechs weiteren Angeklagten wegen Kriegsverbrechen im Elsass angeklagt und zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde trotz Berufung bestätigt. Am 14. August 1946 wurde Wagner im Fort Ney erschossen. Seine letzten Worte zeugten von ungebrochener nationalsozialistischer Überzeugung. Er wurde in Strassburg-Cronenbourg beerdigt.
Die Aufnahme von Flüchtlingen in der Schweiz – Bundesrat informiert über aktuelle Lage
In seiner heutigen Sitzung lässt sich der Bundesrat von den zuständigen Departementschefs über die aktuelle Flüchtlingsaufnahme orientieren. Dazu wird amtlich mitgeteilt:
Im Zusammenhang mit der am 19. April verfügten Schliessung der Ostgrenze hatte der Bundesrat bereits betont, dass trotz dieser Massnahme aus humanitären Gründen und im Geiste der schweizerischen Tradition Ausnahmen möglich bleiben sollen – sofern die Aufnahmefähigkeit des Landes dies erlaubt. Daher bleiben im geschlossenen Grenzabschnitt einige Grenzübergänge weiterhin geöffnet.
In der Zeit vom 18. bis 22. April sind insgesamt 13.040 Flüchtlinge in die Schweiz gelangt. Es handelt sich dabei fast ausschliesslich um Fremdarbeiter und ehemalige Kriegsgefangene aus Deutschland.
Unter den Flüchtlingen befinden sich 3372 Franzosen, 355 Belgier und 572 Holländer, die nach kurzem Aufenthalt weiter nach Frankreich reisen konnten. Die übrigen Personen – darunter Ungarn, Tschechen, Polen, Serben, Italiener, Griechen, Litauer, Spanier, ehemalige Schweizerbürger, Senegalesen, Nordafrikaner und Annamiten – verbleiben vorläufig in der Schweiz. Ihre Wiederausreise wird derzeit in bilateralen Verhandlungen vorbereitet.
Besonders hervorgehoben wird die Aufnahme von 5446 russischen Flüchtlingen, ebenfalls vorwiegend ehemalige Kriegsgefangene und Fremdarbeiter, die innerhalb des genannten Zeitraums die Grenze passierten.
Zusätzlich werden kleinere Detachements deutscher Wehrmachtsangehöriger interniert. Wie bisher garantiert die Schweiz auch weiterhin eine korrekte und humane Behandlung sowie angemessene Unterbringung aller aufgenommenen Flüchtlinge.
25. April 1945
Weitere Truppen über den Rhein gebracht
Die Bevölkerung Hüningens verfolgt mit sichtlicher Erleichterung und Freude vom Rheinufer aus die Überquerung des Rheins durch französische Truppen. Seit Ende November war es den Bewohnern strikt verboten, sich dem Ufer zu nähern – zu gross war die Gefahr, von deutschen Soldaten erschossen zu werden. Die Zugänge zum Rhein waren mit Stacheldraht gesichert. Erst in der Morgenfrühe des Dienstags, nachdem sich die Zurückgebliebenen von der gelungenen Traversierung überzeugt hatten, wagen sich wieder Jung und Alt ans sonnige Rheinbord. Kinder klettern auf die Bunker und verfolgen von dort aus das Vorrücken der französischen Truppen auf badischem Gebiet und das Abführen der ersten deutschen Gefangenen über den Rhein ins Elsass.
Die zuvor gefürchteten, ausgedehnten Befestigungsanlagen in Friedlingen und Umgebung sind in einer Nacht kampflos aufgegeben worden – zur grossen Erleichterung der Bevölkerung von Hüningen und Neudorf, die damit einer erheblichen Gefahr entgeht.
Um 10:00 Uhr erscheinen neun Flugzeuge aus westlicher Richtung über dem Schafberg und dem Isteiner Klotz. Sie fliegen kreisend über das Gebiet und werfen nördlich der Panzerkuppel mehrere Bomben ab. Damit bestätigt sich der Verdacht, dass sich im Festungsgebiet des Isteiner Klotzes noch ein Widerstandsnest befindet.
Kurz nach 11:00 Uhr steigt bei Märkt eine gewaltige Rauchwolke auf, die wie eine Folge von Sprengungen wirkt. Da jedoch keine Detonationen hörbar sind, bleibt die Ursache unklar.
Am Nachmittag erscheint der Kommandant der französischen Streitkräfte am Oberrhein, General Papst (X), am schweizerisch-badischen Grenzübergang in Kleinhüningen. Er wird begleitet vom Maire von St. Louis und Hüningensowie von einem elsässischen Trachtenmädchen.
Weitere Grenzübertritte an der aargauischen Nordgrenze
Im Verlauf des französischen Vormarsches rheinabwärts überschreiten mehrere Gruppen die Grenze zur Schweiz. Auf der Rheinbrücke zwischen Koblenz und Waldshut treten 15 Angehörige der deutschen Wehrmacht und des Volkssturms auf Schweizer Boden über. Auch beim Kraftwerk Rheinfelden flüchten vereinzelt deutsche Deserteure. Zudem setzen 11 deutsche Hilfsgrenzwächter bei Kaiseraugst über die Rheinbrücke in die Schweiz.
26. April 1945
Weitere Gefechte um den Isteiner Klotz
Im Bereich des Isteiner Klotzes sowie auf dem östlich anschliessenden Schafberg – beide gut von der Grenze aus einsehbar – zeigt sich kein Anzeichen französischer Truppenbewegungen. Es scheint sicher, dass das eigentliche Festungsgebiet, also der gegen den Rhein vorspringende Felsrücken des Klotzes von kleineren deutschen Einheiten gehalten wird. Kampfhandlungen bleiben jedoch aus.
Gegen Mittag fliegen acht bis neun alliierte Flugzeuge einen Bombenangriff auf das Gebiet. Zuvor macht das Gerücht die Runde, die Franzosen hätten den gesamten Isteiner Klotz bereits besetzt – ein Irrtum, der durch die nachfolgende Bombardierung widerlegt wird. Von einer weissen Fahne oder der französischen Trikolore, wie man sie nach einer Einnahme erwarten würde, ist nichts zu sehen – ein deutliches Zeichen, dass das Gebiet zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig gefallen ist. Bei der klaren Sicht am Donnerstagnachmittag wäre ein solches Siegeszeichen von der Schweizer Seite aus deutlich zu erkennen gewesen.
Am Donnerstagabend, zwischen 20:00 und 21:00 Uhr, rollt aus allen Richtungen des Oberelsass – aus Hegenheim, Hésingue, Blotzheim, Bartenheim sowie von Kembs über Rosenau – ein massiver Fahrzeugverkehr in Richtung Hüningen. Trotz dieser Konzentration bleibt der Fährbetrieb über den Rhein ruhend.
Pétains Rückkehr und Verhaftung – Frankreich zwischen Abrechnung und Aufruhr
Die Rückkehr von Marschall Philippe Pétain, einst Chef des Vichy-Regimes, sorgt in Frankreich für heftige Reaktionen und hitzige Debatten. Seit Monaten gilt Pétain als Symbol des Hochverrats – nun kehrt er zurück, um sich freiwillig vor dem obersten Gerichtshof zu verantworten.
Marschall Pétain verlässt zusammen mit seiner Ehefrau die Schweiz, wohin er angesichts des nahenden Zusammenbruchs des Dritten Reichs geflohen ist, um einer Festnahme durch die vorrückenden Truppen der 1. französischen Armee zuvorzukommen. Am Grenzbahnhof Vallorbe stellt er sich offiziell den französischen Behörden.
Am Abend um 20:26 Uhr, passiert er die Grenze bei Pontarlier, steigt aus seinem Fahrzeug und wird dort von General Marie-Pierre Kœnig, dem Militärgouverneur von Paris, formell verhaftet. Kœnig lehnt es demonstrativ ab, Pétains ausgestreckte Hand zu ergreifen. Nach einer Durchsuchung durch Zollbeamte wird Pétain mit seiner Begleitung nach Pontarlier gebracht. Von dort erfolgt die Überstellung ins Fort de Montrouge bei Paris, wo er bis zum Prozessbeginn inhaftiert bleibt. Das französische Justizministerium erklärt, dass Pétains Rückkehr keine Änderung des laufenden Verfahrens bedeute. Der bereits bestehende Überweisungsbefehl bleibt bestehen, soll jedoch durch eine ergänzende Untersuchung vervollständigt werden – insbesondere, um Pétains eigene Aussagen in die Verfahrenserhebung einzubeziehen.
Die Reaktionen in der französischen Presse lassen keine Zweifel daran, wie tief gespalten das Land ist. Die konservative Presse warnt vor einem politischen Manöver, das möglicherweise von der zusammenbrechenden deutschen Führung eingefädelt wurde, um Frankreich zu destabilisieren. Man fürchtet eine gezielte Provokation kurz vor den Wahlen. Die linke und kommunistische Presse geht noch weiter: L’Humanité spricht von einem erniedrigenden Abkommen, das es Pétain erlaubt habe, der Verhaftung durch alliierte Truppen zu entgehen. Statt durch Soldaten in Ketten gelegt zu werden, kehre er „verhandelt“ ins Land zurück – eine Demütigung für die französische Demokratie. Auch Franc-Tireur und Combat fordern ein unnachgiebiges Urteil. Sie betonen, dass Pétain mit seiner Rolle in der Kollaboration mit Nazi-Deutschland das Land verraten habe. Sein Regime sei verantwortlich für die Deportationen, die Verfolgung von Widerstandskämpfern und die Auslieferung tausender Menschen an die Deutschen. „Ein Freispruch Pétains wäre ein Verrat an den Opfern“, schreiben sie übereinstimmend.
Ungeachtet der Empörung plädieren andere Stimmen für einen rechtsstaatlichen Prozess, der Frankreichs demokratische Reife unter Beweis stellen soll. Der Prozess gegen Pétain wird zu einem Prüfstein für die französische Gesellschaft – nicht nur für die Frage nach Schuld und Gerechtigkeit, sondern auch für die Bewältigung der eigenen Geschichte.
Rachele Mussolini an der Schweizer Grenze abgewiesen
Wie amtlich mitgeteilt wird, erscheinen am frühen Morgen des 26. April, um 03:45 Uhr, mehrere Automobile am italienischen Grenzposten Chiasso. In Begleitung eines italienischen Polizeikommissars treten sie an die Schweizer Grenze heran. Der Kommissar bittet um ein Gespräch mit dem Chef des schweizerischen Grenzpostens.
Er erklärt, in den Fahrzeugen befänden sich Frau Rachele Mussolini, Ehefrau des Duce, mit einem Sohn und einer Tochter, ausserdem die Ehefrau eines neofaschistischen Ministers sowie acht weitere Personen, deren Identitäten nicht bekannt sind. Es wird angefragt, ob diese Personen in die Schweiz einreisen dürften.
Gemäss den vom Bundesrat erteilten Weisungen antwortet der schweizerische Grenzchef unmissverständlich: Eine Einreise und Aufnahme in die Schweiz ist für diese Persönlichkeiten ausgeschlossen. Daraufhin kehren die Fahrzeuge nach Italien zurück.
Diese konsequente Ablehnung ruft jedoch auch Kritik hervor. Beobachter erinnern daran, dass die Tochter Mussolinis, Gräfin Edda Ciano, die eine prägende und nicht unbedeutende Rolle in der faschistischen Politik gespielt hatte, einst Asyl in der Schweiz erhalten hatte. Die nun verweigerte Aufnahme Rachele Mussolinis, die zeitlebens unpolitisch geblieben sei, stösst in weiten Teilen der Öffentlichkeit auf Unverständnis. Man fragt sich: Weshalb wird einer prominenten, aber politisch unbeteiligten Frau die Zuflucht verweigert, während andere mit weitreichenderer Vergangenheit aufgenommen wurden?
Nach ihrer Abweisung an der Schweizer Grenze gerät Rachele Mussolini wenig später in der Nähe des Comer Sees in Gefangenschaft. Sie wird der US-amerikanischen Armee übergeben und für mehrere Monate auf der Insel Ischia interniert.
27. April 1945
Französische Truppen rücken weiter vor
Erst in der Nacht ab etwa 01:00 Uhr, fahren erstmals französische Fahrzeuge mit eingeschaltetem Scheinwerferlicht auch im badischen Gebiet zwischen Istein und Leopoldshöhe. Von Istein kommend, verschwinden sie teils in den Waldstücken. Weitere Truppenteile nähern sich von Märkt oder Eimeldingen über Haltingen und überqueren in Leopoldshöhe die weiten Bahnanlagen, um sich Richtung Friedlingen zu wenden. Der Verkehr läuft in beiden Richtungen – ein deutlicher Hinweis auf einen gut organisierten Pendelverkehr zwischen den Brückenköpfen und Versorgungslinien der französischen Truppen.
Beschuss Schweizer Patroullie
Der Pressechef des zuständigen Territorialkommandos teilt mit: Um etwa 12.30 Uhr, wird in unmittelbarer Nähe der Schaffhauser Gemeinde Altorf, im nördlichsten Zipfel der Schweiz, eine zehnköpfige Schweizer Patrouille während deutsch-französischer Gefechtshandlungen überraschend von französischen Panzern unter Beschuss genommen. In dem unübersichtlichen Grenzgebiet halten die französischen Truppen die Patrouille offenbar irrtümlich für eine feindliche Formation. Ein Hauptmann wird schwer, zwei weitere Soldaten leicht durch Granatsplitter verletzt. Die Verwundeten gelangen zur Behandlung ins Spital nach Schaffhausen.
Deutsche Verbände an der Schweizer Grenze zurückgewiesen
Im Verlauf des Tages und in der Nacht sammeln sich bei Wiechs, gegenüber von Hofen, deutsche Truppen, die sich aus dem von den Franzosen besetzten oberen Wutachtal bis zur Grenze durchgeschlagen haben. Sie schlagen in zwei provisorischen Lagern ihr Nachtquartier auf – eines im sogenannten „Schlauch“ bei Bargen, wo ein deutscher Grenzvorsprung die Strasse Schaffhausen–Bargen unterbricht, das andere gegenüber der deutschen Enklave Büsingen bei Büttenhardt. Insgesamt handelt es sich um über 1000 Mann, darunter zahlreiche Angehörige der Waffen-SS.
Die Schweizer Behörden teilen den Truppen unmissverständlich mit, dass ein Grenzübertritt nicht genehmigt wird. Dennoch verharren die deutschen Soldaten bis zum Mittag an Ort und Stelle in der Hoffnung, über die Schweiz ins unbesetzte Vorarlberg weitertransportiert zu werden. Als sich dieser Plan zerschlägt, erklären sie sich schliesslich zur Übergabe an die französischen Truppen bereit.
8. Mai 1945
Zwischen dem 7. und 9. Mai kommt es zu verschiedenen Kriegsschäden in Basel
- Immengasse 15, Basel (7. Mai 1945, ca. 21:30 Uhr):
Gefunden wurde ein Metallsplitter von etwa 1 cm² Fläche und 0,9 mm Dicke, unregelmässig umrandet und leicht gewölbt. Der Splitter scheint aus einer Leichtmetall-Legierung zu bestehen, eine genauere Identifikation ist jedoch nicht möglich. Vermutlich handelt es sich um ein herausgebrochenes Stück einer Verschalung infolge eines Gewehrschusses. - Marktplatz 13, Basel (7. Mai 1945, ca. 22:00 Uhr):
An dieser Stelle wurde ein deutsches Gewehrgeschoss mit Stahlkern, Kaliber 7,9 mm (sogenanntes SmK-Geschoss) sichergestellt. - Oetlingerstrasse 191, Basel (8./9. Mai 1945):
Hier fehlen jegliche Unterlagen, weshalb eine genaue Beurteilung des Vorfalls nicht möglich ist. - Hegenheimerstrasse 18, Basel (9. Mai 1945, ca. 21:30 Uhr):
Gefunden wurde ein deutsches Gewehrgeschoss mit Bleikern, Kaliber 7,9 mm (sogenanntes sS-Geschoss). Dabei wurde eine Fensterscheibe beschädigt, was Frau Emma Eckert zur Erstattung einer Strafanzeige veranlasste.
Es wird darauf hingewiesen, dass bei den aufgeführten Fällen möglicherweise deutsche Beutewaffen verwendet worden sein könnten. Die Einschüsse und Splitterschäden in Basel stehen wahrscheinlich in Zusammenhang mit unkontrollierten Schüssen während der Siegesfeiern im Elsass. Alle Fundstücke – zwei Gewehrgeschosse und ein Metallsplitter – wurden zusammen mit den Polizeirapporten zur weiteren Auswertung an die Kriegstechnische Abteilung in Bern übermittelt. Die Untersuchung wurde von Major Oberholzer geleitet.
