11. Januar 1945
Hohe Verluste beider Seiten bei der Schlacht um Hatten
Ein kleiner, schneebedeckter Bach verläuft vom deutschen Kontrollbereich im nord-östlichen Teil von Hatten bis zu den amerikanischen Verteidigungsstellungen im nord-westlichen Teil von Rittershoffen. Mit dem frühen Morgennebel stellt der Bach eine ausgezeichnete Route dar, um Fahrzeuge und Truppen zwischen Hatten und Rittershoffen zu bewegen. Um 05:00 Uhr am 11. Januar erwachen die deutschen Linien mit dem Geräusch vieler Motoren. Die Deutschen, geführt von der gepanzerten Kampfgruppe Huss, greifen die amerikanischen Verteidigungsstellungen am Stadtrand von Rittershoffen an und nutzen die Bachroute zu ihrem Vorteil.
Um sicherzustellen, dass die Verteidiger in Hatten den deutschen Vorstoss nach Rittershoffen nicht stören können, führen die Deutschen Störangriffe auf wichtige Positionen in den amerikanischen Stellungen im nord-westlichen Teil von Hatten durch. Diese Angriffe werden grösstenteils von einem Zug Hellcats Panzern aus der B-Kompanie des 827. Panzerjäger-Bataillons unter der Leitung von Lt. Robert F. Jones gestoppt, einer segregierten Einheit, die sich bereits in den vorherigen Tagen hervorragend bewährt hat.
Der Angriff auf Rittershoffen trifft das 3. Bataillon des 315. Infanterie-Regiments unter Major Eason ähnlich wie der Angriff auf die amerikanischen Verteidiger am ersten Tag in Hatten. Neun von zwölf Panzerabwehrkanonen des Bataillons gehen verloren, und die Verluste in den drei verteidigenden Kompanien erreichen fast 50%. Der Unterschied ist, dass die verteidigenden Amerikaner erfahrene Kämpfer sind und ihre Ruhe weitgehend bewahren. Obwohl der äussere Verteidigungsring von Rittershoffen durchbrochen wird, kann eine zweite Verteidigungslinie im süd-westlichen Teil des Dorfes gebildet werden.
Gegen Nachmittag wird ein Gegenangriff durch Combat Command A (CCA) der 14. Panzer-Division gestartet. Dieser hilft, die verbliebenen Infanteristen des 315. Infanterie-Regiments zu verstärken.
Neutralitätsverletzungen durch deutsches Panzerabwehrgeschoss
Gegen 17:55 Uhr landet ein fremdes Geschoss bei der Fabrikstrasse 50, direkt vor den Eingang der Firma Durand-Huguenin. Theodor Eugster und Friedrich Krebs, beide Anwohner, melden den Vorfall der Polizei. Sie berichten, dass das Geschoss auf die Strasse eingeschlagen ist, ohne zu detonieren. Die Polizei sichert den Fundort und informiert die Feuerwehr, die kurze Zeit später eintrifft, um die Granate zu bergen.
Das Geschoss wird auf die Feuerwache (Lützelhof) transportiert und sicher verwahrt. Bei einer ersten Inspektion identifizieren die Einsatzkräfte die Granate als deutsches Fabrikat mit einem Kaliber von 7,5 cm. Es handelt sich um eine Panzergranate normaler Ausführung, vermutlich für eine 7,5 cm Pak 40, wie später die Kriegstechnische Abteilung bestätigt.
Die Untersuchung der Kriegstechnischen Abteilung ergibt, dass die Granate wegen eines zu weichen Auftreffens nicht explodiert. Die ballistische Haube, die normalerweise für die Durchschlagskraft sorgt, ist beim Aufprall abgeschlagen worden. Die Granate bleibt jedoch intakt und richtet weder Sachschäden noch Personenschäden an.
Am 15. Februar 1945 wird die Kriegstechnische Abteilung in ihrem Bericht bestätigen, dass die Granate deutschen Ursprungs ist. Die Erkenntnisse werden an das Sekretariat des Militärdepartements sowie an das Territorialkommando Basel weitergeleitet. Auf diplomatischer Ebene entscheidet die Schweiz, keine weiteren Schritte gegen Deutschland einzuleiten. Da durch den Vorfall keine Schäden entstehen und die Neutralität der Schweiz nicht gefährdet ist, sehen die Behörden keine Notwendigkeit für eine Intervention.
