15. Januar 1945
US Truppen schlagen mehr und mehr zurück
In den letzten Tagen wird der gesamte US-Sektor offiziell unter das Kommando der 14. Panzer-Division gestellt. Alle amerikanischen Unterstützungswaffen können nun voll in die Kampfhandlungen eingebunden werden.
In Rittershoffen sollten CCA und die Männer des 315. Infanterie-Regiments das Dorf räumen. Die Kirche von Rittershoffen erweist sich erneut als Brennpunkt der Kämpfe beider Seiten. Zwei Tage lang tobt die Schlacht um diesen wichtigen Punkt, und den Amerikanern gelingt es, einige Gebäude in der Umgebung zu erobern. Doch die Deutschen setzen Flamm-Panzer im Gegenangriff ein, wodurch die Amerikaner gezwungen werden, ihre bescheidenen Fortschritte wieder aufzugeben.
Combat Command R (CCR) unter dem Kommando von Colonel Hudelson soll Hatten von Südwesten angreifen, mit dem Ziel, den Bahnhof und den Friedhof zu erobern. Deutsche Stellungen im und um den Bahnhof liefern präzises Feuer mit Kleinwaffen. Unterstützung durch amerikanische Panzer wird angefordert und in Form von fünf Shermans des 47. Panzerbataillons bereitgestellt. Als die Panzer vorrücken, erhalten sie jedoch ebenfalls präzises Feuer von gut positionierten Panzerabwehrkanonen. Der Angriff scheitert.
Die gepanzerten Infanteristen von CCR rehabilitieren sich später am Tag, als sie auf die Shermans steigen und sich in den westlichen Teil von Hatten verlagern, der von dem zunehmend erschöpften 2. Bataillon des 315. Infanterie-Regiments verteidigt wird. Sofort geraten sie in Häuserkampf und drängen die Deutschen zurück.
Schäden durch Grenzverletzungen:
Neutralitätsverletzungen durch Artilleriegeschosse im Rheinhafen Kleinhüningen
Der Rheinhafen Basel Kleinhüningen wurde in der Zeit von 18:30 bis 20:32 Uhr mehrfach durch fremde Artillerie beschossen. Nach den Beobachtungen der Späher des KP ILO Rheinhafen wurden die Artilleriegeschosse aus der Gegend Bartenheim/Blotzheim abgefeuert.
Meldung aus dem Journal des Beobachtungspostens:
18:30 Uhr: Nebel - Sicht rund 200 Meter
18:35 Uhr: Artilleriebeschuss aus Richtung Bartenheim nach Weil. MG—Feuer aus "Tannenbaum-bunker” Richtung Friedlingen.
18:40 Uhr: Einzelne Gewehrschüsse aus Hüningen nach Friedlingen.
18:43 Uhr: Erneutes Artilleriefeuer auf Weil
18:45 Uhr: Artillerieeinschlag - vermutlich auf Schweizerboden bei Rhenus II
18:48 Uhr: Telephonrückfrage bei Zollamt Hiltalinger- Strasse (Grenzw. Ott) : Konnte Ort des Einschlages nicht feststellen.
18:50 Uhr: Art. Einschlag zwischen Haltingen und Weil.
18:57 Uhr: 2 Einschläge satt an der Schweizergrenze bei Friedlingen.
GrzW.Gefr. Ernst konstaniert Granateneinschlag Lagerhaus Rhenus II, Rauchentwicklung. Avisiert von Neptun aus Zollposten Hafentor und Feuerwache. Drückt zusammen mit einem Kameraden Bureautüre Rhenus II ein, um allfälligen Brand im Lagerhaus zu löschen. Beide müssen wegen Phosphordampf sich zurückziehen.
19:01 Uhr: MG—Feuer von schwarzem Bunker gegen Schetty-Fabrik.
19:04 Uhr: Art. Einschlag vor Rhenus II Wendeplatz.
Phosphorgranateneinschlag westlich Rhenus II vor Schnittholzlager. Brisanzgranateinschläge in Bahngeleise südl. Rhenus II. Telephonische Warnung durch Grzw.Gefr. Ernst
an Feuerwache betr. Fortdauer der Beschiessung; zu spät, da Feuerwehrautos schon unterwegs.
19:15 Uhr: MG—Feuer aus schwarzem Bunker gegen Schetty-Fabrik.
19:17 Uhr: Art.-Einschlag Richtung Hauptstrasse Friedlingen.
19:20 Uhr: Meldung Neptun: Laut Bericht Grzw. Gefr. Ernst Volltreffer im Dach Rhenus II, Rauchentwicklung.
19:21 Uhr: Telephon an Grzw.Kdo. (GefrWicht): Meldung dass Art.-Beschuss auf Schweizer boden liegt.
19:22 Uhr: Zwei Mann Patrouille zu Rhenus II.
19:26 Uhr: Art.-Einschlag bei Rhenus II.
19:27 Uhr: Art.-Einschlag bei Rhenus II.
19:30 Uhr: Erneute Einschläge in Friedlingen.
19:36 Uhr: Patrouille zurück, Meldung dass Rhenus II 1. Stock Rauchentwicklung. Einsatz Feuerwehrtrupp 5 Mann.
Stadt Feuerwehr und Oblt. Schmoll (ILO Rheinhafen) bei Rhenus II eingetroffen. Vorgehen mit Atemschutz, Phosphor festgestellt.
19:50 Uhr: Art.-Einschlag Giebelseite W Rhenus II. do. Hauptstrasse Friedlingen.
Phosphorgranate schlägt beim Standort Feuerwehrauto und Mannschaft in Giebelmauer, Keine Splitterwirkung, daher keine Verletzten.
19:53 Uhr: Rückzug Feuerwehr, da keine unmittelbare Brandgefahr.
20:12 Uhr: Löschtrupp 5 Mann zurück von Rhenus II.
20:32 Uhr: Art.-Feuer von Blotzheim gegen Efringen.
Einschlagkarte des KP ILO Rheinhafen vom 15. Januar 1945 - Karte Privatarchiv
- Brisanzgranateneinschlag im Bahntracé östlich des Lagerhauses Rhenus II. Leichter Schaden am Bahndamm.
- Phosphorgranateneinschlag auf das Dach des Lagerhauses Rhenus II. Das Eternitdach wurde durchschlagen, die Träger im Gebäudeinneren beschädigt. Der Dachstockraum war weithin mit Phosphor bespritzt. Da der Lagerraum leer war, entstand kein Brandschaden.
- a) Brisanzgranateneinschlag auf das Bahngleis südlich von Rhenus II. Der Bahnkörper wurde aufgewühlt, zwei Gleisnerven von Splittern durchschlagen. Zwei Bahnwagen (Stettin 14765 und Oppeln 8676), beide mit Äpfeln beladen, wurden durch Splitter beschädigt.
b) Brisanzgranateneinschlag südöstlich von Rhenus II. Der Bahnkörper wurde aufgewühlt, das Gleis auf etwa 50 m weggerissen. - Phosphorgranateneinschlag unmittelbar vor dem Holzlager der Schnitt- und Rundholz AG, Basel. Die Westseite des Schnittholzlagers auf ca. 60 m³ war mit Phosphor bespritzt, das Holz wurde durch Splitter geringfügig beschädigt.
- a) Brisanzgranateneinschlag in die Böschung zum Hafenbecken II, südlich von Rhenus II. Geringer Flurschaden.
b) Brisanzgranateneinschlag im Hafenbecken II. Kein Schaden festgestellt. - Phosphorgranateneinschlag in der nordwestlichen Ecke des Lagerhauses Rhenus II. Mauerschaden, Fassade und Strasse waren mit Phosphor verspritzt. Im Gebäude entstanden durch krepierende Brisanzgranaten zahlreiche Fensterglasschäden.
- Angeblich sind zwei weitere Geschosse im Hafenbecken II ins Wasser gefallen.
Im Bericht der Kriegstechnische Abteilung des eidg. Militärdepartements wurde am 31.1.1945 vermerkt:
Es handelte sich um vier grössere Splitter von Geschossmantelteilen, ein Stück eines Geschossbodens mit Aufschriften, fünf kleinere Stücke sowie eine Verschlusschraube ebenfalls mit Aufschriften. Zudem befanden sich diverse kleinere Splitter ohne weitere Kennzeichen unter den Fundstücken. Zur Vervollständigung teilten wir Ihnen die gefundenen Aufschriften mit.
Anhand der stark deformierten Stücke konnten wir feststellen, dass es sich um Granaten mit einem Kaliber von 105 mm handelte. Bei mindestens drei der grösseren Stücke waren deutlich Reste von Phosphor erkennbar. Das oben erwähnte Kontrollzeichen liess darauf schliessen, dass die Munition höchstwahrscheinlich aus den USA stammte.
