3. Januar 1945

Vor neuen alliierten Forderungen an die Schweiz

Die Alliierten bereiten neuen diplomatischen Druck auf die Schweiz vor. Laut einem Bericht der New York Herald-Tribune, der aus Washington stammt, sollen von alliierter Seite mehrere Forderungen an die Schweiz gestellt werden, um deren wirtschaftliche und logistische Unterstützung für Deutschland weiter einzuschränken.

Die geplanten Forderungen umfassen:

  1. Die sofortige Einstellung der Kohlentransporte zwischen Deutschland und Norditalien über die Schweiz.
  2. Ein vollständiges Ausfuhrverbot für strategisch wichtiges Material, das bislang noch nach Deutschland geliefert wird – möglicherweise einschliesslich Präzisionsinstrumente und Werkzeugmaschinen.
  3. Eine drastische Reduzierung der Ausfuhr anderer wichtiger Güter aus der Schweiz nach Deutschland.
  4. Ein Verbot des Transits zweitrangigen Materials von Deutschland durch die Schweiz nach Italien.

Nach Informationen des Korrespondenten der New York Herald-Tribune haben die Vereinigten Staaten diese Massnahmen mit ihren Alliierten abgestimmt. Sollte die Schweiz sich weigern, die genannten Forderungen zu erfüllen, drohen die USA damit, keine Lieferungen mehr an die Schweiz zu genehmigen.

Zusätzlich erwägen die Vereinigten Staaten, den Transit von für die Schweiz bestimmten Waren aus Spanien und Portugal über Frankreich zu untersagen. Damit würde der wirtschaftliche Druck auf die Schweiz weiter erhöht, um sie zur vollständigen Einstellung aller Exporte an Deutschland zu zwingen.

Schwere nächtliche Kanonade nördlich von Basel

In den späten Abendstunden verstummt das Artilleriefeuer in der Dreiländerecke allmählich. Doch in der Gegend von Istein explodieren weiterhin schwere Granaten, die aus dem Raum westlich von Sierenz abgeschossen werden. Dann ändern die Geschütze offenbar ihre Richtung nach Norden oder Nordosten. Aus Richtung Mulhouse dröhnt anhaltend der Lärm der Kanonen, der sich wie fernes Donnerrollen anhört.

Obwohl dichter Bodennebel die Sicht stark beeinträchtigt, blitzen immer wieder Mündungsfeuer auf – westlich von Blotzheim bis Bartenheim und zeitweise sogar bis nach Steinbrunn südlich von Mulhouse. Die Verzögerung zwischen den Abschüssen und dem hörbaren Knall beträgt teilweise über eine Minute, was die enorme Distanz der Artilleriestellungen verdeutlicht. Es entsteht der Eindruck, dass von beiden Seiten gefeuert wird. Besonders heftig ist das deutsche Artilleriefeuer aus der Gegend von Chalampé-Neuenburg, von wo ein mächtiges Grollen über die Region hinwegrollt. Schwere und schwerste Geschütze sind im Einsatz, von denen bekannt ist, dass sie zuletzt auf Mulhouse gefeuert haben.

Zwischen Hüningen und Friedlingen sowie weiter abwärts in der Umgebung des Stauwehrs flammt immer wieder Maschinengewehrfeuer auf. Besonders um 22:30 Uhr sowie zwischen 23:15 und 23:45 Uhr ist das Rattern der Waffen deutlich zu hören. Die eisige Kälte und der hartgefrorene Boden tragen den Schall bis tief nach Basel, wo das Echo der Schüsse die nächtliche Stille durchbricht.

Gegen 03:00 Uhr morgens setzt nördlich von Basel erneut ein Artilleriefeuer von aussergewöhnlicher Stärke ein. Selbst mitten in der Stadt sind die hellen Blitze der Einschläge zu erkennen. Schwere französische Batterien feuern aus dem Raum Blotzheim in das badische Gebiet, teils auch in das Kandertal. Die deutsche Artillerie erwidert das Feuer mit gleicher Intensität.

Die Kämpfe eskalieren entlang einer Linie von der Höhe von Istein bis nach Mulhouse. Beidseitig ist ununterbrochenes Maschinengewehrfeuer zu hören, während am dunklen Himmel immer wieder das Aufblitzen der Artillerieschläge zu sehen ist.

Flüchtlingskinder aus dem Elsass bei ihrer Ankunft in Basel - Foto Staatsarchiv Basel - BSL 1060c 3/7/339B Kinderhilfe: Kriegskinder mit Gepäck und an die Kleider gehefteten Zetteln / Foto Jeck - Kolorierung Patrick Schlenker

Territorial-Kommando

Aus den Berichten der Schweizer Armee:

10:00 Uhr: Bericht vom Adjutanten der HD Motf. 9/10 im Quartier Gundeldingen. Anfrage vom Flüchtlingsoffizier betreffend Flüchtlingskinder.

10:30 Uhr: Flüchtlingskinder sind noch nicht eingetroffen.

11:01 - 12:18 Uhr: Fliegeralarm.

11:15 Uhr: Major Schidegger teilt mit, dass die Kinder in ca. 1 Stunde eintreffen werden.

12:22 - 12:59 Uhr: Fliegeralarm.

15:00 Uhr: Meldung vom Flüchtlingsoffizier, dass die Kinder noch immer nicht eingetroffen sind.

16:50 Uhr: Meldung, dass etwa 300 Kinder eingetroffen sind und am Freitag weitertransportiert werden.

17:25 Uhr: Meldung vom Flüchtlingsoffizier, dass weitere Kinder eintreffen.

17:30 Uhr: Meldung vom Flüchtlingsoffizier: Kinder um 18:00 Uhr in Binningen. Kranke werden später nach Rheinfelden weitertransportiert. Kinder werden in Binningen verpflegt. Transport zum Bahnhof SBB nach Rheinfelden. Abfahrt um 21:15 Uhr nach Rheinfelden.

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