11. März 1945
Feuersbrunst hinter dem Isteiner Klotz
Am Nachmittag feuert die französische Artillerie noch einige Male in das Kandertal, bevor die Lage schliesslich ruhig bleibt. In den Abendstunden ist im Elsass jedoch ein auffallend starker Fahrverkehr zu beobachten.
Bis Mitternacht bleibt es in der Dreiländerecke weitgehend ruhig, abgesehen von gelegentlichen Leuchtsignalen, die in den Himmel steigen. Gegen 00:15 Uhr erscheinen erneut Leuchtkugeln hinter dem Isteiner Klotz in Richtung Rheinweiler-Schliengen. Plötzlich eröffnet die französische Artillerie das Feuer und greift in das nächtliche Farbenspiel ein – mit sichtbarer Wirkung.
Zunächst sind die Einschläge als kurze Lichtblitze zu erkennen, doch kurz darauf bricht in Richtung Bellingen, nahe der Eisenbahnstation vor Schliengen, eine grosse Feuersbrunst aus. Die Flammen erzeugen eine weithin sichtbare rote Glut am Horizont.
Der genaue Brandort lässt sich von der Grenze aus nicht zweifelsfrei bestimmen, da er durch die Hügelrücken des Isteiner Klotzes, des Schafbergs und des Katzenbergs verdeckt wird.
Tagesbefehl des Generals zur Würdigung der Eisenbahner
Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten!
Tag und Nacht, bei jedem Wetter, steht Euch eine Organisation zur Seite, die Euch in Euren militärischen Aufgaben unterstützt – unsere Eisenbahner. Ihre Arbeit erfolgt oft im Hintergrund, wird nicht immer in vollem Umfang gewürdigt und vielfach als selbstverständlich angesehen. Doch gerade jetzt, da bevorstehende Truppenablösungen umfangreiche Eisenbahntransporte erfordern, soll ihre wertvolle Leistung bewusst anerkannt werden.
Die Truppe muss sich der grossen Bedeutung der Eisenbahnen im Dienste der Armee bewusst sein. Nachrichten aus den vom Krieg heimgesuchten Ländern führen uns täglich die Zerstörungen an Verkehrswegen und -mitteln vor Augen und verdeutlichen ihren militärischen Wert. Auch für unsere Armee sind die Eisenbahnen unverzichtbar.
Daher gilt mein besonderer Dank der unermüdlichen und getreuen Arbeit der Eisenbahner. Sie haben wesentlich zur Erfüllung der militärischen Aufgaben beigetragen. Seit September 1939 wurden bis zum Ende des Jahres 1944 über 100 Millionen Reisen durchgeführt – sei es für den Ausmarsch der Armee, die Verschiebung ganzer Einheiten oder die Urlaubsreisen der Soldaten. Zusätzlich wurden 900.000 Pferde und Maultiere sowie rund sechs Millionen Tonnen militärische Güter transportiert.
Eine herausragende Leistung war die rechtzeitige Bereitstellung und Abfertigung von 2200 Militärextrazügen innerhalb einer Woche – in einem kritischen Moment des Jahres 1944, als unerwartete Entwicklungen schnelle Truppenbewegungen erforderlich machten.
Für diese stetige, treue und ausdauernde Mitarbeit im Dienste der Landesverteidigung spreche ich allen Soldaten der Schiene und ihren Vorgesetzten meine höchste Anerkennung aus.
Der Oberbefehlshaber der Armee
11. März 1945
