12. März 1945

Ein ereignisreicher Nachmittag in der Dreiländerecke

Am Nchmittag erlebt die Dreiländerecke eine deutliche Intensivierung der Kampfhandlungen. Das seit Wochen andauernde, mehr oder weniger gleichbleibende französische Artilleriefeuer auf die badische Nachbarschaft wird durch eine Reihe aussergewöhnlicher Ereignisse unterbrochen. Ob es sich dabei nur um ein Ablenkungsmanöver oder um die Vorbereitung grösserer Kampfhandlungen handelt, bleibt zunächst unklar. Abgesehen von diesen neuen Entwicklungen gibt es jedoch keine weiteren Hinweise darauf, dass die Dreiländerecke unmittelbar zum Schauplatz einer grösseren Schlacht werden könnte.

Bereits am Vormittag nehmen französische Batterien Märkt und die sogenannte Vogelinsel unter Beschuss – ein Gebiet zwischen dem Rhein und dem Oberwasserkanal, der zur Schleuse von Kembs führt. In beiden Bereichen brechen Feuersbrünste aus, die bis zur Abenddämmerung andauern. Auf der Vogelinsel steht eine grosse Baracke lichterloh in Flammen, die durch wiederholte Explosionen weiter angefacht wird.

Plötzlich wird das westliche Ufergebiet des Rhein-Rhône-Kanals auf einer Länge von ungefähr einem Kilometer von den Franzosen mit einer dichten Nebelwand eingehüllt. Unter diesem Sichtschutz eröffnen mittelschwere französische Batterien das Feuer auf die deutschen Bunker der Siegfriedlinie, die zwischen dem Weiler Hafen und dem Stauwehr des Kraftwerks Kembs am Rheinufer liegen. Zur Unterstützung kreisen fünf französische Aufklärungsflugzeuge vom Typ Mouchard, die vermutlich zur Feuerleitung eingesetzt werden. Der Beschuss ist deutlich massiver als die gelegentlichen Angriffe, die bisher auf die Bunker gerichtet wurden.

Neben den Stellungen an der Siegfriedlinie geraten auch Eimeldingen, Haltingen und das Wiesental unter französisches Artilleriefeuer. Deutsche Batterien antworten daraufhin mit Granatenbeschuss auf Neudorf und Bartenheim. Zusätzlich eröffnen deutsche Bunker langanhaltendes Maschinengewehrfeuer auf Hüningen.

Zerstörtes Gebäude in Haltingen - Postkarte Privatarchiv / Kolorierung Patrick Schlenker

Ein besonders bemerkenswertes Ereignis spielt sich am späten Nachmittag ab: Plötzlich zischt aus nordwestlicher Richtung, vermutlich aus der Gegend von Neudorf, eine raketenartige Erscheinung heran. Die Waffe zieht eine dichte Nebelbahn hinter sich her und fliegt mit zunehmender Geschwindigkeit ins badische Gebiet. Über dem Rhein lösen sich zwei Ausstoss-Impulse, die ihre Flugbahn weiter beschleunigen. Der Einschlag kann schliesslich in Eimeldingenbeobachtet werden, wo ebenfalls grosse Rauchwolken aufsteigen. Es handelt sich möglicherweise um ein neuartiges Raketengeschoss, das hier erstmals zum Einsatz kommt.

Nach diesen Kampfhandlungen bleibt die Lage am Abend überraschend ruhig. Keine weiteren Offensiven folgen, und es kehrt eine gewisse Stille in der Dreiländerecke ein. Allerdings ist starker Fahrverkehr aus dem elsässischen Hügelgelände in Richtung der Ortschaften der Ebene zu beobachten, was auf neue Truppenbewegungen hindeutet.

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.