13. März 1945
Gekürzte Lebensmittelrationen im April
Die Versorgungslage bleibt angespannt, und das eidgenössische Kriegsernährungsamt gibt neue Anpassungen für die Lebensmittelrationen im April bekannt. Besonders betroffen sind Brot, Fettstoffe und Süsswaren.
Ab April entfällt die Kartoffelbeimischung zum Brot vollständig. Dadurch reduziert sich die Brotration auf 200 Gramm pro Tag. Auch die Fettzuteilung wird weiter eingeschränkt: Die Gesamtmenge der zuteilbaren Fettstoffe beträgt im April nur noch 500 Gramm. Fett-Del-Coupons auf den A- und B-Karten sowie der Kinderkarte fallen komplett weg.
Die Grundration für Fleisch bleibt mit 850 Punkten unverändert. Allerdings gibt es keine Konfitüren-Coupons, und die auf Ostern erhöhte Tafelschokoladenration wird wieder auf 50 Punkte gesenkt.
Eine kleine Erleichterung gibt es bei der Eierzuteilung, die saisonbedingt auf vier Stück erhöht wird. Zudem enthält die April-Karte erneut eine Zuteilung für Hülsenfrüchte, während die Coupons für Hafer/Hirse durch Gerste/Hirse ersetzt werden.
Lebensmittelkauf auf dem Markplatz - Die Lebensmittelknappheit sollte sich erst im Herbst 1945 verbessern - Fotos Privatarchiv / Kolorierung Patrick Schlenker
Umtauschmöglichkeiten für Gemeinden mit Gasversorgung
Auf den April-Lebensmittelkarten gibt es erneut Möglichkeiten zum Umtausch in Mahlzeitencoupons.
- Auf der ganzen A-Karte:
- Ein Couponblock mit Hülsenfrüchten, Gerste/Hirse, Mehl/Mais sowie dem Signet „Schweizer Spende“
- Ein weiterer Block mit Fleisch, Butter, Käse, Zucker sowie mehreren blinden Coupons
- Auf der halben B-Karte:
- Ein Block mit Teigwaren, Gerste/Hirse, Hülsenfrüchten, Mehl/Mais und ebenfalls dem Signet „Schweizer Spende“
Die weiteren bestehenden Umtauschmöglichkeiten in Mahlzeitencoupons ab 50 Stück aufwärts bleiben unverändert bestehen.
Die Versorgungslage bleibt damit weiterhin kritisch, und die Bevölkerung muss sich auf noch strengere Einschränkungen einstellen.
Belgische Kinder zur Erholung in Basel eingetroffen
Nach einem zweijährigen Unterbruch erreicht am Montagnachmittag um 14:00 Uhr erstmals wieder ein belgischer Extrazug den Basler Bundesbahnhof. Der Zug verlässt am Sonntagvormittag um 11:00 Uhr die belgische Hauptstadt Brüssel und benötigt 27 Stunden für die Strecke über Charleroi, Mézières, Nancy und Belfort. Nach der Grenzüberquerung in Boncourt trifft er schliesslich mit drei Stunden Verspätung in Basel ein.
Aus den Waggons steigen 467 belgische Kinder, Jungen und Mädchen im Alter von vier bis vierzehn Jahren, die in der Schweiz einen mehrmonatigen Erholungsaufenthalt verbringen sollen. Die meisten Kinder sind sichtbar unterernährtund ärmlich gekleidet. Sie werden von belgischen Rotkreuz-Helferinnen begleitet und von einem Empfangskomiteeerwartet, bestehend aus Vertretern der Kinderhilfe des Roten Kreuzes, des Territorialkommandos sowie einer Gruppe freiwilliger Helferinnen.
Unter den Gästen befinden sich auch M. van Zeeland, belgischer Vertreter bei der Internationalen Zahlungsbank, sowie der belgische Konsul in Basel, Emil Pobé. Nach der Registrierung erhalten die Kinder zunächst ein nahrhaftes Mittagessen, bevor am Nachmittag die grenzsanitarische Untersuchung durchgeführt wird.
Nach der medizinischen Kontrolle erfolgt die Weiterverteilung der Kinder:
- 43 Kinder reisen in den Kanton Appenzell
- 82 Kinder ins Baselbiet
- 95 Kinder in den Kanton St. Gallen
- 152 Kinder in den Kanton Luzern
- 95 Kinder verbleiben in Basel und werden von Pflegefamilien aufgenommen
In den kommenden Tagen wird der Extrazug seine Rückfahrt nach Brüssel antreten. Auf dem Rückweg wird er auch eine Gruppe von Auslandschweizerkindern mitnehmen, deren Eltern in Belgien ansässig sind. Diese Kinder kehren damit in ihre zweite Heimat, die Schweiz, zurück.
