16. März 1945
Heftige Gefechtstätigkeit in der Dreiländerecke
Seitdem im benachbarten Elsass verstärkt Vernebelungsaktionen durchgeführt werden, nehmen auch die militärischen Aktivitäten in der Dreiländerecke wieder zu. Diese Vernebelungsübungen werden nicht nur tagsüber, sondern sogar in der Nacht bis zum Rheinhafengebiet von Kleinhüningen beobachtet. Der Freitag verläuft geprägt von anhaltenden Kampfhandlungen, die sich vom frühen Vormittag bis gegen Mitternacht hinziehen.
Ab 09:30 Uhr intensiviert die französische Artillerie ihre Beschiessung der deutschen Bunker entlang des Rheins. Das Feuer erfolgt aus vergleichsweise kurzer Distanz und zielt auf die deutschen Stellungen in der Nähe von Weil am Rhein und Märkt. Gleichzeitig wird auch die deutsche Artillerie aktiver. Aus dem Kandertal sowie aus der Gegend von Haltingen wird mit Granaten auf französische Stellungen am Rhein gefeuert. Besonders betroffen sind dabei die Kanalbrücke bei Neudorf, die Kaserne der Garde Mobile in St. Louis (ehemalige SS-Kaserne) sowie das Städtchen Hüningen.
Um die Mittagszeit brechen mehrere Brände beidseits des Rheins aus. Besonders betroffen sind Gebiete in Märktsowie linksrheinisch in Langenhäusern (nördlich von St. Louis) und ein Wäldchen zwischen Rosenau und Neudorf.
Parallel zur Artillerietätigkeit nimmt auch die Fliegertätigkeit über der Region zu. In Basel werden insgesamt vier Fliegeralarme ausgelöst:
- 12:52 – 13:44 Uhr
- 15:41 – 16:25 Uhr
- 17:48 – 18:27 Uhr
- 22:41 – 23:09 Uhr
Diese Alarme zeigen, dass verstärkt alliierte Flugzeuge die Gegend überfliegen. Um 16:35 Uhr stürzen einzelne Flugzeuge auf Efringen und Istein herab und werfen Bomben ab. Um 17:30 Uhr folgen acht weitere Flugzeuge, um 17:50 Uhr dann vierzehn Maschinen, die den Rhein überqueren und ins badische Hinterland fliegen. Im mittleren Wiesental sollen dabei Bombenabwürfe stattgefunden haben. Ab 22:30 Uhr zieht ein grösserer Flugzeugverband nördlich der Landesgrenze in Richtung Ost-West, begleitet von etwa 20 Minuten langem Motorengeräusch.
Um 18:25 Uhr wird in der Gegend von Neudorf ein ungewöhnliches Feuerzeichen beobachtet. Eine langgezogene Feuerlinie erstreckt sich über 300 Meter, bevor sie allmählich verlischt und schliesslich um 21:45 Uhr vollständig erlischt. Während dieser Zeit bleibt es auffallend ruhig – kein einziger Schuss fällt.
Doch dann eskaliert die Lage: Fremde Flugzeuge überfliegen das Gebiet, und plötzlich steigt eine rote Leuchtraketevom elsässischen Ufer aus auf. Kurz darauf folgen weitere Leuchtsignale. Anschliessend beginnt auf französischer Seite senkrechtes Maschinengewehrfeuer mit Leuchtspurmunition – ein offenbar vorgeplantes Alarmsignal. Sofort geraten beidseitige Maschinengewehre in Aktion, die Schiessereien eskalieren rasch.
Die ersten Salven werden in der Umgebung der alten Eisenbahnbrücke Hüningen-Weil gehört, von der allerdings nur noch die Sandsteinpfeiler erhalten sind. Der Gefechtslärm zieht sich vom Stauwehr bis nach Neudorf. Neben Maschinengewehren kommen auch Maschinenpistolen zum Einsatz. Die Franzosen feuern zahlreiche Minen ins deutsche Ufergebiet, während auch die Deutschen ihre Minenwerfer einsetzen. Erst gegen 23:30 Uhr nimmt die Intensität der Kampfhandlungen allmählich ab.
Da in dieser Nacht besonders viel Leuchtspurmunition zum Einsatz kommt, ist das Gefecht weit über Basel hinaus sichtbar. Es bleibt unklar, ob die Deutschen auf eine Aufklärungspatrouille der Franzosen reagierten oder ob sie eine eigene Aufklärungseinheit über den Rhein schicken wollten. Besonders auffällig ist die Reaktion auf das Feuerzeichen bei Neudorf, dessen Bedeutung offenbar unklar bleibt.
Nach Mitternacht kehrt plötzliche Ruhe ein. Keine weiteren Kampfhandlungen werden registriert.
Neue Überfliegungen über der Schweiz
Neben den intensiven Gefechten in der Dreiländerecke kommt es auch zu Luftraumverletzungen. Bern meldet offiziell, dass in der Nacht vom 15. auf den 16. März sowie während des 16. März zwischen 10:30 Uhr und 16:16 Uhr mehrere fremde Flugzeuge über das nördliche Grenzgebiet, den Kanton Tessin, das Puschlav sowie Graubünden fliegen. Es handelt sich um Flugzeuge englischer und amerikanischer Herkunft, während einige Maschinen nicht eindeutig identifiziert werden können. In den betroffenen Gebieten werden Fliegeralarme ausgelöst, um die Zivilbevölkerung zu warnen.
