20. März 1945
Ruhiger Tag mit vereinzeltem Artilleriefeuer in der Dreiländerecke
Wie bereits am Montag, bleibt es auch am heutigen Dienstag in der Dreiländerecke vergleichsweise ruhig. Schwere Gefechte wie in der vergangenen Woche bleiben aus, und die französische Artillerie tritt nur vereinzelt in Aktion.
Am Vormittag erfolgt Artilleriefeuer ins Kandertal, später folgen Schüsse in die Gegend von Welmlingen und Wintersweiler. Am Nachmittag wird der Schafberg beschossen, während es am Abend einige Einschläge in der Bahnhofgegend von Haltingen gibt.
Auf deutscher Seite kommt ein neuartiges Geschütz zum Einsatz, das aus der Gegend des Bahndamms Haltingen mit schneller Feuerrate Granaten in Richtung Blotzheim oder Bartenheim schiesst. Diese Geschosse erzeugen beim Flug ein auffälliges Zischen und Rollen, doch sind keine Ausstoss-Impulse erkennbar, wie sie beim Raketenartilleriegeschoss beobachtet wurden, das letzte Woche einmalig vom Elsass aus abgefeuert wurde.
Schweizer Rückführung aus Freiburg nach Bombardement
Vor Kurzem wurde von der Grenze aus beobachtet, dass schwere Bombardierungen in Richtung Müllheim und Freiburg erfolgten. Nun bestätigen offizielle Berichte aus Freiburg, dass weitere Stadtviertel zerstört wurden.
Aufgrund eines Hilferufs, der über die konsularische Vertretung der Schweiz an das Eidgenössische Politische Departement weitergeleitet wurde, werden Massnahmen zur Rückführung ausgebombter Auslandschweizer geprüft. Erste Erfolge sind bereits erzielt:
71 Schweizer Staatsangehörige, darunter kleine Kinder und hochbetagte Personen, können mithilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes sowie mit Unterstützung von zwei Ärzten in drei Reisebussen und einem Ambulanzwagen nach Basel zurückgebracht werden.
Sicherheitsbedenken machen jedoch einen grossräumigen Umweg durch den dichten Schwarzwald erforderlich. Unter den Heimkehrern befinden sich keine Schwerverletzten, doch sind alle extrem pflegebedürftig. Es wird erwartet, dass weitere Ambulanzexpeditionen folgen.
Rückführung von Kindern aus der Schweiz nach Mülhausen
Ein Zufall will es, dass ebenfalls am Dienstag etwa 300 Kinder aus Mülhausen und Umgebung in Basel eintreffen. Sie wurden jedoch nicht aus den Trümmern ihrer Heimatstadt gerettet, sondern aus verschiedenen Regionen der Schweiz, wohin sie vor zwei Monaten evakuiert wurden.
Damals war Mülhausen noch unter schwerem Beschuss deutscher Artillerie, doch die vollständige Befreiung des Elsass ermöglicht nun ihre sichere Rückkehr zu den Eltern. Für den Transport stehen am Basler Bundesbahnhof zwölf grosse amerikanische Rotkreuzwagen bereit, die am Dienstagnachmittag – ebenfalls über eine Umwegroute – die Rückfahrt nach Mülhausen antreten.
