21. April 1945

Flüchtlingstransporte um Basel

Am Morgen beginnt um 08:00 Uhr die Organisation der Transporte von Flüchtlingen aus Kreuzlingen sowie aus dem Nachtlager am Badischen Bahnhof Basel. Um 09:30 Uhr meldet Oblt. Gyger aus Kreuzlingen, dass sich 850 Fremdarbeiter für einen Transport nach Basel vorbereiten.

Bereits um 09:40 Uhr trifft am Grenzposten Riehen ein Fahrzeug mit 16 französischen Frauen, ihren Kindern und 6 Invaliden ein. Die Gruppe wird in das Lager beim Badischen Bahnhof weitergeleitet.

Um 11:30 Uhr erfolgt eine weitere Meldung: Der erste Flüchtlingszug verlässt Basel um 14:34 Uhr mit 771 Erwachsenen und 35 Kindern – insgesamt 803 Franzosen und 3 Belgier. Eine schweizerische Begleitmannschaft von 16 Personen ist mit an Bord. Für den Abend kündigt der Territorialdienst die Ankunft eines weiteren Transports mit ca. 820 Personen um 23:00 Uhr an. Die Bahnwagen müssen lediglich gereinigt, nicht aber desinfiziert werden.

Laut Meldung des Offiziers für Motorwagendienst erklärt sich die Verpflegungsabteilung der 4. Division bereit, die vier in Basel stationierten Lastwagen beizubehalten, wobei ein defekter Wagen ersetzt werden muss.

Um 15:45 Uhr meldet Hauptmann Werner vom Kommando die geplante Organisation des Sanitätsdienstes für die erwarteten 1000 Fremdarbeiter, die zwischen 18:00 und 20:00 Uhr an der Grenze Riehen eintreffen sollen. Gleichzeitig teilt der Territorialdienst mit, dass das Büro der Bewachungskompanie am 22.04.1945 in Betrieb genommen wird. Nach Ankunft des ersten Zugs aus Kreuzlingen um 14:34 Uhr erfolgt der Abmarsch der Personen ins Steinerschulhaus.

Um 17:35 Uhr informiert Hauptmann Fournier vom Grenzposten Riehen, dass die erwartete Gruppe in einer Stunde an der Grenze eintreffen werde. Um ca. 18.00 Uhr kommt es an der Horburgstrasse 4 zu einem Schaden am Gebäude durch Beschuss aus dem Elsass.

Ab 19:00 Uhr beginnt der Weitertransport von 113 Personen aus dem Inselschulhaus sowie dem Badischen Bahnhof zum Elsässerbahnhof.

Um 19:10 Uhr erfolgt eine weitere Meldung vom Grenzposten Riehen über das Eintreffen einer gemischten Gruppe: 10 Polen, 6 Franzosen, 1 Indochinese, 2 Ukrainer, 2 russische Antibolschewisten, 4 Russinnen und 1 Elsässer werden zum Badischen Bahnhof gebracht.

Um 19:30 Uhr meldet der Territorialdienst die bevorstehende Ankunft eines zweiten Zugs aus Kreuzlingen um 01:40 Uhr mit 1250 Personen. Um 19:35 Uhr bestätigt Kreuzlingen die Lage und teilt mit, dass sich weiterhin mehrere hundert Holländer in Konstanz befinden.

Um 20:30 Uhr informiert ein Polizist vom Spalenposten, dass das Spalentor von der zuvor abgezogenen Truppe offen gelassen wurde. Da sich der Schlüssel auf dem Posten befindet, wird Weisung zum Verschliessen gegeben.

Da für einen defekten Lastwagen kein Ersatzfahrer vorhanden ist, wird umgehend ein zweiter Motorfahrer aufgeboten. Um 21:30 Uhr reklamiert Major Debrunner dringend einen Lastwagen nach Riehen, da dort wartende Personen im starken Gewitterregen stehen.

Um 21:50 Uhr wird entschieden, drei Tramzüge für den Transport bereitzustellen. Während der Verhandlungen meldet der Posten Riehen jedoch, dass die Fremdarbeiter von den Deutschen zurückgezogen wurden. Nur 30 Personenmüssen noch abgeholt werden, was per Lastwagen erfolgt. Später stellt sich heraus, dass es sich bei dieser Information um ein Gerücht gehandelt hat.

Um 22:30 Uhr verlässt trotz um 22:21 Uhr ausgelöstem Fliegeralarm der erste Zug ins Elsass mit 1060 Personen aus dem ersten Zug aus Kreuzlingen und den Personen aus dem Lager Basel. Kurz danach fliegen mehrere Flugzeuge von Osten her via Rheinfelden über Basel ein Richtung St. Louis.

Um 23:32 Uhr folgt ein Zug nach Genf mit 112 Personen, die in der Schweiz verbleiben sollen.

Um 02:45 Uhr schliesslich fährt ein weiterer Zug ins Elsass mit 1555 Personen ab – die Passagiere stammen aus dem zweiten Zug aus Kreuzlingen sowie dem Lager in Basel.

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