24. April 1945

Truppenüberquerung des Rheins bei Hüningen und Friedlingen besetzt

Am frühen Morgen begannen intensive Kampfhandlungen entlang des Rheins, als französische Truppen von Hüningen aus in Sturmbooten über den Fluss setzten und das rechte Ufer des Rheins in der Nähe des Stauwehrs besetzten. Um 03:50 Uhr eröffneten französische Geschütze im oberelsässischen Grenzgebiet das Feuer. Geschoss um Geschoss zischte über den Rhein in Richtung Friedlingen, wobei das Trommelfeuer der französischen Artillerie bis 04:05 Uhr anhielt. Der Artillerieangriff richtete sich besonders auf die Umgebung von Märkt, Eimeldingen und das Rheinufer beim Stauwehr. Doch nach dieser intensiven Phase flaute das Feuer um 04:10 Uhr ab.

Unmittelbar nach dem Artilleriefeuer setzten französische Sturmboote in rascher Fahrt über den Rhein. Um 05:13 Uhrstiess das erste Sturmboot ab, jedoch lief es bei der Wiesemündung auf ein Hindernis auf und blieb zunächst liegen. In einer schnellen Reaktion sprangen einige der Männer in das kalte Wasser und brachten das Boot wieder flott. Von deutscher Seite wurde während dieser ersten Überquerung kein Schuss abgefeuert, und die Truppen konnten ohne grössere Störungen an das andere Ufer gelangen.

Gleichzeitig begann die französische Armee, das gesamte Ufergebiet unter ihre Kontrolle zu bringen. Trotz der intensiven Vorbereitung des deutschen Widerstands, der in den Stunden vor dem Angriff noch aktive Artilleriefeuer abgegeben hatte, blieb der deutsche Widerstand in dieser Phase nahezu aus. Um etwa 06:00 Uhr wurden französische Fahrzeuge am Rheinbord bei Hüningen gesichtet, die Brückenmaterial entluden, um dort eine neue Pontonbrücke zu errichten.

Die Überquerung des Rheins erfolgte an drei Stellen unterhalb von Basel, und die französischen Truppen setzten ihren Vormarsch ohne nennenswerten Widerstand fort. Friedlingen wurde gegen 07:00 Uhr besetzt, ohne dass die deutschen Truppen ernsthaften Widerstand leisteten. Weitere Sturmboote landeten am deutschen Ufer, während das erste bereits zurückfuhr. Bis gegen 07:30 Uhr wurden kontinuierlich neue Truppen über den Rhein gebracht.

Französische Pioniere bringen mit Pontons Soldaten und Material über den Rhein - Foto Privatarchiv Patrick Schlenker

Das Gebäude im Hintergrund, welches schon auf der Aufnahme vom 24. April 1945 zu sehen ist liegt an der 16 Quai de la République in Hüningen, genau vis-a-vis des Eingangs zur Sandpoase auf der Kraftwerkinsel

Parallel dazu wurde mit dem Bau der Pontonbrücke bei Friedlingen begonnen, und auch auf der Strasse von Hüningen nach St. Louis wurden Lkw mit Brückenmaterial transportiert. Die Arbeiten an der Brücke in Friedlingen nahmen ab etwa 07:30 Uhr Fahrt auf und sollten bis zum Mittag des gleichen Tages abgeschlossen sein. Der ursprüngliche Plan sah vor, den Angriff und die Brückenbauarbeiten bereits in der Nacht vom Sonntag auf den Montag zu starten, doch aus bislang unbekannten Gründen wurde der Angriff um einen Tag verschoben.

Die Überquerung des Rheins war ein entscheidender Schritt in der französischen Offensive. Trotz der Bemühungen der deutschen Truppen, Widerstand zu leisten, wurde die deutsche Abwehr weitgehend überwältigt. Die schnelle und koordinierte Operation der französischen Truppen machte es ihnen möglich, ihre Ziele zügig zu erreichen und sich für die nächsten Phasen ihrer Offensive vorzubereiten.

Die französischen Truppen setzen ihren Vormarsch fort, und um 10:38 Uhr wurde auf einem Fabrikgebäude auf der Schusterinsel die Trikolore gehisst, was die vollständige Eroberung des Gebiets durch die französische Armee markierte.

Eroberung von Friedlingen

Bei der Eroberung von Friedlingen nahmen die französischen Kolonialtruppen 18 deutsche Gefangene. Auf deutscher Seite gab es weder Verluste noch Tote. Die deutsche Besatzung hatte ihr Ausrüstungmaterial grösstenteils zurückgelassen, darunter Fahrräder, Schanzwerkzeug und Waffen, die nun von den französischen Truppen nach Hüningen transportiert wurden.

Fortschritte beim Brückenbau

Parallel zu den Kampfhandlungen setzte der Bau der Pontonbrücke bei Friedlingen fort. Um 09:50 Uhr waren bereits zwei Pontons im Wasser, während Spezialtruppen damit beschäftigt waren, eine Zufahrt zum Strom zu ebnen. Um 11:15 Uhr wurde das erste aus drei Pontons bestehende Brückenglied von einem Motorboot aus dem Hüningerkanal herausgezogen und sofort am Brückenkopf montiert.

Luftangriffe auf Lörrach

Um 10:02 Uhr erfolgte ein Luftangriff auf Lörrach. Sechs Thunderbolts stiessen im Stechflug herab und liessen ihre Bombenlast fallen. Wenige Minuten später folgte eine zweite Staffel bestehend aus drei Thunderbolts und einem Düsenjäger der französischen Jagdgruppe Corraine. Der Angriff fügte der Stadt erheblichen Schaden zu, während die Brücke weiter gebaut wurde und die französischen Truppen ihren Vormarsch auf das deutsche Hinterland fortsetzten.

Bombardierung von Lörrach und militärische Aktivitäten 

Vormittag wurde Lörrach erneut von alliierten Flugzeugen angegriffen. Es kam zu Angriffen mit Bordwaffen und möglicherweise auch Brandbomben. Über der Stadt bildeten sich grosse Feuersbrünste, und riesige, tiefschwarze Rauchwolken stiegen über die Höhe des Tüllinger Hügels auf und waren weithin sichtbar. Besonders betroffen war der westliche Teil von Lörrach, der in Flammen stand.

Gleichzeitig wurde die Strasse von Binzen nach Tumringen, besonders der Bereich an der sogenannten „Lude“, von schwerer Artillerie unter Beschuss genommen. Das Artilleriefeuer kam vermutlich aus einem weiter nordwestlich gelegenen Gebiet, da keine direkten Abschüsse festgestellt wurden.

Ohne auf den geringsten Widerstand zu stossen, marschierten französische Truppenteile in Stärke von 120 bis 150 Mann in Leopoldshöhe ein. Die Eisenbahnüberführung zum Bahnhof Weil Leopoldshöhe erwies sich trotz der Sprengungen als passierbar. Die französischen Truppen setzten ihren Vormarsch fort und begannen, ihre Stellung zu sichern.

Sprengungen beim Glashaus bei der Schusterinsel durch farnzösische Pioniere, um die Anlegestelle der Pontons vorzubereiten - Zeitungsartikel Privatarchiv Patrick Schlenker

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Der Glasbau auf der Schusterinsel heute. Die damalige anlegestelle der Pontons war dort, wo heute die Dreiländerbrücke anfängt 

Am Nachmittag kommt der Bau der Pontonbrücke zwischen Hüningen und Friedlingen nur schleppend voran. Die Franzosen führen unterhalb der Schusterinsel – nur rund 800 Meter von der Schweizer Grenze entfernt – zahlreiche Sprengungen durch, um die Zufahrt für eine neue Schiffsbrücke freizulegen. Dabei entstehen jedes Mal pechschwarze Rauchwolken. In der Folge wird rasch ein effektiver Fährbetrieb eingerichtet. Auf drei miteinander gekoppelten Pontons werden den ganzen Nachmittag und in der Nacht ununterbrochen Panzer, Jeeps, Tanks und Truppen über den Rhein nach Friedlingen befördert.

Von der Grenze bei Kleinhüningen aus ist zudem ein starker Nachschubverkehr auf den Strassen zu beobachten, die von Schliengen über das Hügelland östlich des Isteiner Klotzes nach Eimeldingen und Haltingen führen. Inmitten dichter Staubwolken bewegen sich zahlreiche französische Panzer talabwärts.

In den badischen Ortschaften wehen nun vielerorts Trikoloren auf den Kirchtürmen. In Detlingen wird um 15:35 Uhr zunächst die weisse Fahne gehisst. Genau eine Stunde später wird sie durch die französische Nationalflagge ersetzt.

Grossfeuer in den Kleinhüninger Rheinhafenanlagen

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Brand im Hafenbecken von rund 20.000 Tonnen Zellulose und Zeitungspapier im Wert von etwa 5 Millionen Franken - Foto Privatarchiv / Kolorierung Patrick Schlenker

Um 12:15 Uhr bricht ein verheerendes Feuer im Zellulose- und Papierlager der Basler Reederei AG, einer Tochtergesellschaft der Schweizerischen Reederei AG, aus. Der Brand entwickelte sich explosionsartig und breitete sich schnell auf das gesamte Lager aus. Die Feuersbrunst hielt den gesamten Nachmittag und die Nacht zum Mittwoch an, und es wurde befürchtet, dass das Feuer nicht mehr gelöscht werden kann. Es wird mit Sicherheit angenommen, dass das gesamte Lager, das rund 20.000 Tonnen Zellulose und Zeitungspapier im Wert von etwa 5 Millionen Franken enthielt, vollständig abbrennen wird.

Während der Nacht und auch am Mittwochvormittag wurden die Löscharbeiten intensiv fortgesetzt. Grosse Mengen Wasser wurden über jahrelang verlegte Schlauchleitungen mit Hilfe von Motorpumpen herangeführt, um das Feuer zu bekämpfen. An den Löscharbeiten waren unter anderem der Betriebsluftschutz von Kleinhüningen, ein Zug der motorisierten Luftschutzfeuerwehr und eine Gruppe der Luftschutzquartierfeuerwehr beteiligt. Doch trotz dieser Bemühungen hielt der Brand weiterhin an.

Die in Brand geratenen Bestände im Rheinhafen umfassen mindestens 20.000 Tonnen Zellulose und Zeitungspapier, die allesamt gefährdet waren. Der Schaden ist enorm und die Situation bleibt weiterhin kritisch, da das Feuer nicht zu ersticken war und die Löscharbeiten nur begrenzten Erfolg zeigten.

Flüchtlingsübertritte Kreuzlingen

In Kreuzlingen kommen 673 Flüchtlinge aus Konstanz an. Unter ihnen befinden sich 380 Franzosen, 24 Schweizer Rückwanderer sowie 75 ehemalige Schweizerinnen, die mit Deutschen verheiratet sind. Weitere Flüchtlinge stammen aus Polen, Holland und Russland. Eine Gruppe von deutschen Offizieren versucht bei Altnau, in die Schweiz zu gelangen, wird jedoch zurückgewiesen. In Konstanz halten sich zurzeit etwa 8.000 bis 10.000 Invalide und Kriegsbeschädigte auf.

Weisse Fahnen auf der Reichenau

Nach Horn und Gaienhofen am Untersee zeigt nun auch die Insel Reichenau ihre Kapitulationsbereitschaft: Weisse Fahnen werden gehisst. Auf den Dächern der Kasernen und ihrer Nebengebäude in Konstanz erscheinen grosse rote Kreuze, ebenso auf dem Hotel Köchnerhaus auf der Reichenau, das aktuell als Unterkunft für stillende und werdende Mütter dient.

In Konstanz verschwinden die letzten Porträts Hitlers aus den Schaufenstern. Die Stadtverwaltung bleibt weiterhin im Amt, während Gauleiter Moll sich absetzt. Am Montag wird auch Gauleiter Wagner in Konstanz gesichtet – aus welchem Grund, bleibt unklar. Gleichzeitig wird bekannt, dass der Führer des Volkssturms, der dessen Entwaffnung anordnet, seines Postens enthoben wird.

Einen gescheiterten Fluchtversuch unternehmen Wagners Ehefrau und Tochter. Sie versuchen, sich in die Schweiz abzusetzen, werden jedoch an der Grenze abgewiesen.

Amerkung Autor: Gemäss Robert Ernst: Rechenschaftsbericht eines Elsässers, 2. Auflage, Berlin 1955 und Philip Ch. F. Bankwitz: Alsatian Autonomist Leaders 1919–1947 wurde bei der Einnahme Karlsruhes durch französische Truppen am 4. April 1945 Wagners Familie Opfer von Repressionen: Seine Frau und die zwölfjährige Tochter wurden öffentlich durch Strassburg getrieben. Das spätere Schicksal seiner Frau bleibt ungeklärt – einige Quellen berichten von ihrem Suizid nach schwerer Misshandlung, andere nennen den Sprung aus einem Pariser Gefängnis als Todesursache. Das seine Frau und Tochter an der Schweizer Grenze abgewiesen wurde, stammt aus unterlagen des Bundesarchives. 

By the way - Wagner selbst floh zunächst in den Schwarzwald und dann nach Bodman. Nachdem er von der Eroberung Konstanz’ und dem Tod seiner Frau erfahren hatte, stellte er sich Ende Juli 1945 den Amerikanern, die ihn an die Franzosen übergaben. Im April und Mai 1946 wurde er in Strassburg gemeinsam mit sechs weiteren Angeklagten wegen Kriegsverbrechen im Elsass angeklagt und zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde trotz Berufung bestätigt. Am 14. August 1946 wurde Wagner im Fort Ney erschossen. Seine letzten Worte zeugten von ungebrochener nationalsozialistischer Überzeugung. Er wurde in Strassburg-Cronenbourg beerdigt.

Die Aufnahme von Flüchtlingen in der Schweiz – Bundesrat informiert über aktuelle Lage

In seiner heutigen Sitzung lässt sich der Bundesrat von den zuständigen Departementschefs über die aktuelle Flüchtlingsaufnahme orientieren. Dazu wird amtlich mitgeteilt:

Im Zusammenhang mit der am 19. April verfügten Schliessung der Ostgrenze hatte der Bundesrat bereits betont, dass trotz dieser Massnahme aus humanitären Gründen und im Geiste der schweizerischen Tradition Ausnahmen möglich bleiben sollen – sofern die Aufnahmefähigkeit des Landes dies erlaubt. Daher bleiben im geschlossenen Grenzabschnitt einige Grenzübergänge weiterhin geöffnet.

In der Zeit vom 18. bis 22. April sind insgesamt 13.040 Flüchtlinge in die Schweiz gelangt. Es handelt sich dabei fast ausschliesslich um Fremdarbeiter und ehemalige Kriegsgefangene aus Deutschland.

Unter den Flüchtlingen befinden sich 3372 Franzosen, 355 Belgier und 572 Holländer, die nach kurzem Aufenthalt weiter nach Frankreich reisen konnten. Die übrigen Personen – darunter Ungarn, Tschechen, Polen, Serben, Italiener, Griechen, Litauer, Spanier, ehemalige Schweizerbürger, Senegalesen, Nordafrikaner und Annamiten – verbleiben vorläufig in der Schweiz. Ihre Wiederausreise wird derzeit in bilateralen Verhandlungen vorbereitet.

Besonders hervorgehoben wird die Aufnahme von 5446 russischen Flüchtlingen, ebenfalls vorwiegend ehemalige Kriegsgefangene und Fremdarbeiter, die innerhalb des genannten Zeitraums die Grenze passierten.

Zusätzlich werden kleinere Detachements deutscher Wehrmachtsangehöriger interniert. Wie bisher garantiert die Schweiz auch weiterhin eine korrekte und humane Behandlung sowie angemessene Unterbringung aller aufgenommenen Flüchtlinge.

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