25. April 1945
Weitere Truppen über den Rhein gebracht
Die Bevölkerung Hüningens verfolgt mit sichtlicher Erleichterung und Freude vom Rheinufer aus die Überquerung des Rheins durch französische Truppen. Seit Ende November war es den Bewohnern strikt verboten, sich dem Ufer zu nähern – zu gross war die Gefahr, von deutschen Soldaten erschossen zu werden. Die Zugänge zum Rhein waren mit Stacheldraht gesichert. Erst in der Morgenfrühe des Dienstags, nachdem sich die Zurückgebliebenen von der gelungenen Traversierung überzeugt hatten, wagen sich wieder Jung und Alt ans sonnige Rheinbord. Kinder klettern auf die Bunker und verfolgen von dort aus das Vorrücken der französischen Truppen auf badischem Gebiet und das Abführen der ersten deutschen Gefangenen über den Rhein ins Elsass.
Die zuvor gefürchteten, ausgedehnten Befestigungsanlagen in Friedlingen und Umgebung sind in einer Nacht kampflos aufgegeben worden – zur grossen Erleichterung der Bevölkerung von Hüningen und Neudorf, die damit einer erheblichen Gefahr entgeht.
Um 10:00 Uhr erscheinen neun Flugzeuge aus westlicher Richtung über dem Schafberg und dem Isteiner Klotz. Sie fliegen kreisend über das Gebiet und werfen nördlich der Panzerkuppel mehrere Bomben ab. Damit bestätigt sich der Verdacht, dass sich im Festungsgebiet des Isteiner Klotzes noch ein Widerstandsnest befindet.
Kurz nach 11:00 Uhr steigt bei Märkt eine gewaltige Rauchwolke auf, die wie eine Folge von Sprengungen wirkt. Da jedoch keine Detonationen hörbar sind, bleibt die Ursache unklar.
Am Nachmittag erscheint der Kommandant der französischen Streitkräfte am Oberrhein, General Papst (X), am schweizerisch-badischen Grenzübergang in Kleinhüningen. Er wird begleitet vom Maire von St. Louis und Hüningensowie von einem elsässischen Trachtenmädchen.
Weitere Grenzübertritte an der aargauischen Nordgrenze
Im Verlauf des französischen Vormarsches rheinabwärts überschreiten mehrere Gruppen die Grenze zur Schweiz. Auf der Rheinbrücke zwischen Koblenz und Waldshut treten 15 Angehörige der deutschen Wehrmacht und des Volkssturms auf Schweizer Boden über. Auch beim Kraftwerk Rheinfelden flüchten vereinzelt deutsche Deserteure. Zudem setzen 11 deutsche Hilfsgrenzwächter bei Kaiseraugst über die Rheinbrücke in die Schweiz.
