Notlandung B-17 Lazy Baby 14. Oktober 1943 - Aesch BL

Der 14. Oktober 1943 bleibt als ein Tag von grosser Dramatik im Gedächtnis der Gemeinden Aesch, Reinach und Ettingen. An diesem Tag musste die schwer beschädigte amerikanische B-17 mit dem Rufnamen „Lazy Baby“ auf einem Kartoffelacker beim Schlatthof notlanden – ein Ereignis innerhalb der verheerenden Luftschlacht, die als „Black Thursday“ in die Geschichte einging.

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B-17 "Lazy Baby" auf dem Acker beim Schlatthof, zwischen Aesch und Ettingen - Foto / Kolorierung Privatarchiv Patrick Schlenker

Mission 115 – Ziel Schweinfurt und Regensburg

Am Morgen jenes Tages gegen 10:00 Uhr hob die „Lazy Baby“, eine viermotorige B-17F der 305th Bomb Group, zu ihrer Mission ab. Das Ziel: die Kugellagerfabriken in Schweinfurt sowie Rüstungsbetriebe in Regensburg. Die Kugellagerindustrie war von enormer strategischer Bedeutung, da sie für fast alle grossen Rüstungsgüter benötigt wurde.

Schon beim Aufmarsch litten viele der 320 aufgebotenen Bomber in drei Divisonen der 8th US Air Force unter technischen Defekten oder organisatorischem Chaos. Die Zusammensetzung der Verbände war instabil, und der Begleitschutz war unzureichend: Die zur Verfügung stehenden P-47 Thunderbolts hatten nur eine begrenzre Reichweite, sodass die Bomber ohne Jagdschutz die letzten rund 300 km bis zum Ziel aleine fliegen sollten.

Die Verluste waren verheerend: Bereits beim ersten Schweinfurt-Angriff im August 1943 hatte die US-Luftwaffe 60 Bomber und 552 Mann verloren, ohne dass die Produktion nachhaltig lahmgelegt worden wäre. Aus dieser Erfahrung heraus war Mission 115 als zweite Attacke gegen Schweinfurt mitersetzt worden.

Operationsplan Mission Schweinfurt - Quelle Wikipedia

USAAF Operationsplan des 2. Angriffs auf Schweinfurt am 14. Oktober 1943 

Angriff und kritische Treffer

Die geplanten Täuschungsmanöver der 1. und 3. Division, die bei Aachen und Frankfurt die Routen änderten, um Angriffe auf Augsburg, München oder andere Städte vorzutäuschen, zeigten nur begrenzten Erfolg. Kurz nachdem die Thunderbold Begleitjäger kurz vor halb zwei in der Nähe von Aachen die Bomberformationen verlassen hatten, Griffen etwa 400 deutsche Flugzeuge vom Typ Messerschmidt Me109 und Foke-Wulf Fw190, aber auch Zerstörerflugzeuge vom Typ Ju 88 und Me410 "Hornisse" auf die amerikanischen Bomberverbände,  die sich in enger Igelstellung zu verteidigen suchten. Eine viermotorige Foke-Wulf Fw 200 "Condor" begleitete aus sicherer Entfernung, um den deutschen Feldflughäfen und Flakstellungen fortlaufend Höhe, Geschwindigkeit und Position der US-Bomber zu melden.

Die Besatzungen gaben alles, was ihre elf 12,7-mm-Maschinengewehre hergaben, und meldete binnen kurzer Zeit den Abschuss von fünf deutschen Fw190 und Me109, die den Angriff von vorn und unten führten. Gegen die aus rund 1.000 Metern Entfernung von Zerstörerflugzeugen abgefeuerten 40-kg-Raketen aus dem 21 cm-Raketenwerfern (WGr 21) konnten die fliegnden Festeungen wenig auszuichten. 

Mit wachsendem Entsetzen musste Dienhart beobachten, wie eine B-17 nach der anderen aus der Formation fiel, bis die "Lazy Baby" die letzte Überlebende der Staffel 364 war, die ursprünglich aus sieben Maschinen bestanden hatte.

Die „Lazy Baby“ erhielt mehrere Treffer. Eine Explosion, wahrscheinlich durch eine Rakete, zwischen dem Bombenschützen Lt. Carl Johnson und Navigator Lt. Donald Rowley verwundete beide schwer: Johnson erlitt Verletzungen am Gesäss und Bein, Rowley verlor eine Hand und erlitt zugleich eine tiefe Brustwunde. Die Flügel wurden durchlöchert, Triebwerke beschädigt. Zwei Motoren fielen komplett aus, einer fing Feuer. Treibstoff trat aus, elektrische Systeme versagten, und Teile des Flugzeugs brannten.

Trotz der Schäden gelang es Co-Pilot Brunson Bolin, die Löschanlage zu aktivieren und Propeller in Segelstellung zu bringen. Doch schon bald erhielten auch die verbliebenen Motoren Schüsse, und das Gewicht der Maschine führte zunehmend zur Instabilität. Trotzdem gelang es Pilot Lt. Edward Dienhart, die Maschine vorerst in der Luft zu halten. 

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Zerstörte Bugkanzel der "Lazy Baby" nach ihrer Landung in Aesch BL - Das linke MG mit der Blende sollte in den folgenden Nächten gestohlen werden und erst 44 Jahre später wieder auftauchen - Foto / Kolorierung Privatarchiv Patrick Schlenker

Entscheidung zur Flucht

Lt. Edward Dienhart befahl seiner Crew, abzuspringen. Co-Pilot Brunson Bolin und Drehturmschütze George Blalock verliessen sofort die Maschine. Wahrscheinlich hatte Co-Pilot Bolin den hinterihm stehenden Turmschützen Blalock mitgenommen, als er von Dienhart erfahren hatte, dass die Besatung den Bomber verlassen sollten. Der Rest verblieb in der B-17, weil wahrscheinlich die Alarmgocke als Zeichen zum verlassen des Bombers auch schon ausgefallen war. 

Wiederum hatte der Heckschütze Bernhard Segal seine Beine bereits auf der Ausstiegstreppe, entschied sich aber, wieder zurückzukehren, da er lieber im Flugzeug bleiben wollte, als sich seinem sicheren Tod durch die Deutschen auszusetzen. Funker Hurley Smith war schwer verwundet, übersät mit 35 Flak-Splittern, sein Arm gebrochen. Unterer Bordschütze Raymond Baus sass durchnässt von Hydrauliköl in seiner blockierten Plexiglaskugel gefangen, während die Seitenschützen Christy Zullo und Robert Cinibulk fieberhaft Angriffe eines einzelnen Jägers abwehrten, der die beschädigte B-17 verfolgte. Dienhart enzog sich den Verfolgern, in dem er die B-17 von seinen urpsprünglichen 7.000 Metern auf unter 1.000 Meter brachte.

Mit letzter Kraft schleppte Johnson den tödlich verletzten Rowley hinauf in die Pilotenkanzel und schnallte ihn auf den freien Sitz des Co-Piloten. Gleichzeitig arbeiteten Zullo und Cinibulk daran, Baus aus seiner misslichen Lage aus dem Kugelturm zu befreien.

Dienhart entschloss sich, die Maschine so lange wie möglich in der Luft zu halten und die Schweiz anzusteuern. Um Gewicht zu sparen, warf die Besatzung Bomben, Munition und überflüssige Ausrüstung ab. Die „Lazy Baby“ taumelte schwer, doch gegen Nachmittag erreichte sie den Schweizer Luftraum.

Notlandung auf dem Schlatthof

Gegen 15:30 Uhr landete Dienhart die Maschine mit eingezogenem Fahrwerk auf dem Kartoffelacker zwischen Aesch und Ettingen. Der Kugelturm wurde zerstört, die Bombenschachttüren weggerissen, doch das Flugzeug blieb intakt. 

Als Dienhart das Kanzelfenster öffnete, sah er den Bauernsohn Oscar Hell, der auf das Flugzeug zugerannt war. Hell rief: „I dr Schwyz!“ – Dienhart griff nach seiner Hand und liess sie nicht los. Kurz danach verlor Navigator Rowley das Bewusstsein. Seine letzten Worte waren: „Dies war die beste Landung.“

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Zuschauer strömten sofort nach der Landung zur Landestelle - Foto / Kolorierung Privatarchiv Patrick Schlenker

Nach der Landung wurde Lt. Donald Rowley, welcher durch die Raketenexplosion schwer verwundet sofort ins Bürgerspital Basel überführt, wo er im laufe der Nacht auf den 15. Oktober 1943, um 04.15 Uhr den Verletzungen erlag. Ein wesentlicher Grund dürfte der grosse Blutverlust gewesen sein, da Rowleys schwer zertrümmerter Arm nicht abgebunden worden war. Der medizinische Rapport von Prof. Henschen vom Bürgerspital besagte, dass beide Arme amputiert werden hätten müssen.

Donald Rowley war ein jungverheirateter, athletischer Ingenieur und Präsident des Sportclubs seiner Universität in Los Angeles. Von klein auf war er ein aktiver „Bodybuilder“. Um diese Form zu bewahren, absolvierte er vor jedem Abflug einige Dutzend Liegestütze – sehr zum Erstaunen seiner Kameraden. Manche neckten ihn, weil er so brav war und weder rauchte, trank noch fluchte; insgeheim aber bewunderte man ihn dafür. Rowley war zudem der Einzige der Besatzung, der je zugab, Angst vor dem Sterben zu haben.

Am 26. Juni 1942 hatte er in Los Angeles Geraldine Dunham geheiratet. Einen Monat später, am 26. Juli 1942, meldete er sich freiwillig bei den US Army Air Corps. Schon ein Jahr später, im Juli 1943, flog Lt. Rowley zusammen mit seinen Kameraden nach England zum Kriegseinsatz – und drei Monate später war er tot.

Am 28. November 1943 erhielt seine junge Frau ein Telegramm mit der Mitteilung, dass Donald als „vermisst in Kampfaktion über Deutschland“ gemeldet sei. Einige Tage später kam die offizielle Bestätigung: Er war in der Schweiz gestorben und dort bestattet worden. Die militärische Bestattung fand am 18. Oktober 1943 auf dem Hörnli-Friedhof in Basel statt, unter grosser Anteilnahme der Öffentlichkeit.

Besatzung der Lady Baby

Schweizer Militärangehörige, Politiker und die Besatzung der "Lazy Baby" auf dem Flügel der B-17 - Foto Privatarchiv Patrick Schlenker

Am folgenden Tag konnte aus den Basler Nachrichten folgendes entnommen werden:

Amtlich wird mitgeteilt: Am Donnerstag in der Nähe von Reinach nachmittags ging in Baselland ein ausländischer Bomber nieder. Eine Untersuchung ist im Gange.

Über dem Birsig- und Birstal an der Grenze bei Robersdorf bis in den Talkessel hinein flog am Donnerstag zwischen 15:30 und 15:45 Uhr ein fremdes Riesenflugzeug, nachdem die elsässischen Warmsirenen geheult hatten und die auf dem Felde arbeitenden Bauern auf das herannahende Ungetüm aufmerksam gemacht wurden. Wer der Maschine mit den Augen folgte, wurde bald gewahr, dass irgendetwas in der Steuerung nicht stimmen konnte. Sie flog unsicher und sehr niedrig, verschwand hinter dem Blauenkamm, kehrte zurück und schied dann erneut. Um 15:50 Uhr setzte sie auf der Anhöhe zwischen Weich und Ettingen, in der Nähe des Schlatt- und des Schürhofes, zur Notlandung an.

Das baumfreie Feld war trotz seiner Wellung nicht ideal gewählt. Besser hier als in der topfeben Talsohle, wo zahlreiche Obstbäume die Landung aufs Höchste gefährdet hätten. Das Flugzeug senkte sich auf den weichen Ackerboden und rollte etliche hundert Meter weit auf seinem Fahrgestell leicht bergan. Plötzlich rutschte es auf seinem Bauch, wodurch ein jähes Bremsen entstand, dicht vor einer abschüssigen Halde, die es wahrscheinlich zum Überschlagen gebracht hätte. Der geistesgegenwärtige Pilot erkannte die Gefahr und konnte das Fahrgestell noch rechtzeitig wieder einziehen. Die Propeller gruben sich wie Pflugzähne in die Erde.

Weiter hies es im Artikel:

Die Phantasie begann zu erwachen. Tausend Assoziationen drängten sich heran. Ein Symbol des Krieges und seines unvorstellbaren Grauens mitten in unserer friedlichen Landschaft. Diese Vorstellungen müssen in tausend Köpfen zugleich aufgestiegen sein. Menschen aus allen Dörfern strömten automatisch in Richtung des Ereignisses. Bauern und Handwerker verliessen die Arbeit. Viele junge Menschen kamen zusammen. Zahlreiche Velofahrer eilten über die schottrigen Feldwege. Fussgänger stolperten über umgebrochene Äcker.

Von einigen hundert Metern Höhe aus musste die Ebene wie ein Ameisenhaufen erscheinen. Die schwere Maschine lag unbeweglich auf dem Feld – unglaublich, dass solch ein Koloss in die Luft gebracht werden konnte. Die Besatzung war aus dem tödlichen Treiben gerettet und in friedlichem Land geborgen. Drinnen im Rumpf, noch vor kurzem mit Zerstörung beladen, lag einer mit schweren Verwundungen. Das Volk ringsum raunte, einige sprachen von Flak-Treffern.

Die Mütter mit Kinderwagen kamen dicht heran, staunten über die jungen Männer, die eben noch feindlichem Feuer ausgesetzt waren, nun aber mitten unter einem friedlichen Volk standen. Sie trugen die Spuren des Erlebten sichtbar in ihren Zügen, ebenso wie die Maschine die Einschläge von Flak und Maschinengewehr trug. Wenn sie sprachen, beantworteten sie neugierige Fragen ruhig und gefasst, äusserten Freude darüber, überraschenderweise in der Schweiz gelandet zu sein, und zeigten dem staunenden Volk ihre Montur, insbesondere das elektrisch beheizbare Unterzeug, das besonderes Interesse hervorrief.

Ein Gerücht machte die Runde: Halbwahrheiten, Ergänzungen aus Hörensagen und Vermutungen vermischten sich und wurden weitergetragen. Ein katholischer Priester berichtete, man habe ein Kreuz auf einem der Fremden gesehen – möglicherweise in der Hoffnung, einen Sterbenden zu erreichen. Am Ende blieb es jedoch ein Symbol: junge Männer, gerettet, auf Schweizer Boden, weitab von den Schrecken des Krieges.

Notlandung

Die B-17 wird durch dei Ortswehren der Region bewacht - Foto Privatarchiv Patrick Schlenker

Augenzeugenbericht

Otto Conconi, am Kai 22, 4436 Oberdorf/BL

Ich war damals dreizehn Jahre alt und wohnte in der Nähe des Metallwerks Dornach. Der Bomber flog zuerst aus südwestlicher Richtung gegen das Metallwerk. Man glaubte, nun würde das Metallwerk bombardiert, da diese Fabrik auch für die Deutschen arbeiten musste, um nicht arbeitslos zu sein. Die Maschine überflog die Fabrik sehr niedrig und entschwand. Kurz darauf überflog das Flugzeug, nun aus entgegengesetzter Richtung kommend, wiederum das Fabrikgelände. Ein älterer Mann meinte, der "Amerikaner" – die Hoheitsabzeichen an der Maschine waren den erwachsenen Personen vertraut und auch von uns nicht zu übersehen – lande auf dem Flugplatz "Sternenfeld" bei Basel. Doch kurze Zeit später kam er wieder zurück und vollzog dasselbe Manöver etwa zwei- bis dreimal. Weil ich von zu Hause aus nicht sehen konnte, was nun geschah, da ein kleiner Hügel die Sicht versperrte, fuhren einige Kameraden und ich mit dem Velo von Dornach nach Aesch. Wir sahen dann, wie der Bomber etwa 50 m über den Häusern von Aesch hinwegflog und auf einem freien Feld, das frei war von Hochspannungsleitungen, eine Bauchlandung vollzog. Da ein kleiner Feldweg, der etwas erhöht war, die Landebahn der Maschine durchquerte, wurde die Maschine nochmals hochgeschleudert und schlug danach wieder auf den Boden auf. Als die Maschine stoppte, ratterte es fürchterlich – vermutlich knallten die Fehlzündungen der Motoren so. Wir waren natürlich nicht die ersten, aber dennoch sehr früh am Ort des Geschehens. Die Besatzung, die bereits ausgestiegen war, stand unverletzt auf den Tragflächen. Ein Besatzungsmitglied starb an Verletzungen, entweder waren es Schusswunden, oder der Mann war bei der Landung durch Metallteile des Flugzeugs zusammengedrückt worden. Als wir kamen, riefen wir schon von weitem: "Switzerland". Wir Knaben wurden von den Amerikanern auf die Flügel hochgezogen und kletterten durch die ganze Maschine. Bald danach waren die Ortswehr, die Polizei und das Militär zur Stelle und befahlen allen Leuten, das Gelände zu räumen. Die Amerikaner wurden interniert. Das Flugzeug wurde dann durch das Militär mit Seilen und Pfosten abgesperrt. Schon kurze Zeit danach wurde die Maschine demontiert und mit einem Schwertransport weggebracht.

Verluste und Wirkung

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Die überlebenden der "Lazy Baby" nach ihrer Internierung in der Schweiz - Foto / Kolorierung Privatarchiv Patrick Schlenker

Von den 291 gestarteten B-17 wurden 60 abgeschossen, 17 weitere Maschinen mussten als irreparabel beschädigt gelten, und 121 weitere wiesen erhebliche Schäden auf. Die Verlustrate betrug damit über 26 % – ein gewaltiges Ausmass an Verlust für einen einzigen Einsatz. Dazu kamen der Verlust von 600 Mann (gefangen, verletzt oder gefallen), was rund 20% der eingesetzten Mannschaften entsprach und ebenfalls weit über der Kalkulation lag. 

Auf deutscher Seite fielen rund 40 Jagdflugzeuge, weitere 20 wurden beschädigt. 

Das eigentliche Ziel der Mission – die Zerstörung der Kugellagerwerke von Schweinfurt – wurde trotz der enormen Opfer nur teilweise erreicht. Etwa 60 % der Gebäude und knapp ein Drittel der Maschinenanlagen der beiden grossen Werke (SKF und Kugelfischer) wurden beschädigt oder zerstört. Dennoch gelang es der deutschen Rüstungsindustrie, die Produktion schon wenige Wochen später wieder teilweise aufzunehmen. Durch Verlagerung der Fertigung in Ausweichwerke und eine massive Erhöhung der Arbeitszeiten konnte der Ausfall auf lange Sicht kompensiert werden.

Bereits Anfang 1944 produzierte Schweinfurt wieder fast 80 % der ursprünglichen Menge. Die erwartete Lähmung der deutschen Kriegsmaschinerie blieb somit aus. Erst die fortgesetzten Bombardierungen ab Februar 1944 – diesmal mit Langstreckenbegleitung durch P-51 Mustang-Jäger – führten zu einer spürbaren und dauerhaften Schwächung der deutschen Kugellagerproduktion.

Für die Stadt Schweinfurt selbst war der 14. Oktober 1943 eine Katastrophe. Mehr als 300 Zivilpersonen kamen bei den Angriffen ums Leben, über 1 000 wurden verletzt. Weite Teile der Altstadt lagen in Trümmern. Ganze Wohnviertel rund um die Fabriken wurden zerstört oder brannten aus. Auch die umliegenden Gemeinden wie Werneck und Bergrheinfeldmeldeten Opfer und schwere Sachschäden durch abgeworfene Bomben oder abstürzende Maschinen.

Nachdem Krieg konnten die Alliierten feststellen, dass selbst bei einem Ttalausfall der Produktion in Schweinfurt dies die Deutschen nicht eingebremst hätte. Die detschen prodzierten an anderen Orten paralell dazu so viele Kugellager, dass diese noch Jahre ausgereicht hätten. 

Nach diesem Einsatz änderte die US-Luftwaffe ihre Taktik: Einsätze ohne geeigneten Jagdschutz galten als zu riskant. Die Verluste zeigten, dass Bomberformationen nicht ohne effektiven Begleitschutz operieren konnten – eine Erkenntnis, die in den folgenden Monaten verstärkt umgesetzt wurde. 

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Die "Lazy Baby" auf der Haupstrasse, Ecke Bahnhofstrasse in Aesch auf dem Weg zum Banhof und ihrer Verschrottung - Foto / Kolorierung Privatarchiv Patrick Schlenker

Erinnerung und Denkmal

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Das Denkmal auf dem Schlatthof vor der Wiese, auf der die "Lazy Baby" gelandet war

Das Fliegerdenkmal auf dem Schlatthof bei Aesch entstand aus der Initiative einer Gruppe von Einheimischen aus Aesch, Reinach und Ettingen sowie der Christoph Merian Stiftung (CMS), der Besitzerin des Geländes. Spontan übernahmen die CMS, die kulturhistorisch orientierten Organisationen, die Bürgergemeinden der drei Ortschaften, der Kanton Baselland und private Unterstützer die finanzielle Trägerschaft für das Vorhaben.

Das von Kersten Käfer gestaltete Denkmal vermittelt symbolisch das Zusammenstehen von Menschen in Zeiten der Not: Zwei flügelartige Jurakalkblöcke aus Liesberg werden durch Bronzetafeln miteinander verbunden. Sie stehen für die Solidarität zwischen der Zivilbevölkerung und den kriegsgebeutelten Flugleuten, für Hilfsbereitschaft und menschliche Nähe inmitten des Chaos.

Heute erinnert das Denkmal auf dem Schlatthof bei Aesch an die dramatischen Stunden der Notlandung der „Lazy Baby“. Die Gestaltung, die flügelartigen Blöcke und die verbindenden Tafeln, erzählen von Mut, Schicksal und dem Bedürfnis nach Zuflucht – ein stilles Zeugnis der Begegnungen, die der Krieg nicht auslöschen konnte.

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Souvenir

Trotz der Absperrung des Landungsplatzes und der strengen Bewachung der „Lazy Baby“ durch die Ortswehr sowie den Luftschutz aus Münchenstein, Dornach, Reinach, Aesch und Ettingen gelang es, dass einzelne Flugzeugteile als Souvenir entwendet wurden. In der Nacht von Freitag auf Samstag stellten die Wachen gegen 04.00 Uhr fest, dass das vordere Bordmaschinengewehr des Navigators Rowley sowie eine Bordkamera von einem Anhänger beim Frack verschwunden waren.

MG Cal. 50

Das schwere Kaliber 50 MG der "Lazy Baby", 

Das MG war eine Browning M2, Kaliber 12,7 mm (50), ausgestattet mit Mündungsfeuerabblende für Nachteinsätze und gefertigt von der General Motors Corporation in Ohio. Trotz intensiver Suchaktionen und strenger Befragungen der Dorfbewohner blieb die Waffe zunächst verschwunden. Erst 44 Jahre später, im Jahr 1987, tauchte sie wieder auf: Leo Brodmann hatte die Gelegenheit einer kurzzeitigen Unaufmerksamkeit der Wachen genutzt und die „Kanone“ in Sicherheit gebracht. Wie er später berichtete, wollte er sie so vor der Verschrottung bewahren.

Brodmann vergrub das „heisse Eisen“ zunächst in seinem kleinen Rebberg in Ettingen, von wo aus er in den folgenden Tagen die umfangreichen Suchaktionen beobachten konnte. Nach einigen Monaten holte er die Waffe wieder ans Tageslicht und lagerte sie im Keller seiner Scheune. Heute ist dieses besondere Stück der Aescher Notlandung vom 14. Oktober 1943 im Aescher Dorfmuseum zu sehen – zusamen mit anderen Exponaten, wie auch einer Uniform eines der Besatzungsmitglieder.

Folgen

Heute gilt der 14. Oktober 1943 als Wendepunkt in der Strategie der amerikanischen Bomberoffensive. Der Tag zeigte deutlich, dass unbegleitete Tagesangriffe tief ins Reichsgebiet nicht mehr tragbar waren. Erst nach Einführung der Langstreckenjäger vom Typ P-51 Mustang konnten die Alliierten ihre Verluste senken und ihre Luftüberlegenheit ausbauen.

Auch für die Luftwaffe bedeutete der „Schwarze Donnerstag“ einen hohen Blutzoll. Die Verluste an erfahrenen Jagdfliegern und Besatzungen liessen sich nicht mehr vollständig ausgleichen. Damit begann allmählich der schleichende Niedergang der deutschen Jagdverbände, die bis 1944 zunehmend auf Verteidigungsoperationen beschränkt waren.

Besatzung der "Lazy Baby"

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