Basel 1945: Als die Amerikaner plötzlich Ferien machten
Heute könnte man sich kaum vorstellen, dass eine grosse Anzahl amerikanischer GIs in der Schweiz in Uniform durch die Innenstadt laufen, in Gruppen ins Tram stiegen, fotografierten und einkauften, ohne dass das sofort negative Reaktionen auslösen. Natürlich gibt es heute Momente, in denen Uniformen in Basel ganz selbstverständlich zum Stadtbild gehörten, wie wenn das Basel Tattoo sattfindet, wo Militärmusik, Formationen und Zeremoniell als Teil einer Veranstaltung wahrgenommen werden. Aber genau darin liegt der Unterschied. Damals, 1945, war die Uniform nicht „Programm“, nicht Bühne, nicht Event. Sie war Alltag auf der Strasse Basels gewesen.
Amerikanische Soldaten im offenen Tramwagen auf der Mittleren Rheinbrücke - Foto Staatsarchiv Basel-Stadt BSL 1060c 3/7/341 - Kolorierung © Patrick Schlenker 2026
In diesem Klima hatten US Uniformen nicht automatisch etwas Bedrohliches bedeutet. Sie hatte, gerade im Sommer 1945, je nach Blickwinkel eher nach Schutz, Sieg und Neubeginn ausgesehen. Als im Mai 1945 der Krieg in Europa endete und damit auch die Kämpfe vor den Türen Basels, standen die Amerikaner für viele Basler nicht als Fremdkörper in der Stadt, sondern als Zeichen dafür, dass das Unfassbare tatsächlich vorbei war. Amerikanische Soldaten kannten die Basler bis dahin meist nur aus Zeitungen und bestenfalls durch Begegnungen an der Grenze zu Frankreich, wo seit November 1944 bis Kriegsende gekämpft worden war. Und plötzlich kamen sie in Scharen. Die Stadt wurde zur Drehscheibe für etwas, das kurz zuvor kaum vorstellbar gewesen war: Amerikanische Soldaten kamen als Urlauber in die Schweiz. Nicht als Besatzung, nicht als Durchmarsch, sondern als Gäste mit Programm, Zeit und Geld in der Tasche.
